Neues aus der Welt der Medien
über Pressefreiheit, Repression, Manipulation und andere Tendenzen

"Nie wieder Aufklärung - WDR-Dokumentation über den Haager Prozeß gegen Milosevic erhält den Joseph-Goebbels-Preis der Fernsehkritik"

Betrachtung von Jürgen Elsässer in 'junge Welt' vom 3.12.2003 über "die story: Das Tribunal - Angeklagt Slobodan Milosevic", WDR-Fernsehen, 1.12.2003

Endlich: Am Montag abend zeigte der zu Unrecht als »Rotfunk« verschrieene WDR, daß er im Falle eines Falles doch zu den zuverlässigen Stützen unseres Staates gehört. So zuverlässig war der Sender nicht immer gewesen: Im Frühjahr 2001 strahlte er ein Feature mit dem Titel »Es begann mit einer Lüge« aus, das insbesondere der deutschen Regierung Manipulationen zur Rechtfertigung des humanitären Bombardements Jugoslawiens 1999 vorwarf. Verteidigungsminister Scharping wollte die Verbreitung des Streifens sogar verbieten lassen, scheiterte aber an den deutschen Gerichten. Offensichtlich ist der Arm von Milosevic länger, als man gemeinhin denkt.

Deswegen war es umso erfreulicher, daß die Verantwortlichen des WDR nun unter dem selben Serientitel »Die Story« ihren damaligen Fehler ausbügelten. Unmittelbar nach Sendeschluß von »Das Tribunal. Angeklagt: Slobodan Milosevic« beschloß der NATO-Wahrheitsausschuß, Regisseur Thomas Schmitt mit dem diesjährigen Joseph-Goebbels-Preis auszuzeichnen, und der Rezensent pflichtet dieser Entscheidung vollumfänglich bei.

Schon in ihrer Grundstruktur hebt sich die Produktion wohltuend von den krypto-bolschewistischen Machwerken aus der unseligen Zeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ab. Weggelassen wurden alle Zweideutigkeiten, die die Aussage stören könnten, verzichtet wurde auf jeden objektivistischen Schwulst. Der Angeklagte war einfach das Monster, als das ihn die ganze Welt kennt. Demokratisch verwirrte Journalisten hatten vor allem in den ersten Wochen des Haager Prozesses immer wieder von Erfolgen des serbischen Schlächters berichtet. »Milosevic bringt den ersten Zeugen der Anklage in peinliche Situationen«, hatte selbst die ansonsten zuverlässige Frankfurter Allgemeine Zeitung geschrieben, nachdem ein gewisser Mahmut Bakalli seinen Vorwurf, der Angeklagte habe eine Art »Apartheid« im Kosovo eingeführt, nicht hatte belegen können. Auch der Präsident der Kosovo-Albaner Ibrahim Rugova machte leider nicht die beste Figur, als ihm Milosevic ein Flublatt aus den Kriegstagen 1999 präsentierte, das seine Landsleute zur Massenflucht aufrief. Gezeichnet war das Dokument aber nicht von der massenmörderischen jugoslawischen Armee, sondern von der Befreiungsorganisation UCK und von Rugova selbst. Serbisch-dämlich verhielt sich schließlich auch der Kronzeuge Ratomir Tanic, der Milosevic zunächst eines großangelegten Planes zur Vertreibung aller Albaner aus der Provinz bezichtigte, dann aber vor Gericht einräumte, daß er seit 1993 mit dem britischen Geheimdienst zusammenarbeite und dieser ihm auch bei der Abfassung seines Geständnisses behilflich gewesen war. Mit diesen und ähnlichen Episoden des Prozesses, aus dem die Feindpresse großes Aufhebens gemacht hat, beschäftigt sich der WDR-Film an keiner Stelle, und das war auch gut so. Unsere Volksgenossen wollen nicht verunsichert werden - vor allem nicht in diesen Zeiten, wo die Bundeswehrmacht immer noch an der Balkanfront gebunden ist.

Am mutigsten war jedoch, daß der Regisseur auch bei den Passagen des Prozesses, die er wiedergab, nicht vor Manipulationen zurückschreckte. So sah man einen albanischen Zeugen Greueltaten aus dem Ort Izbica anhand eines Videofilms und von US-Satellitenaufnahmen schildern - der Hinweis, daß die beiden Bildbelege nicht kongruent waren und offensichtlich unterschiedliche Orte zeigten, unterblieb ebenso wie die Information, daß ein gleichzeitig aufgenommener Beitrag des serbischen Fernsehens ein friedliches Izbica gezeigt hatte. Im Falle der in einem Kühllaster entdeckten Leichen, angeblich zum Zwecke der Vertuschung im Kosovo ausgegraben und nach Zentralserbien verbracht, wurde zwar deutlich, daß diese Toten niemals gefunden und somit auch nicht identifiziert werden konnten. Milosevics Hinweis auf Polizeiakten, wonach solche Kühllaster in der Region auch zum Schmuggel von Flüchtlingen aus Osteuropa via Serbien in die EU benutzt wurden, wurde glücklicherweise weggeschnitten. Raffiniert war auch, daß man unkommentiert stehenließ, was ein anonymer jugoslawischer Soldat dem Diktator ins Gesicht schleuderte: »Sie waren es ja, die die schändlichen Befehle gegeben haben, die wir ausführen mußten.« Das war ein harter Schlag für die Feindpresse, die gerade an der Existenz entsprechender Befehle Milosevics zweifelt. Selbst die Neue Zürcher Zeitung hatte nach Ende des Verhandlungskomplexes konstatiert: »Aber bisher wurde kein einziges Dokument vorgelegt, das zu einer Verurteilung führen könnte.«

Wie unsere Redaktion aus dem Reichspropagandaministerium erfuhr, soll der Film künftig auch als Unterrichtsmaterial an der Leni-Riefenstahl-Akademie in Königsberg eingesetzt werden. Die Grande Dame des deutschen Films hätte sich sicher gefreut.

Quelle: www.jungewelt.de/2003/12-03/018.php

Hinweis: Anfang März 2004 erscheint eine im Umfang fast verdoppelte und vollständig aktualisierte Neuauflage des seit knapp zwei Jahren vergriffenen Buches von Jürgen Elsässer: "Kriegsverbrechen. Die tödlichen Lügen der Bundesregierung und ihre Opfer im Kosovo-Konflikt". Weitere Informationen unter: www.juergen-elsaesser.de

Ankündigungstext: "die story: Das Tribunal - Angeklagt Slobodan Milosevic", WDR-Fernsehen, 1.12.2003, Film von Thomas Schmitt, Redaktion: Klaus Antes / Peter Winterberg

"Die Massaker fanden am Tag unseres Opferfestes statt. Und deine Polizei sagte zu uns: heute ist Bajram. Ihr könnt eure Lämmer schlachten, dann schlachten wir euch!...Man hat die Leute massakriert, verbrannt, und man hat die Leute abgeschlachtet." Mustafa Draga, der wie durch ein Wunder eine Massenexekution überlebt hat, bringt diese Worte nur mühsam über seine Lippen. Der Verantwortliche für diese Gräueltaten sitzt ihm auf der Anklagebank gegenüber - Slobodan Milosevic. Er versucht, die Aussagen des Zeugen mit allen Mitteln zu erschüttern. Noch heute flößt der allmächtige Diktator von einst vielen seiner früheren Untertanen Furcht ein.

Seit Februar 2002 wird vor dem Haager Tribunal gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic verhandelt. Die Anklage wirft ihm Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

Der Angeklagte verteidigt sich selbst. Im Gerichtssaal sind Kameras installiert, die die Verhandlung für die Öffentlichkeit aufzeichnen. 22 Sitzungswochen dauerte die Beweisaufnahme in der Kosovoanklage. In dieser Zeit wurden 124 Zeugen vom Gericht gehört. Darunter unmittelbar Betroffene, von denen einige ihre gesamte Familie verloren haben. Sie durchleben noch einmal, was sie erlitten haben und werden von einem oft arroganten und zynischen Milosevic ins Kreuzverhör genommen. In der Konfrontation zwischen dem mutmaßlichen Tatverantwortlichen und seinen Opfern kommt es zu erschütternden Szenen.

Der Film dokumentiert einen Prozess, bei dem sich zum ersten Mal ein ehemaliges Staatsoberhaupt für in seiner Amtszeit begangener Verbrechen vor einem internationalen Strafgericht verantworten muss. Das Haager Tribunal lässt sich in seiner historischen Bedeutung nur mit den Nürnberger Prozessen und dem Eichmann-Prozess vergleichen.


Auftrag nicht erfüllt? Der Fall Gerhard Wisnewski und Willy Brunner

Über die Kampagne gegen kritische Journalisten (Teil 2), 28.10.2003

Am 24.10.2003 erhält 'Telepolis' von der Presseabteilung des WDR auf Anfrage hinsichtlich des vom WDR gegen Gerhard Wisnewski und Willy Brunner ausgesprochenen Beschäftigungsverbots folgende Stellungnahme:

"Die Autoren W. und B. waren vom WDR mit einem Film über die Szene der Verschwörungstheoretiker in den USA zum 9. September [sic] beauftragt worden. Die dort kursierenden Thesen sollten dargestellt, wenn möglich auch bewertet werden. Leider haben die Autoren diesen Auftrag nicht erfüllt; sie haben sogar am eigentlichen Ziel vorbei gearbeitet. Eine interne Prüfung ergab schnell die Mängel des Film. Die Autoren haben es mit der journalistischen Sorgfaltspflicht nicht allzu genau genommen. Aussagen von Zeugen wurden entstellt wieder gegeben, Zeugen, die der Argumentation des Films widersprochen hätten, erst gar nicht befragt. Dem WDR wurden von den Autoren wichtige Hintergrundinformationen vorenthalten. Der WDR hat schnell reagiert und die Thesen des misslungenen Films zur Diskussion gestellt. Herr W. hat aber auch in dieser Sendung nicht überzeugen können. Stattdessen wurden seine abenteuerlichen Thesen durch Fakten widerlegt, vorgetragen von anerkannten Wissenschaftlern und Experten."

Besprechung des Dokumentarfilms 'Aktenzeichen 11.9. ungelöst' vom 20.6.2003:
www.arbeiterfotografie.com/galerie/kein-krieg/hintergrund/index-rezension-1.html


Besprechung der Diskussionssendung 'Täuschung oder Wahrheit?' vom 10.9.2003:
www.arbeiterfotografie.com/galerie/kein-krieg/hintergrund/index-rezension-3.html


Nachdem 'Telepolis' diese Stellungnahme veröffentlicht hat, reagieren Gerhard Wisnewski und Willy Brunner am 28.10.2003:

"Seit Wochen korrespondieren wir nun mit dem WDR, um die Hintergründe einer Spiegel-Meldung zu klären, wonach wir nicht mehr für den Sender arbeiten dürften. Während unser Film und auch das Buch 'Operation 9/11' von Tag zu Tag mehr bestätigt werden, indem nun auch US-Kongressmitglieder eine Freigabe von geheimgehaltenen Dokumenten über denn 11.9. fordern, hat der WDR bis auf den heutigen Tag keine einleuchtende Begründung für diese Maßnahme geliefert.

Auftrag nicht erfüllt? Nicht nur für Branchenkenner absurd... Es finden verschiedene Abnahmerunden statt, zum Beispiel die Rohschnittabnahme, die Bildabnahme, die Textabnahme, die technische Abnahme. Ist der Film abgenommen, bestätigt der Sender damit, daß der Auftrag erfüllt wurde. Anderenfalls könnte er sich ... beschweren und Nachbesserung verlangen. Und anderenfalls würde der Sender natürlich ... auch nicht zahlen. Die Produktionsgelder fließen schließlich nicht auf einmal, sondern in kleinen Schritten - je nach Fortgang der Arbeiten. Der letzte Rest kommt erst nach der letzten Abnahme.

Auftrag nicht erfüllt? Dieser Vorwurf ist besonders bizarr, weil wohl kaum ein Dokumentarfilm in Deutschland so ausführlich geprüft wurde, wie 'Aktenzeichen 11.9. ungelöst'. Außer der Redaktion haben sich noch weitere Angehörige der WDR-Hierarchie die Dokumentation angesehen. Der WDR fand den Film so gut, daß er sogar für den 16.6.03 eigens eine Pressekonferenz in Köln anberaumte, um die Dokumentation dort vorzuführen.

Auftrag nicht erfüllt? Auf die Pressevorführung hin kam noch vor der Ausstrahlung am 20.6.03 eine deutliche - wenn auch nicht inhaltliche - Pressekritik. Auch jetzt stellte der WDR den Autoren keine Fragen, den Film stoppte er schon gar nicht. Warum auch: die Kritik hatte dem Film inhaltlich nichts vorzuwerfen, sondern beschränkte sich auf Stimmungsmache gegen den Autor Gerhard Wisnewski.

Schließlich fragte noch der Spiegel beim WDR an. Die Illustrierte aus Hamburg legte nahe, die Autoren hätten die Aussagen von Zeugen aus dem Zusammenhang gerissen. Der WDR ließ sich unser Rohmaterial schicken, diesmal also beäugten die Redaktion und die Oberen auch noch die 'Zutaten' des Films. Das Ergebnis zitierte der Spiegel zähneknirschend. Die Aussagen besonders des einen Zeugen seien 'nicht entstellt oder verzerrt wiedergegeben' worden. Fernsehdirektor Ulrich Deppendorf konnte sich laut Spiegel 'schlechterdings nicht vorstellen, daß die Fakten falsch sind'. Auftrag nicht erfüllt?"

Gerhard Wisnewski und Willy Brunner resümieren: "Deutlicher kann die Erklärungsnot des Senders kaum noch werden. Daher fordern wir den WDR auf: Nehmen Sie das Beschäftigungsverbot zurück, Sie haben offensichtlich keine stichhaltige Begründung dafür! Stehen Sie zu Ihren eigenen kritischen Filmen, schützen Sie die Meinungsfreiheit! Nutzen Sie Ihr journalistisches Know-How und die Möglichkeiten Ihres Senders, um das Zeitgeschehen und insbesondere die Attentate des 11. September weiter kritisch zu begleiten!"

Unterschreiben Sie die Online-Petition: Kein Beschäftigungsverbot für WDR-Autoren!

Repression gegen kritische Journalisten

Über die Kampagne gegen Gerhard Wisnewski und Willy Brunner, 21.10.2003

Aus dem 'Spiegel' (Nr. 39 vom 22.9.2003, S. 230, Rückspiegel) erfahren wir: "Die Autoren Gerhard Wisnewski und Willy Brunner dürfen nicht mehr für den Sender arbeiten. Das wurde vergangene Woche in der Sitzung des Rundfunkrats bekannt. Der WDR fühlt sich von ihnen 'getäuscht'. Intendant Fritz Pleitgen distanzierte sich nach Beschwerden von Rundfunkräten von dem Beitrag; der sei kein Ruhmesblatt."

Es geht um die Sendung "Aktenzeichen 11.9. ungelöst - Lügen und Wahrheiten zum 11. September 2001", eine am 20.6.2003 im WDR-Fernsehen ausgestrahlte Fernsehdokumentation von Gerhard Wisnewski und Willy Brunner ( www.arbeiterfotografie.com/galerie/kein-krieg/hintergrund/index-rezension-1.html), die auf dem WDR-dok-Sendeplatz einen Rekordeinschaltquote erzielte und insgesamt zu einer erstaunlich positiven Resonanz führte. Es dürfte sich um die erste Sendung in den deutschen Mainstream-Medien gehandelt haben, die das Propaganda-Gebäude des 11. September ins Wanken gebracht hat.

Gerhard Wisnewski und Willy Brunner schreiben am 25.9.2003: "Uns hat der Sender darüber bisher keine Mitteilung gemacht - es wäre in der Fernsehgeschichte auch ein einmaliger Vorgang, wenn eine Rundfunkanstalt allein aufgrund von Informationen von dritter Seite ein Berufsverbot gegen Autoren verhängen würde, ohne diese Autoren selbst zu hören und ihre Informationen zu prüfen. Das ist auch insofern ungewöhnlich, als die WDR-Leitung laut der erwähnten Spiegel-Titelgeschichte nach sorgfältiger Prüfung aller Originaldokumente zu dem Ergebnis kam, daß 'Aussagen nicht entstellt oder verzerrt widergegeben wurden'."

Und am 2.10.2003 nehmen Gerhard Wisnewski und Willy Brunner unter dem Titel 'Betrifft: Beschäftigungsverbot' wie folgt Stellung: "Noch immer herrscht keine Klarheit über das Arbeitsverbot, das der WDR über uns, Willy Brunner und Gerhard Wisnewski, angeblich verhängt hat. Auch, ob sich der Sender tatsächlich von uns 'getäuscht' fühlt, wie der Spiegel berichtet hatte, steht keineswegs fest. Da sich diese unverantwortliche Spiegel-Meldung vom 22.9.03 aber weiterzuverbreiten droht, haben wir den WDR gestern mit diesem Fax aufgefordert, Farbe zu bekennen: Gibt es nun ein Arbeitsverbot oder nicht? Darauf erhielten wir nur eine ausweichende und nicht ausreichende Antwort, in der die Spiegel-Vorwürfe und -Berichterstattung hinsichtlich der angeblichen 'Täuschung' und des 'Arbeitsverbots' immerhin nicht bestätigt werden. Wie diese Meldung in den Spiegel kam, dazu der WDR wörtlich: 'Der WDR hat nicht zu verantworten, was in der Presse über nichtöffentliche Sitzungen des Rundfunkrates geschrieben wird.' Das Problem besteht also nicht nur darin, daß der Rundfunkrat entgegen der Vertraulichkeit der Sitzungen Informationen nach außen hat dringen lassen, sondern daß diese Informationen offenbar auch noch falsch, rufschädigend und geschäftsschädigend waren und bis dahin hervorragend beleumundete Journalisten massiv in ihren Rechten verletzten. Wir werden deshalb als nächstes den Rundfunkrat in dieser Angelegenheit um Stellungnahme bitten."

Doch neben dem Thema 'Beschäftigungsverbot' gibt es eine zweite Angelegenheit, in die der WDR einbezogen ist: am 10.9.2003 wird im WDR-Fernsehen eine Sendung mit dem Titel "Täuschung oder Wahrheit" (ausführliche Besprechung siehe hier) organisiert, die der Demontage des kritischen Journalisten Gerhard Wisnewski dienen sollte.

Dazu schreibt Gerhard Wisnewski am 16.10.03: "'Die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September 2001 geben Rätsel auf', textete der WDR zu seiner Diskussionssendung 'Täuschung oder Wahrheit' am 10. September 2003. Darin versprach der Sender 'zentrale Thesen von Autoren wie Andreas von Bülow, Gerhard Wisnewski und Mathias Bröckers auf den Prüfstand' zu stellen 'und von unabhängigen Experten einschätzen lassen'. Die unabhängige Prüfung erwies sich jedoch als nicht ganz so unvoreingenommen, wie von dem Sender angekündigt. Für die offizielle Version führte der WDR 3 Experten, 1 Journalisten, 1 Moderator und 6 fein säuberlich konstruierte Filmbeiträge ins Feld, auf der Seite der 9/11-Skeptiker stand ich ganz allein auf weiter Flur... Sowohl die Zeitschrift Arbeiterfotografie als auch Willy Brunner und ich haben uns daran gemacht, die Sendung Schritt für Schritt (Pentagon, Shanksville etc.) zu analysieren. Dabei kam Stück für Stück das Strickmuster der Sendung ans Licht..."

Versuch der Demontage eines kritischen Journalisten (Arbeiterfotografie):
( www.arbeiterfotografie.com/galerie/kein-krieg/hintergrund/index-rezension-3.html)

WDR-Sendung: Shanksville-Komplex (Brunner&Wisnewski):
( home.t-online.de/home/willy.brunner/WDRShanksville2.htm)

WDR-Sendung: Pentagon-Komplex (Brunner&Wisnewski):
( home.t-online.de/home/willy.brunner/WDRPentagon.htm)

Weiter Willy Brunner und Gerhard Wisnewski: "Nicht ohne Stolz berichtet das Berliner Wurstblatt "Jungle World" am 1.10.03 von der erfolgreichen beruflichen Hinrichtung zweier Journalisten, an der sich das Blatt maßgeblich beteiligte. WIR GRATULIEREN, daß die denunziatorischen Briefe an den Intendanten des WDR und das inquisitorische Geschmiere ihre Wirkung nicht verfehlten und den erhofften Erfolg brachten. Denn von Anfang an forderte die dubiose Postille die Anwendung eines Instrumentes auf die Autoren, das man bisher aus einer ganz anderen deutschen Ära kannte: eines Berufsverbotes, in diesem Fall beim WDR. Im Moment schätzen wir uns glücklich, mit einem Arbeitsverbot davongekommen zu sein und nicht in einer Einrichtung gelandet zu sein, wie wir sie ebenfalls aus den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte kennen. Auch, daß das Buch "Operation 9/11" noch nicht den Flammen übergeben wurde, wissen wir zu schätzen... Zum Thema Jungle World, das der sogenannten "antideutschen" Bewegung zugerechnet wird (Motto: linke Phrasen, rechte Positionen), empfehlen wir die Broschüre "Scharfe Schafe – Geschorenes zum antideutschen Bellizismus". Hier eine Rezension ( www.jungewelt.de/2003/10-18/029.php). Daß die durchsichtige Hetzkampagne (Panorama, Spiegel, Jungle World) nach hinten los ging, zeigen uns die vielen zustimmenden Briefe und E-Mails, die wir täglich bekommen. Die angebliche Demontage unserer Arbeit in dem WDR-Film "Täuschung oder Wahrheit" war übrigens in Wirklichkeit eine journalistisch-wissenschaftliche Bankrotterklärung..."

"In Sachen WDR prüfen zur Zeit die Anwälte das weitere Vorgehen. Um unsere Position nicht zu gefährden, müssen wir uns einstweilen eine gewisse Zurückhaltung auferlegen, was öffentliche Äußerungen angeht. Eins jedoch können wir jetzt klar stellen: Nachdem wir sowohl vom Sender als auch vom Rundfunkratsvorsitzenden eine Antwort auf unsere Anfragen bekommen haben, hat nicht der Rundfunkrat ein Arbeitsverbot über uns verhängt, sondern der Sender. Diese Entscheidung wurde den Rundfunkratsmitgliedern in einer nichtöffentlichen Sitzung am 19.09.03 mitgeteilt, von dort aus ging die Meldung an den Spiegel."

Mehr Information auf der website von Gerhard Wisnewski ( www.operation911.de)

Henkel und Hitler - Es war alles ganz anders

Über die Sendung 'Die Henkel-Saga - Ein Leben für Persil' von Lothar Schröder - ausgestrahlt im WDR-Fernsehen im Rahmen der Sendereihe WDR-dok am 10.10.2003

Hitler spricht vor dem Industrieclub in Düsseldorf. Wann das war? Die Geschichtsschreibung läßt keinen Zweifel: im Januar 1932, ein Jahr vor der Machtübernahme.

Am 10. Oktober 2003 läuft im WDR-Fernsehen eine Sendung von Lothar Schröder über die Waschmittelfabrikanten Henkel. Dort erfahren wir: "1933 tritt Hugos Sohn Jost in den Betrieb ein... Die Nazis sind jetzt an der Macht und man beschließt mit ihnen auszukommen. Jost Henkel wird schnell aktiv, lädt Hitler zur Diskussion in den Industrieclub. Kontakte knüpfen, gut Wetter machen." So wird uns in der Sendung erzählt.

Es ist also alles ganz anders gewesen. Es kann ja auch nicht sein, daß Henkel bereits vor der Machtergreifung auf Hitler zugegangen ist. Daraus könnten aufmerksame Zuschauer schließen, daß Henkel zu denen gehörte, die Hitler an die Macht bringen wollten. Und das wäre das letzte, was in einer Sendung über den Erfolg der Waschmittel aus dem Hause Henkel vermittelt werden dürfte. Und über die Rolle zu sprechen, die Industrielle auf dem Weg Hitlers zur Macht spielten, ist auch heute noch generell verpönt. Also drehen wir die Reihenfolge der Ereignisse einfach um. Aus 1933 machen wir 1932, und aus 1932 lassen wir 1933 werden. So einfach machen wir es uns mit der Vertauschung von Ursache und Wirkung. So einfach tilgen wir jegliche Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus.

Aber immerhin: die WDR-Sendung gesteht zu, daß Jost Henkel Hitler in den Industrieclub eingeladen hat. Das ist eine Information, die gar nicht so verbreitet ist. Wir müssen lange suchen, bis wir auf diesen Sachverhalt stossen. "Die Industriellen, die hier [im Industrieclub] im Jahre 1932 versammelt waren, machten bei Hitler Karriere. Sie verdienten an Rüstung und Krieg. Viele von ihnen wurden Wehrwirtschaftsführer. So zum Beispiel der Düsseldorfer Waschmittelfabrikant Jost Henkel. Er hatte, als Präsident des Industrieclubs, Hitler zum Vortrag eingeladen." Das entnehmen wir einer Rede, die Jupp Angenfort, Landesvorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Nordrhein Westfalen, am 14.4.2001 vor dem Industrieclub gehalten hat. Wir müssen also der WDR-Sendung dankbar sein für die Bestätigung. Denn einem Kommunisten hätten wir ja nicht so ohne weiteres geglaubt.

Und weiter Jupp Angenfort: "Hier im Industrieclub trafen am 26. Januar 1932 Hitler, Göring und Röhm mit Großindustriellen und Bankiers zusammen. Hitler legte in einer Rede seine Konzeption vor. Er versprach, den Marxismus auszurotten, die Gewerkschaften zu zerschlagen, die Parteien zu verbieten und demokratische Wahlen abzuschaffen. Er versprach, die Reichswehr auszubauen, aufzurüsten und 'Lebensraum im Osten' zu erobern. Industrielle und Bankiers dankten, wie Presse und Augenzeugen berichteten, 'mit lang anhaltendem Dauerbeifall'. Von nun an flossen riesige Spenden an die Nazipartei."

Und was sagt uns die WDR-Sendung? Über den Kriegsbeginn erfahren wir: "...die Arbeitskräfte werden knapp. Ausländische Zwangsarbeiter treten an die Stelle." Aha, das leuchtet ein. Lothar Schröder versteht es, den Zuschauern die Zwänge zu vermitteln, in denen Industrielle in schwierigen Zeiten stecken.

"Vater Hugo bleibt auf kritischer Distanz. Zwar weiß er, dass ihm als Unternehmer der Eintritt in die Partei nicht erspart bleibt, lässt aber keinen Zweifel an seiner Gesinnung." Sagt uns Lothar Schröder in seiner WDR-Sendung. Hugo Henkel bleibt auf kritischer Distanz, erfahren wir. Auf kritischer Distanz zu wem oder was? Zu den Nazis, zu den Gewerkschaften oder zu was? Er läßt keinen Zweifel an seiner Gesinnung. Hören wir. Tatsächlich, das stimmt. Am 1. Mai 1933, also zwei Monate, nachdem die Nationalsozialisten an der Macht sind, wird er Mitglied der NSDAP. Seine Mitgliedsnummer: 2266961. Das erfahren wir aber nicht aus der Sendung. Das müssen wir den Ermittlungsergebnissen der Militärregierung der Vereinigten Staaten für Deutschland aus den Jahren 1946/47 entnehmen.

Und auch nach 1945 geht alles seinen geregelten Gang. 1958 erhält Jost Henkel das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik. Das lesen wir bei Munzinger. Und Konrad Henkel, ein weiterer Sohn von NSDAP-Mitglied 2266961, sagt: "Ob wir heute anders sind, als wir 1933 waren? Ich glaube es nicht, daß wir jemals so schlecht waren, wie Sie meinen... Wir waren nicht für die Nazis, sondern gegen die Kommunisten... Als uns Hitler 1932 erklärte, daß er mit den Kommunisten aufräumen würde, entschlossen wir uns, ihn zu unterstützen." Das lesen wir bei Bernd Engelmann und Günter Wallraff in 'Ihr da oben, wir da unten'. Der WDR-Sendung von Lothar Schröder entnehmen wir das nicht.

Journalistenpreis kurzfristig aberkannt: Rache der Cross-Border-Leasing-Lobby?

Interview mit Werner Rügemer, geführt von Leif Allendorf - aus 'junge welt' vom 4.10.2003

F: Der diesjährige Journalistenpreis des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) sollte am Mittwoch an Sie verliehen werden. Warum ist Ihnen die Auszeichnung kurzfristig wieder aberkannt worden?

Zwei Tage vor der Preisverleihung rief mich der Jury-Vorsitzende, ein altgedienter WDR-Redakteur, an und teilte mir mit, er habe eine sowohl für ihn wie für mich schmerzhafte Mitteilung zu machen. Man habe mir den Preis wieder aberkannt, weil ich in der Sache Cross-Border-Leasing in einem Maße engagiert sei, wie es »mit dem journalistischen Selbstverständnis nicht verträglich« sei. Als Beleg dafür wurde mir der Offene Brief einer Kölner Bürgerinitiative genannt, den ich mit unterzeichnet hatte. Das Schreiben richtete sich an die Stadtwerke, die ein Cross-Border-Leasing-Geschäft mit der Trinkwasseranlage machen wollten.

F: Das bedeutet in der Logik der Jury, einem Journalisten ist es nicht erlaubt, sich in seiner Freizeit politisch zu betätigen?

Das würde bedeuten, daß ein bürgerschaftliches Engagement für einen Journalisten in einer Sache, in der er sich beruflich Kenntnisse verschafft hat, nicht zulässig ist. Das finde ich absurd. Schließlich bin ich als Bürger Kölns ja nicht nur als Journalist von dem betroffen, was die Stadtwerke machen.

F: Sitzt in der Jury des Journalistenpreises jemand, der in Cross-Border-Leasing-Geschäfte involviert ist?

In dem Gremium sitzen neben Journalisten der Frankfurter Allgemeinen und RTL auch Pressesprecher der Stadtwerke, VKU-Geschäftführer. Aber auch diese hatten mir zunächst einstimmig die Auszeichnung zuerkannt. Die Redaktion des Deutschlandfunks hatte meinen Beitrag vom 3. Januar dieses Jahres über die Risiken von Cross-Border-Leasing-Geschäften eingesandt, weil sie ihn für gut befanden und es nach der Sendung viele Hörerreaktionen gegeben hatte.

F: Hat jemand anderes nun den Preis für den besten Hörfunkbeitrag bekommen?

Nein, die Aberkennung geschah so kurzfristig, daß die Jury außerstande war, einen anderen Preisträger zu finden.

F: Eine Preisverleihung ohne Preisträger?

Nein, der Journalistenpreis des VKU wird in vier Kategorien vergeben: neben Hörfunk sind das noch Fernsehen, Print und Jugend. Die Preise in diesen drei Kategorien wurden verliehen. Nur der Hörfunkpreis entfiel. Die Juroren haben noch einmal betont, daß sie an der Qualität meiner Sendung nichts auszusetzen hätten. Sie sei nach wie vor die beste und erfülle die Anforderungen journalistischer Arbeit, ein komplexes Thema allgemeinverständlich darzustellen und alle Seiten zu Wort kommen zu lassen. Das Problem läge allein in der Person des Autors aufgrund des zu starken Engagements in der Sache.

Quelle: www.jungewelt.de/2003/10-04/017.php

Gilt der Pressekodex für den Presserat?

Artikel von Peter Kleinert aus der Zweiwochenschrift 'Ossietzky' vom 20.9.2003 (Ausgabe 19/2003)

Im Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats sollen je fünf Vertreter der Verleger- und der Journalisten-Organisationen auf die Einhaltung des Pressekodex achten. In dessen Ziffer 1 heißt es: „Die Achtung vor der Wahrheit... und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.“ Weil Veröffentlichungen von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und EXPRESS zu zwei deren Verlag M.DuMont Schauberg selbst betreffende Themen nach meinem Wissen dagegen verstießen, hatte ich mich am 15. Februar bei dieser für mich bislang respektablen Institution beschwert.

Thema 1 meiner Beschwerde war die Darstellung der Kölner und der Verlagsgeschichte während der NS-Zeit in einer unter dem Titel „Als Köln braun wurde“ kostenlos u.a. an Schulen und im NS Dokumentationszentrum der Stadt Köln verteilten Extra-Ausgabe des EXPRESS zum 70. Jahrestag des 30. Januar 1933 sowie in der Jubiläumszeitung „200 Jahre Verlag M. DuMont Schauberg“ vom Sommer 2002.

Dazu gab es im EXPRESS einerseits auf 16 Seiten umfangreiche und fürs Kölner Publikum spannende Enthüllungen über Prominente aus Karneval, Kultur, Politik und Wirtschaft, die sich bei den Nazis angebiedert hatten. Drei Beispiele: „1933 tritt Karnevalist Liessem in die NSDAP ein...“. (S.12) „Kraft durch Freude...heißt die NS-Freizeitorganisation. Auch Willy Millowitsch geht für diese Einrichtung auf große Tournee.“ (S.7) „Ideologisch verbeugt sich das Hänneschen (-theater, P.K.) vor den Nazis - und führt antisemitische Stücke auf.“ (S. 12). Und Bankier Kurt Freiherr von Schröder „hat sich eingekauft in die Nazizeit.“ (S.2)

Die eigene Rolle wurde mit nur 17 Zeilen abgehandelt. “Auch der Verlag M.DuMont Schauberg gerät ins Wanken: „Stadt-Anzeiger“ und „Kölnische Zeitung“ werden vom „Westdeutschen Beobachter“ mit Dumpingpreisen in die Knie gezwungen, die Abonnenten eingeschüchtert. Im September 1933 legt der Verlag beide Zeitungen zusammen - die ge-meinsame Auflage war von 170 000 auf 65 000 gesunken. Am 31. Mai 1941 wird auch die „Kölnische Volkszeitung“ eingestellt, die Nazis haben jetzt das Informationsmonopol.“ (S.11)

Letzteres sei „unwahr und deshalb ein Verstoß gegen Ziffer 1 des Pressekodex“, schrieb ich in meiner Beschwerde. „Tatsache ist, dass Kurt Neven DuMont...die „Volkszeitung“ für 23 Reichsmark pro Abonnenten“ aufkaufen und seinem „Stadt-Anzeiger“ einverleiben konnte. „Tatsache ist weiter“, dass „Stadt-Anzeiger und „Kölnische Zeitung“ schon davor, nämlich „1936 eine Auflage von 180 000 hatten“, der „Westdeutsche Beobachter“ etwa 240 000. Unterschlagen worden sei, dass „Verleger Kurt Neven DuMont 1937 in die NSDAP eingetreten ist“ und dass er „im Sommer 1944 vom Reichspropagandaministerium mit dem Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern ausgezeichnet wurde, das u.a. Adolf Eichmann erhielt.“

Die Nazis waren mit DuMont so zufrieden, dass seine „Kölnische Zeitung“ sogar an die Frontsoldaten versandt wurde.

„Nach dem 2. Weltkrieg durften die Inhaber ihr eigenes Verlagshaus nicht mehr betreten... Ein zweites Mal in einer Generation schien die Verlagsgeschichte beendet“, klagte dagegen Kurts Sohn Alfred Neven DuMont in der Jubiläumsausgabe, in der ein ehemaliger Lokalchef des „Kölner Stadt-Anzeiger“ die Geschichte des Hauses ähnlich aber ausführlicher schön geschrieben hatte als EXPRESS. „Unterschlagen“ werde damit vom derzeitigen Verleger, „dass die Alliierten dem Verlag mit Recht 1945 keine Lizenz erteilten. Die Gründe dafür wurden oben ausführlich dargelegt“, hieß es abschließend in meiner Beschwerde.

Für diese und weitere Unwahrheiten, Fälschungen und Unterschlagungen, erhielt der Presse-rat auf Wunsch umfangreiches Beweismaterial nachgereicht, u.a. eine Kopie des „Nachrichtenblatt des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda“ Nr. 23 vom 18. August 1944.

Ergebnis: Am 23.7. teilte mir Manfred Protze als Vorsitzender des Beschwerdeausschusses mit, dieser habe sich am 15.7. mit meiner Beschwerde „befasst und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sie nicht begründet ist.“ Denn: „Der Vorwurf des Verstoßes gegen den Wahrheitsgrundsatz ist aus Sicht des Beschwerde-ausschusses nicht begründet. Das Nicht-Erwähnen zusätzlicher Informationen ist nicht gleichbedeutend mit einem verfälschenden Weglassen. Eine Falschdarstellung im Sinne des Pressekodex kann daraus nicht ohne weiteres abgeleitet werden.“ Doch es kam noch dicker.

Thema 2 meiner Beschwerde war „das den Tatsachen nachweisbar widersprechende Eigenlob“ des „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Zusammenhang mit dem Bau der Kölner Müllverbrennungsanlage. (vgl. „Ossietzky“ Nr. 13 vom 28.6.) In der Jubiläumsausgabe hatte die Lokalredaktion behauptet, am 4. März 2002 „mit geballten“ Informationen dafür gesorgt zu haben, „dass acht Wochen später in der Kölner SPD-Fraktion kein Stein mehr auf dem anderen liegt“. „Unterschlagen“ wurde dabei, hieß es dazu in meiner Beschwerde, „dass der Kölner Autor Werner Rügemer“ seit Oktober 1995 immer wieder neue Fakten über die „typisch korruptive Situation“ vor Genehmigung des Milliardendings in kleinen linken Blättern veröffentlicht hatte. Diese hätten die „Stadt-Anzeiger“-Redakteure wohl deshalb nicht aufgreifen dürfen, weil der Verlag „durch großflächige Anzeigen der AVG“ (Abfall-entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft) „honoriert“ wurde.

Der Beschwerdeausschuss ließ mich wissen, er sehe meine „Beschwerde hierzu ebenfalls als unbegründet an“. Meine Kritik habe „nach Ansicht des Ausschusses auf die Erwägungsgründe bei der Wächterpreisverleihung“ gezielt. Mein Hinweis vom selben Tag per e-mail, dass in meiner Beschwerde vom Februar kein Wort vom Wächterpreis gestanden habe (mit der sich der Kölner Stadt-Anzeiger schamlos für seine angeblichen Verdienste bei der Aufklärung des Skandals auszeichnen ließ), weil der zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht verliehen worden war, blieb bislang ohne Antwort.

Gilt Ziffer 1 des Pressekodex für den Presserat ebenso wenig wie für die Blätter des viertgrößten Tageszeitungsverlages dieser Republik?


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