|
Der Krieg und die Medien (7) Wie die Menschen auf den Krieg eingestimmt werden |
| 1. Über die Bilder von den jubelnden Palästinensern und andere Manipulationen im 'Krieg gegen den Terror': |
| 2. Wie in vergangenen Kriegen manipuliert wurde, um kriegslüstern zu machen: |
| 2a. Medien und Krieg - Das 'Massaker von Srebrenica' |
| 3. Der Angriff der Mainstream-Medien auf die 'Verschwörungstheoretiker': |
| 4. 'Die Akte Saddam' und die Auseinandersetzung um das 'Massaker' von Halabja: |
| 5. Die 'Beweise' des Herrn Powell für den Angriff auf den Irak: |
| 6. Wie der 'Sieg' gegen den Irak in Szene gesetzt wurde: |
| 7. Die 'Festnahme' der Saddam Hussein genannten Person |
| 8. Der erste Gerichtstermin mit der Saddam Hussein genannten Person |
| 9. Schritte zur Installation bzw. Verfestigung des Feindbildes Nordkorea |
|
Wie ein Phantom als Video auftaucht, wieder verschwindet und die Welt 'aufatmen' läßt Kleiner Querschnitt durch die 'Berichterstattung' zu dem Vorgang vom 13.12.2003, der als Festnahme von Saddam Hussein dargestellt wird
Auch die Sendungen des kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Fernsehens stellen den Vorgang als erwiesene Nachricht dar. Saddam Hussein gefasst - Saddam Hussein festgenommen, titeln sie ohne jede Distanz und präsentieren die vom US-Militär in die Welt gesetzten Videoaufnahmen als Sensation.
Das ist geschickt. Statt von der Unterzeichnung des Geheimdienstgesetzes, des 'Intelligence Authorization Act for Fiscal Year 2004 (H.R.2417)' durch US-Präsident Bush zu berichten, sind die Medien am Sonntag, dem 14.12.2003, fast den ganzen Tag über voll mit Berichten von dem, was sie als Festnahme Saddam Husseins bezeichnen. Von der schrittweisen Umsetzung des so genannten Patriot Acts II zur weiteren Einschränkung der Bürgerrechte erfahren wir nichts. Für die 'Tagesschau' z.B. ist das kein Thema und für die Radionachrichten des WDR auch nicht. Immerhin erfahren wir in den Radionachrichten des Bayerischen Rundfunks am Montag, dem 15.12.2003, um 6 Uhr früh: "Der amerikanische Präsident Bush hat ein neues Geheimdienstgesetz unterzeichnet. Es gibt unter anderem der Bundespolizei FBI mehr Möglichkeiten im Kampf gegen die Finanzierung des Terrorismus. So kann das FBI jetzt einfacher Finanzinformationen von Kasinos, Autohändlern und anderen Geschäften einholen. Mit dem Gesetz wurde auch das Geheimdienstprogramm für 2004 gebilligt, dessen Einzelheiten allerdings weitgehend unter Verschluss sind..." Worum es tatsächlich geht, erfahren wir allerdings auch hier nicht. Aber immerhin, die zeitliche Nähe zweier Ereignisse, die Unterzeichnung des Gesetzes in Washington und die Inszenierung der 'Festnahme' im Irak, kann Aufmerksamkeit erregen und zum Nachforschen motivieren - über eine Inszenierung mit Doppelfunktion: zum einen als PR-Aktion mit dem Ziel, der Weltöffenlichkeit den völkerrechtswidrigen Raubüberfall auf den Irak als Befreiung zu verkaufen, zum anderen den Abbau demokratischer Freiheit im entfachten Medienwirbel untergehen zu lassen und gar nicht erst als solchen ersichtlich werden zu lassen. "Most of the details of the bill are secret" (Die meisten Einzelheiten des Gesetzes sind geheim), heißt es in einer entsprechenden AP-Meldung. Mit der Überschrift "Bush signs bill extending FBI powers" (Bush unterzeichnet das Gesetz zur Erweiterung der FBI-Kompetenzen) verbreitet 'The Boston Globe' die AP-Meldung. 'Unknown News' übersetzt: "Bush signs 'PATRIOT Act II'" (Bush unterzeichnet 'PATRIOT Act II'). Über die 'Festnahme' soll US-Präsident Bush am Samstag, dem 13.12.2003, um 15.15 Uhr (Ortszeit) auf seinem Landsitz Camp David (Maryland) in Kenntnis gesetzt worden sein. Über die Unterzeichnung des Gesetztes erfahren wir, daß sie am gleichen Tag (ungewöhnlicherweiese am Wochenende) in Washington stattgefunden habe. Allerdings scheint die Information über diesen Vorgang erst gegen Ende des folgenden Tages, am Sonntag, dem 14.12.2003, in die Öffentlichkeit gegeben worden zu sein - in einer Phase, als die 'Festnahme' als Top-Ereignis in den Köpfen der Menschen verankert ist. Alles in allem: aus dem Blickwinkel der US-Machthaber ein gelungener zeitlicher Ablauf. Bis gegen 13 Uhr (MEZ) wird am Sonntag, 14.12.2003 (von deutschsprachigen Nachtrichtenagenturen) verbreitet, die als Saddam Hussein bezeichnete Person sei in Tikrit festgenommen worden. Diese Meldungen beziehen sich auf irakische Quellen. Um 13 Uhr (MEZ) beginnt in Bagdad dann eine Pressekonferenz der US-Armee. Hier verkünden Vertreter der USA, die als Saddam Hussein bezeichnete Person sei nicht in Tikrit sondern in einem Ort in der Nähe von Tikrit festgenommen worden. Ab ca. 13.30 Uhr wird dieses dann fast ausnahmslos als offiziell feststehender Tatbestand verbreitet. Verlautbarungen der USA haben als Wahrheit zu gelten. Aber warum sollen Aussagen von US-Vertretern wahrer sein als die aus anderen Quellen? Es gibt drei Möglichkeiten: 1. Aussage A (Festnahme in Tikrit) stimmt nicht; 2. Aussage B (Festnahme in einem Ort in der Nähe von Tikrit) stimmt nicht; 3. Aussage A und B stimmen beide nicht. Die Möglichkeit, daß beide Aussagen zutreffen, gibt es nicht. Bis zum 14.12.2003 13 Uhr (MEZ) ist Saddam Hussein ein Phantom. Sein Aufenthaltsort - lebend oder tot - ist nicht bekannt. Dann beginnt in Bagdad die Pressekonferenz der US-Armee. Dort wird ein Video vorgeführt, in dem eine Person mit Vollbart und dann ein Foto (einem Bild aus der vorherigen Szene gegenübergestellt) von einer Person mit Schnauzbart zu sehen ist. Vertreter der USA behaupten, es handele sich dabei um Saddam Hussein. Nach Vorführung dieses Videos ist Saddam Hussein wieder ein Phantom. Sein Aufenthaltsort ist geheim. Wir wissen nicht, ob es ihn tatsächlich gibt. Nichts ist für die Öffentlichkeit nachprüfbar. Es gibt von der Saddam Hussein genannten Person nur das Video und ein paar Bilder, von denen die Öffentlichkeit glauben soll, daß sie authentisch seien - daß sie das zeigen, was behauptet wird.
Von einer DNA-Analyse, die die Identität erwiesen hätte, sprechen irakische Quellen, die US-Vertreter nicht. Warum sollen die irakischen Quellen in diesem Punkt zutreffend sein, wo sie sich doch hinsichtlich des Ortes der angeblichen Festnahme als falsch herausgestellt haben (zumindest zu denen der US-Vertreter im Widerspruch stehend). Es gibt keinerlei Grund, den verbreiteten Meldungen Glauben zu schenken. Die Wahrscheinlichkeit der Inszenierung ist hoch. Doch für den überwiegenden Teil der Medien gibt es keinen Grund zum Mißtrauen. Sie geben wieder, was vom Pentagon und seinen Master-Minds geliefert wird. Ein Beispiel: die Hörfunknachrichten von WDR und vom Bayerischen Rundfunk. Während bis gegen 13 Uhr (MEZ) die Meldung noch in einschränkende Worte gekleidet ist, wird die Meldung von der angeblichen Festnahme nach der US-Pressekonferenz als Fakt verkauft, als könne man der (perfekt) inszenierten Show der US-Armee Glauben schenken. Und Bundeskanzler Schröder zögert nicht lange. Kaum ist die Pressekonferenz gelaufen, bringt er seine "große Freude" über die gelungene Medien-Show zum Ausdruck: "Ich beglückwünsche Sie zu dieser erfolgreichen Aktion", erklärt Schröder in einem von der Bundesregierung verbreiteten Schreiben und legitimiert damit im Nachhinein den völkerrechtswidrigen Raubüberfall auf den Irak. Seine tiefe Erschütterung über einen neuen erschreckenden Schritt bei der Umsetzung des die Demokratie aushebelnden Patriot Act äußert er nicht. |
|
Wie eine Ratte in einem Loch voller Ratten - und wo die Saddam Hussein genannte Person sonst gefunden wurde Ein Querschnitt durch Agenturmeldungen und andere Berichte
Hinsichtlich des Ortes erfahren wir: in Tikrit, bei Tikrit bis hin zu in einer Ortschaft rund 16 Kilometer südlich von Tikrit. Während die Nachrichtenagenturen noch eine zurückhaltende Sprache verwenden, überbieten sich Boulevard- und 'seriöse' Presse in vulgären Formulierungen: die Person hatte sich verkrochen, sie wurde aufgespürt und hervorgezerrt, wie eine Ratte aus einem Loch voller Ratten und Abfall. |
|
Zu welchen Zeiten die als Saddam Hussein bezeichnete Person festgenommen wurde Ein Querschnitt durch Agenturmeldungen und andere Berichte
|
|
Wie die Identität der als Saddam Hussein bezeichneten Person nachgewiesen wurde Ein Querschnitt durch Agenturmeldungen und andere Berichte
Ansonsten fällt auf, daß das Thema DNA-Analyse am Wochenende der 'Festnahme' von US-Vertretern nicht in den Mund genommen wird. Auch im Rahmen der Pressekonferenz in Bagdad wird dieses Thema nicht angesprochen. Die Identität des Festgenommenen werde noch überprüft, heißt es sogar in einer Meldung aus US-Kreisen zu einem Zeitpunkt, wo für irakische Quellen schon alles klar ist. Aber trotzdem besteht hinsichtlich der DNA-Tests weitgehende Einigkeit. Wir erfahren über die Identität, sie sei erwiesen, bewiesen, einwandfrei nachgewiesen, zu 100 Prozent bestätigt bzw. sicher. War mit der DNA-Analyse eine unabhängige Institution befaßt? Nein! Ein US-Militär-Labor habe die Untersuchung durchgeführt, erfahren wir später. Ein Grund zu zweifeln? Nicht für den Großteil der Medien! |
|
Welche Beschaffenheit die Bärte der als Saddam Hussein bezeichneten Person hatten Ein Querschnitt durch Agenturmeldungen und andere Berichte
|
|
Denksportaufgabe: Wo liegt Camp David? Welche Schlüsse die Berichterstattung über die Festnahme der Saddam Hussein genannten Person gestattet Express-Denksportaufgabe: Der 'Express' meldet am 15.12.2003 auf Seite 3, um 19.15 Uhr (Ortszeit Irak) bzw. 15.15 Uhr (Ortszeit Camp David) sei Bush von Rumsfeld auf seinem Landsitz Camp David angerufen und informiert worden. Wo liegt also Camp David? Wenn es im Irak 19.15 Uhr ist, haben wir in Deutschland 17.15 Uhr. In England ist es dann 16.15 Uhr. An der Ostküste der USA ist es 11.15 Uhr. Auf Camp David, dem Landsitz von US-Präsident Bush ist es 15.15 Uhr, als er informiert wird. Also muß der Landsitz von US-Präsident Bush im Atlantik unweit der europäischen Westküste liegen. Stern-Denksportaufgabe: Der 'Stern' meldet in seiner Ausgabe vom 18.12.2003 auf Seite 36, am Samstag um 15.15 Uhr habe George W. Bush in Camp David der erlösende Anruf von Donald Rumsfeld erreicht - in den nächsten 14 Stunden habe das Weiße Haus dicht gehalten. Wieder die Frage: Wo also liegt Camp David? Um 15 Uhr beginnt am Sonntag in Bagdad die Pressekonferenz. In deren Verlauf verkünden die USA die Festnahme von Saddam Hussein, also wohl gegen 15.15 Uhr. 14 Stunden sind vergangen, seitdem Verteidigungsminister Donald Rumsfeld US-Präsident George W. Bush in Camp David angerufen und über die Festnahme informiert hat. In diesem Moment war es in Bagdad demnach 01.15 Uhr. Wo ist es jetzt 15.15 Uhr, also 10 Stunden früher als in Bagdad? Dort muß Camp David liegen. Das muß in den Rocky Mountains oder deren Nähe sein. Wo, zum Teufel, liegt denn nun Camp David? Wieder gibt es drei Möglichkeiten. 1. Die Aussage des 'Express' ist falsch. 2. Die Aussage des 'stern' ist falsch. 3: Die Aussagen von 'Express' und 'stern' sind beide falsch. Die Möglichkeit, daß beide Aussagen richtig sind, gibt es wiederum nicht. Aus zahlreichen anderen Quellen entnehmen wir, daß Camp David zum Washington benachbarten amerikanischen Bundesstaat Maryland gehören soll. Kann das stimmen? |
|
Datteln lügen nicht Berichte über mysteriöse Umstände der Festnahme Saddams in Irak mehren sich - Artikel von Rainer Rupp aus 'junge Welt' vom 19.12.2003
Die Gefangennahme Saddam Husseins sei nur eine weitere Inszenierung der Bush-Regierung gewesen, behauptete am Mittwoch der demokratische US-Kongreßabgeordnete Jim McDermott. McDermott hatte bereits im letzten Jahr Präsident Bush vorgeworfen, um seinen Krieg gegen Irak zu rechtfertigen, sei er auch bereit, das amerikanische Volk zu belügen. Da sich jede Behauptung der Bush-Regierung über irakische Massenvernichtungswaffen inzwischen als Lüge und/oder Inszenierung herausgestellt habe, vermutet der kämpferische Congressman McDermott auch hinter der Festnahme Saddam Husseins nur eine weitere Manipulation. Die Bush-Regierung habe schon lange gewußt, wo sich Saddam befand, aber mit dem Zugriff gewartet, um maximales Kapital daraus zu schlagen. In den letzten Wochen war es für Bush innenpolitisch immer enger geworden. Nicht nur der demokratische Präsidentschaftskandidat Howard Dean wirft Bush inzwischen vor, über die Terrorangriffe am 11. September im voraus Bescheid gewußt zu haben, auch der Vorsitzende der vom US-Kongreß eingesetzten Unabhängigen Kommission zur Untersuchung des 11. September, Thomas Kean, erklärte am Mittwoch öffentlich, daß die Terrorangriffe hätten verhindert werden können. Aus dem Bericht der Kommission ginge »ziemlich deutlich hervor«, was von der Bush-Regierung »nicht getan wurde und was hätte getan werden sollen«, formulierte Kean seine scharfe Anklage in Richtung des Präsidenten. Kean ist ehemaliger Gouverneur von New Jersey und selbst ein politisches Schwergewicht der Republikaner. Seine Vorwürfe können daher nicht als parteipolitische Stimmungsmache im beginnenden Wahlkampf abgetan werden. Für die im kommenden Monat angesetzten öffentlichen Anhörungen im Kongreß hat Kean »bedeutende Enthüllungen« versprochen, die auf die Bush-Regierung zurückfallen würden. Von den bisher schwersten Vorwürfen gegen Bush durch einen republikanischen Parteifreund haben die Einwohner der USA bisher wenig erfahren. Die Schlagzeilen der Medien wurden weiterhin von der Gefangennahme Saddam Husseins und deren Auswirkungen bestimmt. Der Vorwurf McDermotts, bei der Gefangennahme handele es sich um eine politische Inszenierung, kann daher nicht einfach als »pure Phantasie« (so Bush-Freund und Kongreßabgeordneter Dicks) beiseite geschoben werden. Tatsache ist, daß unter der Bush-Administration nichts so ist, wie es sich dem Auge darstellt. Von der erfundenen Kriegsheldin Jessica Lynch über Bushs Landung auf einem Flugzeugträger am 1. Mai zur Verkündung des »Kriegsendes« bis hin zum falschen Truthahn beim Erntedankfest in Bagdad, als der US-Präsident breit grinsend eine »perfekt gebratene« Truthahnattrappe in die TV-Kameras hielt. Es scheint jedenfalls nicht verwunderlich, daß bei soviel Glaubwürdigkeit des Oberkommandierenden der US-Armee die Spekulationen ins Kraut schießen. So behauptete z. B. eine pakistanische Zeitung am Dienstag, daß Saddam Hussein den Amerikanern bereits am 20. November ins Netz gegangen sei. Präsident Bush habe seine Beute bei seinem Besuch in Bagdad am 27. November inspiziert, nachdem Hussein am 23. November einen Selbstmordversuch unternommen habe. Zweifel über den Zeitpunkt der Verhaftung von Saddam Hussein wollen sich auch in der irakischen Bevölkerung nicht legen. Durch die von den US-Besatzern verbreiteten Bilder werden sie zusätzlich genährt. Auf Aufnahmen, die US-Soldaten vor dem Erdloch zeigen, in dem sich Saddam Hussein verborgen gehalten haben soll, hängt an einer Palme gut sichtbar eine große Traube Datteln. Die Dattelernte sei jedoch im Dezember längst vorbei, heißt es in Bagdad. »Vielleicht haben sie Saddam schon seit August dort in dem Loch gefangen gehalten«, wird - laut Bericht der jW-Korrespondentin in der irakischen Hauptstadt - jetzt spekuliert. Ebenfalls am Dienstag berichtete eine Zeitung aus Katar, daß der israelische Ministerpräsident Scharon heimlich nach Bagdad gekommen sei, um dort Saddam Hussein zu sehen. Alles Märchen aus Tausend-und-einer-Nacht? Selbst die kühl kalkulierende ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright traut der Bush-Regierung noch mehr Zynismus zu, als ihr selbst nachgesagt wird. In einem Fernsehinterview auf Fox News Channel behauptete sie am Mittwoch, daß Präsident Bush genau wisse, wo sich Osama bin Laden versteckt, und mit dem Zugriff auf den politisch richtigen Moment - kurz vor den Wahlen - warte. Laut einer repräsentativen Umfrage unmittelbar nach der Gefangennahme Saddams hat sich die Zustimmungsrate der amerikanischen Bevölkerung zu Präsident Bush nach einer Periode kontinuierlichen Absinkens von 52 Prozent sprunghaft auf 58 Prozent verbessert. Waren es vor der Festnahme Saddams noch 47 Prozent der Amerikaner, welche die Außenpolitik Bushs ablehnten - das bisher schlechteste Ergebnis in Bushs Amtszeit - so waren es danach nur noch 38 Prozent. Am Mittwoch erklärte Präsident Bush im US-Fernsehen zu Bin Laden: »Wir sind ihm auf der Spur.« Quelle: www.jungewelt.de/2003/12-19/001.php |
|
Belanglose Todesopfer von unschätzbarem Wert Über die Funktion der Bilder vom 16. März 1988 aus Halabja im Nordirak
Auch nach dem Vorgang, der als Festnahme von Saddam Hussein bezeichnet wird, werden zum wiederholten Male Bilder von 1988 zu Hilfe gezogen, um klar zu machen, wo das Böse zu suchen ist, und das obwohl bis heute nicht erwiesen ist, welche Seite im Iran-Irak-Krieg damals für den Giftgaseinsatz von Halabja verantwortlich war; und obwohl diejenigen, die den Giftgaseinsatz heute zu Propagandazwecken verwenden, ihn damals kaum der Erwähnung wert fanden, sondern im Gegenteil den Irak als Kriegspartei unterstützt haben. "Denn die Schmier- und Zündmittel für Saddams Todesmaschine kamen auch aus Washington, Paris, Bonn, Moskau, London, Madrid und anderen Orten... Und wie belanglos die Kohl-Regierung das Giftgasmassaker vom März 1988 gegen die Kurden in Halabja fand, als sie Saddams Regime ein Vierteljahr später einen Hermes-Kredit ausreichte..." ('Neues Deutschland' vom 16.12.2003) Die kurdische Stadt Halabja sei 1988 durch Saddams Truppen ausgelöscht worden, schreibt die Bild-Zeitung. Die Stadt hatte 40.000, nach anderen Angaben 80.000 Einwohner. Die sind gemäß Bild-Zeitung also alle umgekommen. Der 'Stern' schreibt von 5000 Kurden, die infolge des Gasangriffs in Halabja gestorben sein. Auch an anderer Stelle lesen wir von 5000 Getöteten. Die Bild-Zeitung übertreibt. So genau werden es ihre Leserinnen und Leser nicht in Erinnerung haben, werden sich die Schreiber gedacht haben. Die Bilder aus 'Bild' und 'Zeit' zeigen die gleiche Szene. Die Bild-Zeitung sieht ein Kind mit seiner Mutter, die 'Zeit' ein Kind mit seinem Vater. Stimmen kann nur das eine oder das andere. Mindestens eine der beiden Angaben ist falsch. Aber falsche Behauptungen spielen keine Rolle. Es geht nicht um Wahrheit. Es geht um Feindbilder. Ein und dasselbe Ereignis ist heute belanglos und morgen von unschätzbarem Wert - je nach Interessenlage. Ein und dasselbe Opfer bedarf heute keiner Beachtung und morgen verursacht es den Aufschrei in fast der gesamten Medienlandschaft - je nach geostrategischer Interessenlage. Die Medien - sei es die Bildzeitung oder die 'Zeit', sei es der Spiegel' oder der 'stern' - bedürfen keiner Steuerung, sie steuern sich selbst. Sie sind entweder auf dem einen oder auf dem anderen Auge blind. Sie wissen, wann es welche Verbrechen zu legitimieren oder anzuprangern gilt und wann welche Opfer von Bedeutung sind und wann welche nicht. Sie sind Teil eines genialen Systems. |
Eine weitere interessante Betrachtung zur 'Festnahme' befindet sich auf der website von Ralph Kutza: www.ralph-kutza.de |