Sozialraub - Analysen zur Politik des globalen Kapitals

Werden Militarismus, Imperialismus, Nationalismus und Nationalsozialismus in Deutschland wieder hoffähig?
Offener Brief in Sachen Kampagne 'Du bist Deutschland' an fischerAppelt Kommunikation GmbH, Jung von Matt/next GmbH und Pressebüro 'Du bist Deutschland', 5.12.2005 - mit Reaktionen (Stand: 9.2.2006)

Du bist Porschewebsite 'Du bist Deutschland' mit Du-bist-Porsche-Motiv als Aufmacher


Sehr geehrter Herr Fischer-Appelt, sehr geehrter Herr Hoffmeister,
sehr geehrte Damen und Herren von fischerAppelt Kommunikation GmbH, Jung von Matt/next GmbH sowie vom Pressebüro 'Du bist Deutschland',

wir möchten Sie auf folgendes hinweisen: unter den Plakatmotiven, mit denen Sie eine Aufbruchstimmung in Deutschland stimulieren wollen, befinden sich Persönlichkeiten, die nach unseren Erkenntnissen als äußerst fragwürdig einzuschätzen sind und denen deshalb keine Vorbildfunktion zukommen darf. Insbesondere sind dies Ferdinand Porsche und August Thyssen. Wahrscheinlich sind Ihnen deren Vergangenheit bzw. deren Auffassung nur unvollständig bekannt. Ansonsten ist für uns nicht erklärbar, wie Sie diese Industriellen als Vorbild herausstellen können. Hier einige Fakten:

August Thyssen (1842-1926)
  • gründet 1871 die Thyssen&Co KG, residiert auf Schloß Landsberg bei Kettwig,
  • wird 1910 unter den 100 Reichsten Preußens mit einem Vermögen von 55 Mio Mark an 12. Stelle geführt,
  • schreibt im September 1914 in einer Kriegszieldenkschrift: "Unsere Armee ist geradezu großartig. Sie stellt alles in den Schatten... Werden wir den Krieg so glorreich durchführen, wie wir ihn begonnen haben, dann werden wir Frankreich und Rußland niederwerfen..." und fordert die Einverleibung Belgiens und von Teilen Frankreichs, hinsichtlich Rußland die Annexion der Ostseeprovinzen, von Teilen Polens, des Don-Gebiets mit Odessa, der Krim und des Kaukasus. Gerade der Kaukasus sei wegen seiner "bedeutenden Erzschätze für Deutschland unentbehrlich".
Prof. Dr. Ferdinand Porsche (1875-1951)
  • wird 1906 Technischer Direktor und 1916 Generaldirektor der Austro-Daimler-Werke,
  • beginnt 1913 mit der Konstruktion von Zugmaschinen für den Transport schwerer Geschütze,
  • wird 1912 Ritter des kaiserlich-östereichischen Franz-Josefs-Ordens,
  • erhält 1916 das Offizierskreuz des Franz-Josefs-Ordens mit Kriegsdekoration für seine vorzüglichen Leistungen auf militärischem Gebiet,
  • beginnt 1935 im Auftrag Hitlers, auf Basis von Plänen des Tschechoslowaken Béla Barényi, dessen Angebot er 1932 abgelehnt hatte, mit der Konstruktion des später 'Käfer' genannten Kraft-durch-Freude-Wagens,
  • gründet 1938 die Volkswagenwerke in Wolfsburg, deren Betriebsführer er bis Kriegsende ist,
  • wird 1937 Mitglied der NSDAP,
  • wird 1938 Mitglied der SS,
  • wird Wehrwirtschaftsführer,
  • ist zusammen mit seinem Sohn Ferry bei Krupp an der Konstruktion von Panzern beteiligt (Panther, Tiger, Leopard, Landmonitor, Superpanzer 'Maus'),
  • wird 1941 als ständiger Vertreter des Reichsministers für Bewaffnung und Munition Vorsitzender der neu gebildeten Panzerkommission,
  • gehört ab 1942 dem Industrierat des Oberkommandos des Heeres an,
  • gehört zu den Industriellen, die bei der SS um KZ-Häftlinge ersuchen,
  • trifft am 4. März 1944 Reichsführer SS, Heinrich Himmler, um für das Volkswagenwerk zur Fabrikation einer Geheimwaffe 3500 KZ-Häftlinge zu erbitten,
  • erhält 1941 die goldene Fahne für Musterbetriebe,
  • gehört 1943 zu denjenigen, die von Hitler persönlich mit dem Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz und anderen hohen Orden ausgezeichnet werden, wird von Albert Speer, Reichsminister für Bewaffnung und Munition, in diesem Zusammenhang als einer der führenden Köpfe geehrt, 'die aus den besten Werken der Industrie heraus... in reibungsloser Zusammenarbeit mit den Wehrmachtsstellen ein riesiges Aufbauwerk vollendet haben'
Wir halten es - abgesehen von anderen Fragen - für nicht verantwortbar, Persönlichkeiten in den Vordergrund zu rücken, die sich in einer derartigen Weise profiliert haben. Es darf weder im In- noch im Ausland der Eindruck erweckt werden, als seien Militarismus, Imperialismus und Nationalismus, geschweige denn Nationalsozialismus in Deutschland wieder hoffähig. Wir fordern Sie daher auf, die beiden Motive unverzüglich aus der Kampagne zu entfernen. Das gilt auch für die Einstiegsseite Ihrer website www.du-bist-deutschland.de, auf der das Porsche-Motiv in einer für die Kampagne tragenden Art und Weise erscheint.

In Erwartung Ihrer Stellungnahme verbleiben wir mit freundlichen Grüßen
Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann



Korrespondenz mit 'fischerAppelt Kommunikation':

Schreiben von Lars Cords vom 10.1.2006:

Vielen Dank für Ihre kritische Auseinandersetzung mit der von uns unterstützten Kampagne 'Du bist Deutschland'. Ein Ziel der Kampagne ist es, eine Debatte auszulösen über das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Land. Wir begrüßen jeden Beitrag zu dieser Diskussion.

Unser Unternehmen unterstützt die Kampagne 'Du bist Deutschland', weil wir zu einer neuen Aufbruchstimmung in Deutschland beitragen wollen. Mit der Kampagne möchten wir erreichen, dass jeder einzelne von uns wieder positiver, zuversichtlicher und motivierter in die Zukunft blickt. Wir möchten den Menschen das Selbstbewusstsein vermitteln, dass es auf jeden von einzelnen ankommt. Dafür werden die Menschen direkt angesprochen und Personen sowie Marken mit hoher Bekanntheit genannt.

Thyssen und Porsche stehen heute für erfolgreiche Unternehmen Deutschlands. In dieser Eigenschaft werden sie in den Anzeigen aufgegriffen. August Thyssen und Ferdinand Porsche werden in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet. Der Bezug zur Person soll lediglich bewusst machen, dass die eigene Entwicklung und das individuelle Schicksal immer auch das Ergebnis von persönlichem Einsatz und dem Glauben an die eigene Idee und das eigene Talent ist.

'Du bist Deutschland' ist eine bürgerschaftliche Kampagne ohne kommerzielle Zielsetzung. Sie ist überparteilich und politisch unabhängig. Die Kampagne ist nur möglich geworden durch das Engagement der beteiligten Medienunternehmen, die pro bono-Arbeit der Agentur- und Produktionspartner und die Teilnahme zahlreicher prominenter und nicht prominenter Deutscher, die alle ohne Honorar mitgemacht haben.

Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist in unserem Interesse, muss aber an anderer Stelle stattfinden. Umso mehr begrüßen wir Ihr Engagement und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.

Unsere Antwort an Lars Cords vom 23.1.2006:

haben Sie vielen Dank für Ihr eMail-Antwortschreiben vom 10.1.2006.

„Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist in unserem Interesse, muß aber an anderer Stelle stattfinden", schreiben Sie und schieben damit jede Verantwortung für Ihre Fehlgriffe beiseite.

Nach Ihrer Auffassung werden August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet, sie stünden lediglich für erfolgreiche Unternehmen. Gestatten Sie uns, Ihnen mitzuteilen, daß wir diese Position für nicht akzeptabel halten.

Was ist das für eine Logik? Heißt das, daß Persönlichkeiten als Vorbild herausgestellt werden können, unabhängig davon, welcher Verbrechen sie sich schuldig gemacht haben? Oder sind Kriegstreiberei und Beschäftigung von Zwangsarbeitern (mit Todesfolge) in Ihren Augen keine Verbrechen? Wie können Persönlichkeiten ohne ihren historischen Kontext gesehen werden?

Erlauben Sie eine zugespitzt formulierte Frage: Würden Sie es in Ordnung finden, wenn Adolf Hitler innerhalb der Kampagne 'Du bist Deutschland' als Vorbild präsentiert würde - weil er die Arbeitslosen von der Straße gebracht und für den Bau von Autobahnen gesorgt hat und mit seinem "Glauben an die eigene Idee" in dieser Hinsicht Erfolg gehabt und für eine Aufbruchstimmung in Deutschland gesorgt hat? Wäre es auch in diesem Fall gestattet, den anderen Teil von dessen ‚Wirken' als historischen Kontext zu klassifizieren und damit auszublenden?

Und wo ist Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen der Vorbildfunktion, die August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne ohne Frage haben und haben sollen, und Verherrlichung? Zwischen dem Herausstellen als Vorbild und Verherrlichung ist nur ein gradueller Unterschied. Im Wesentlichen ist es das Gleiche.

Wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Haltung zu überdenken. Sie und wir sollten bzw. können nicht Persönlichkeiten als Vorbild betrachten, die über Leichen zu gehen bereit waren. Was hindert Sie zuzugestehen, daß Sie einen Fehler gemacht haben und daraus die Konsequenzen zu ziehen?

Übrigens haben wir den von Ihnen gefertigten Text von einer Reihe der beteiligten Medienunternehmen - teils wortwörtlich - erhalten. Diese Unternehmen werden Ihnen gewiß dankbar dafür sein, daß Sie ihnen die Arbeit des Denkens abgenommen haben. Trotzdem ist diese Erfahrung für uns erschreckend.

Noch eine Bemerkung auf einer anderen Ebene: Zukünftige Kampagnen sollten sich unserer Meinung nach auch an die Entscheidungsträger der großenteils multinational organisierten Wirtschaft wenden. Denn, wenn in Deutschland Arbeitsplätze zu hunderttausenden vernichtet werden, weil Arbeitskräfte woanders billiger sind, kann eine Kampagne wie 'Du bist Deutschland' von den Betroffenen sehr leicht als der blanke Hohn betrachtet werden.

In Erwartung Ihrer Stellungnahme verbleiben wir mit freundlichen Grüßen



Unser Anschreiben an die 25 beteiligten Medienunternehmen vom 7.12.2005:

Ihre Beteiligung an der Kampagne 'Du bist Deutschland'

Sehr geehrte Damen und Herren,

anbei erhalten Sie als Vertreter eines an der zur Zeit laufenden Kampagne beteiligten Medienunternehmens einen offenen Brief mit der Bitte um Veröffentlichung, Stellungnahme und Weiterleitung an zusätzlich in Ihrem Hause in diesem Zusammenhang Tangierte.

Wir hoffen, daß Sie im Sinne des offenen Briefes auf die für die Umsetzung der Kampagne Verantwortlichen einwirken. Das wäre, denken wir, für Sie, die Sie die Kampagne inhaltlich mit stützen, von Belang als auch von erheblichem allgemeinen Interesse.

In Erwartung Ihrer Stellungnahme verbleiben wir mit freundlichen Grüßen



Korrespondenz mit der ARD:

Schreiben von Jan Büttner, SWR, Leiter der Intendanz, vom 17.01.2006:

im Auftrag von Herrn Prof. Voß danke ich Ihnen für Ihr Schreiben vom 11. Januar 2006. Wir haben Ihr Schreiben zuständigkeitshalber an die Programmdirektion des Ersten Deutschen Fernsehens weitergeleitet. Sie erhalten von dort Bescheid.

Schreiben von Petra Putz, Zuschauerredaktion in der Programmdirektion Erstes Deutsches Fernsehen, vom 19.01.2006:

vielen Dank für Ihr neuerliches Schreiben. Bitte wenden Sie sich mit Ihrem Anliegen bezüglich der Kampagne „Du bist Deutschland" an die Agentur, die diese Aktion koordiniert hat.

Die Kontaktdaten lauten:
Pressebüro „Du bist Deutschland"
c/o fischer Appelt Kommunikation
Tucholskystr. 18
10117 Berlin
Telefon: 030-726 146-735
Telefax: 030-726 146-725

Das Erste hat diese Kampagne lediglich durch einige wenige Ausstrahlungen der Spots im Programm unterstützt. Auf die inhaltliche Ausgestaltung hatte die ARD keinen Einfluss.

Unsere Antwort vom 23.01.2006 auf das Schreiben von Petra Putz:

haben Sie vielen Dank für Ihr Antwortschreiben vom 19.1.2006. Aber gestatten Sie uns Ihnen mitzuteilen, daß Ihre Reaktion uns erschrocken hat. Die ARD gehört zu den 25 Medienunternehmen, von denen die Kampagne „Du bist Deutschland" getragen wird und damit in ihrer Gesamtheit verantwortet werden muß. Sie hingegen versuchen den Eindruck zu erwecken, als hätte die ARD damit (fast) nichts zu tun.

Ist es denkbar, daß Sie als das wohl größte Medienunternehmen im Bereich von Hörfunk und Fernsehen in Deutschland die 'inhaltliche Ausgestaltung' ohne jedes Recht der Einflußnahme in die Hand einer Werbeagentur geben?

Vertreten Sie die Auffassung, daß Persönlichkeiten als Vorbild herausgestellt werden können, unabhängig davon, welcher Verbrechen sie sich schuldig gemacht haben? Oder sind Kriegstreiberei und Beschäftigung von Zwangsarbeitern (mit Todesfolge) in Ihren Augen keine Verbrechen?

Erlauben Sie eine zugespitzt formulierte Frage: Würden Sie es in Ordnung finden, wenn Adolf Hitler innerhalb der Kampagne 'Du bist Deutschland' als Vorbild präsentiert würde - weil er die Arbeitslosen von der Straße gebracht und für den Bau von Autobahnen gesorgt hat und mit seinem "Glauben an die eigene Idee" - wie fischerAppelt formuliert - in dieser Hinsicht Erfolg gehabt und für eine Aufbruchstimmung in Deutschland gesorgt hat? Würden Sie auch in diesem Fall schreiben: "Auf die inhaltliche Ausgestaltung hatte die ARD keinen Einfluss."

Wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Haltung zu überdenken, und würden es sehr begrüßen, wenn Sie dafür Sorge tragen, daß die kritisierten Motive aus der Kampagne entfernt werden, oder sich andernfalls von der Kampagne zu distanzieren. Sie und wir sollten bzw. können nicht Persönlichkeiten als Vorbild betrachten, die über Leichen zu gehen bereit waren.

In Erwartung Ihrer auf den obigen Sachverhalt bezogenen Stellungnahme verbleiben wir mit freundlichen Grüßen

Schreiben von Petra Putz, Zuschauerredaktion in der Programmdirektion Erstes Deutsches Fernsehen, vom 07.02.2006:

vielen Dank für Ihr neuerliches Schreiben vom 25. Januar 2006, das der ARD-Vorsitzende Prof. Dr. Thomas Gruber mit der Bitte um direkte Beantwortung an uns weiter gegeben hat.

Wir bedauern Ihren nachhaltigen Unmut über die Kampagne „Du bist Deutschland", an der sich Das Erste durch Ausstrahlung einiger Spots beteiligt hat. Wir haben großes Verständnis für Ihre Kritik an der Aktion und deren Gestaltung - wie Sie vermutlich wissen, haben wir die Kampagne unter anderem auch durch eine kritische Berichterstattung in unseren Kultur- und politischen Magazinen begleitet.

Auf der anderen Seite wollen wir Sie aber herzlich bitten, diese Kampagne nicht über zu bewerten: Es handelte sich dabei lediglich um einen mehr oder weniger geglückten Versuch, der allseits konstatierten Weltuntergangsstimmung hierzulande eine positive Botschaft entgegen zu setzen. Selbstverständlich soll damit nicht nationalsozialistisches Gedankengut befördert beziehungsweise Lebensläufe oder Kriegsverbrechen geschönt und verharmlost werden. Da das ohnehin sehr begrenzte Engagement des Ersten für „Du bist Deutschland" schon lange beendet ist, können wir Sie im Übrigen nur nochmals bitten, sich mit Ihren inhaltlichen Bedenken an die Agentur fischer Ap-pelt zu wenden.



Korrespondenz mit dem Bauer-Verlag:

Schreiben von Andreas Fritzenkötter, Leiter Unternehmenskommunikation, vom 19.01.2006:

auch im Namen von Herrn Bauer danke ich Ihnen herzlich für Ihr Schreiben.

Die darin von Ihnen zum Ausdruck gebrachten Bedenken gegen die Kampagne „Du bist Deutschland" sind uns sehr wohl bekannt. Gleichwohl hat sich der Bauer Verlag entschieden, wie viele andere Unternehmen in Deutschland diese Kampagne zu unterstützen, die unserer Auffassung nach nichts mit Militarismus oder gar Nationalsozialismus zu tun hat.

Deshalb kann ich ihre Einwände - bei allem Verständnis für die Kritik an den Lebensläufen der von Ihnen genannten Unternehmern - generell nicht nachvollziehen.

Gleichwohl haben wir Ihr Schreiben noch einmal an die Träger-Agentur der Kampagne weitergeleitet.

Unsere Antwort vom 23.01.2006 auf das Schreiben von Andreas Fritzenkötter:

haben Sie vielen Dank für Ihr Antwortschreiben vom 19.1.2006 und Ihr Verständnis für unsere Kritik an den Lebensläufen von August Thyssen und Ferdinand Porsche.

Sie schieben aber in Ihrer Argumentation die Lebensläufe der genannten Unternehmer beiseite und halten sie offensichtlich nicht für relevant. Dem können wir nicht folgen. Wir sehen es sehr wohl als ein Problem, wenn Persönlichkeiten als Vorbild herausgestellt werden, ohne dabei zu betrachten, welcher Verbrechen sie sich schuldig gemacht haben. Oder sind Kriegstreiberei und Beschäftigung von Zwangsarbeitern (mit Todesfolge) in Ihren Augen keine Verbrechen?

Um deutlich zu machen, wo es hin führt, wenn Persönlichkeiten nur an einem Teil ihres Wirkens gemessen und ohne ihren historischen Kontext gesehen werden, erlauben Sie eine zugespitzt formulierte Frage: Würden Sie es in Ordnung finden, wenn Adolf Hitler innerhalb der Kampagne 'Du bist Deutschland' als Vorbild präsentiert würde - weil er die Arbeitslosen von der Straße gebracht und für den Bau von Autobahnen gesorgt hat und mit seinem "Glauben an die eigene Idee" - wie fischerAppelt es formuliert - in dieser Hinsicht Erfolg gehabt und für eine Aufbruchstimmung in Deutschland gesorgt hat? Wäre es auch in diesem Fall gestattet, den anderen Teil von dessen ‚Wirken' als historischen Kontext zu klassifizieren und damit auszublenden?

Wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Haltung zu überdenken, und würden es sehr begrüßen, wenn Sie dafür Sorge tragen, daß die entsprechenden Motive aus der Kampagne entfernt werden, oder sich andernfalls von der Kampagne zu distanzieren. Sie und wir sollten bzw. können nicht Persönlichkeiten als Vorbild betrachten, die über Leichen zu gehen bereit waren.

Noch eine Bemerkung auf einer anderen Ebene: Zukünftige Kampagnen sollten sich unserer Meinung nach auch an die Entscheidungsträger der großenteils multinational organisierten Wirtschaft wenden. Denn, wenn in Deutschland Arbeitsplätze zu hunderttausenden vernichtet werden, weil Arbeitskräfte woanders billiger sind, kann eine Kampagne wie 'Du bist Deutschland' von den Betroffenen sehr leicht als der blanke Hohn betrachtet werden.



Korrespondenz mit Burda:

Schreiben von Magnus Prinz zu Wied, coordinator corporate affairs, vom 15.12.2005:

haben Sie herzlichen Dank für Ihr Schreiben vom 7. Dezember 2005, welches mir zur Beantwortung weitergeleitet worden ist.

Bei der Aktion „Du bist Deutschland" handelt es sich um die größte pro bono Kampagne, die momentan in Deutschland läuft. Durch die Aktion soll in Deutschland ein gesundes Identifikationsgefühl geschaffen wer­den, welche eine gute Gastgebernation der Fußballweltmeisterschaft im nächsten Jahr benötigt. Hubert Burda Media beteiligt sich an dem Pro­jekt durch Schaltung einzelner Anzeigenmotive in verschiedenen Publi­kationen unseres Hauses. So hoffen wir unseren Beitrag zu einer nach­haltigen Motivation der Deutschen zu leisten. Wir haben jedoch keinen Einfluß auf die Auswahl der Motive und Texte zur Kampagne, sondern treten als reine Dienstleister auf.

Ich möchte Sie deswegen bitten, sich -wie geschehen- mit Ihrer Kritik an die Initiatoren der Kampagne zu wenden. Sie haben sicher Verständnis dafür, dass wir in diesem Falle nicht weiterhelfen können.

Unsere Antwort vom 23.12.2005 auf das Schreiben von Magnus Prinz zu Wied:

haben Sie vielen Dank für Ihre Reaktion vom 15.12.2005. Gestatten Sie uns, Ihnen mitzuteilen, daß wir Ihre Position für nicht akzeptabel halten. Sie beteiligen sich an einer Kampagne und sind damit auch insgesamt mitverantwortlich.

Halten Sie es für gerechtfertigt und unterstützenswert, wenn Persönlichkeiten als Vorbild herausgestellt werden, unabhängig davon, welcher Verbrechen sie sich schuldig gemacht haben? Oder sind Kriegstreiberei und Beschäftigung von Zwangsarbeitern (mit Todesfolge) in Ihren Augen keine Verbrechen? Halten Sie es für akzeptabel, über derart fragwürdige Persönlichkeiten "zu einer nachhaltigen Motivation der Deutschen" beizutragen und im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft "in Deutschland ein gesundes Identifikationsgefühl" zu schaffen? Wäre es Ihnen auch gleichgültig, wenn im Rahmen der Kampagne Adolf Hitler als Vorbild präsentiert würde? Würden Sie auch in diesem Fall "als reiner Dienstleister" auftreten und die Verantwortung für die Auswahl der Motive und Texte anderen überlassen? Das kann doch nicht Ihre Logik sein.

Wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Haltung zu überdenken, und dafür Sorge zu tragen, daß die entsprechenden Motive aus der Kampagne entfernt werden, oder sich andernfalls von der Kampagne zu distanzieren. Sie und wir sollten bzw. können nicht Persönlichkeiten als Vorbild betrachten, die über Leichen zu gehen bereit waren.



Korrespondenz mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:

Schreiben von Dr. Günther Nonnenmacher, Herausgeber der FAZ, vom 9.12.2005:

die Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung waren an der Entscheidung über die Kampagne „Du bist Deutschland" nicht beteiligt. Ich habe Ihr Schreiben an die dafür zuständige Geschäftsführung weitergeleitet.

Schreiben von Tobias M. Trevisan, Geschäftsführer der FAZ, vom 21.12.2005:

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 7. Dezember 2005, das Herr Dr. Nonnenmacher zuständigkeitshalber an mich weitergeleitet hat.

Die von unserem Verlag begleitete Kampagne „Du bist Deutschland" ist eine bürgerschaftliche Kampagne ohne kommerzielle Zielsetzung. Sie ist überparteilich und politisch unabhängig. Die Kampagne ist nur möglich geworden durch das Engagement der beteiligten Medienunternehmen, die pro bono-Arbeit der Agentur- und Produktionspartner und die Teilnahme zahlreicher prominenter und nicht prominenter Deutscher, die alle ohne Honorar mitgemacht haben.

Wir begleiten diese Kampagne, weil sie durchaus tauglich scheint, zu einer neuen Aufbruchstimmung in Deutschland beizutragen. Sie möchte erreichen, daß jeder einzelne von uns wieder positiver, zuversichtlicher und motivierter in die Zukunft blickt. Dabei werden die Menschen direkt angesprochen und Personen sowie Marken mit hoher Bekanntheit genannt.

Obwohl wir die Kampagne unterstützen, zeichnet sich die FAZ weder für die Gestaltung noch für die Auswahl der Motive verantwortlich. Unsere Abklärungen haben aber ergeben, daß die Verantwortlichen Thyssen und Porsche gewählt haben, weil sie für erfolgreiche Unternehmen Deutschlands stehen. August Thyssen und Ferdinand Porsche werden in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet. Der Bezug zur Person soll lediglich bewußt machen, daß die eigene Entwicklung und das individuelle Schicksal immer auch das Ergebnis von persönlichem Einsatz und dem Glauben an die eigene Idee und das eigene Talent ist.

Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist in unserem Interesse, muß aber an anderer Stelle stattfinden. Um so mehr begrüßen wir Ihr Engagement.

Unsere Antwort vom 23.12.2005 auf das Schreiben von Tobias M. Trevisan:

haben Sie vielen Dank für Ihr Antwortschreiben vom 21.12.2005.

„Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist in unserem Interesse, muß aber an anderer Stelle stattfinden“, schreiben Sie und schieben damit jede Mitverantwortung für die Kampagne insgesamt beiseite.

Nach Ihrer Auffassung werden August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet, sie stünden lediglich für erfolgreiche Unternehmen. Gestatten Sie uns, Ihnen mitzuteilen, daß wir diese Position für nicht akzeptabel halten.

Was ist das für eine Logik? Heißt das, daß Persönlichkeiten als Vorbild herausgestellt werden können, unabhängig davon, welcher Verbrechen sie sich schuldig gemacht haben? Oder sind Kriegstreiberei und Beschäftigung von Zwangsarbeitern (mit Todesfolge) in Ihren Augen keine Verbrechen? Wie können Persönlichkeiten ohne ihren historischen Kontext gesehen werden?

Erlauben Sie eine zugespitzt formulierte Frage: Würden Sie es in Ordnung finden, wenn Adolf Hitler innerhalb der Kampagne 'Du bist Deutschland' als Vorbild präsentiert würde - weil er die Arbeitslosen von der Straße gebracht und für den Bau von Autobahnen gesorgt hat und mit seinem "Glauben an die eigene Idee" in dieser Hinsicht Erfolg gehabt und für eine Aufbruchstimmung in Deutschland gesorgt hat? Wäre es auch in diesem Fall gestattet, den anderen Teil von dessen ‚Wirken' als historischen Kontext zu klassifizieren und damit auszublenden?

Und wo ist Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen der Vorbildfunktion, die August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne ohne Frage haben und haben sollen, und Verherrlichung? Zwischen dem Herausstellen als Vorbild und Verherrlichung ist nur ein gradueller Unterschied. Im Wesentlichen ist es das Gleiche.

Wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Haltung zu überdenken, und dafür Sorge zu tragen, daß die entsprechenden Motive aus der Kampagne entfernt werden, oder sich andernfalls von der Kampagne zu distanzieren. Sie und wir sollten bzw. können nicht Persönlichkeiten als Vorbild betrachten, die über Leichen zu gehen bereit waren.

Schreiben von Tobias M. Trevisan, Geschäftsführer der FAZ, vom 17.01.2006:

haben Sie vielen Dank für Ihr weiteres Schreiben vom 23. Dezember 2005.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat sich bereits im Frühjahr 2005 zur Teilnahme an der gemeinsamen Kampagne entschlossen, um - wie bereits in meinem Schreiben vom 21. Dezember erwähnt - zu einer neuen Aufbruchstimmung in Deutschland beizutragen. Zum damaligen Zeitpunkt waren weder die Details der Anzeigenserie bekannt, noch war, die F.A.Z. jemals an deren Ausgestaltung beteiligt. Wir tragen jedoch den Grundgedanken der Kampagne, der - und hier wiederhole ich mich gerne - durchaus positiv zu bewerten ist, mit.

Bezüglich der Inhalte und deren detaillierter Beurteilung halte ich es für angeraten, sich auch einmal mit dem Initiator der Kampagne direkt in Verbindung zu setzen. Die Anschrift des Kampagnenbüros bei FischerAppelt Kommunikation GmbH ist Ihnen bekannt, Ansprechpartner dort ist Herr Lars Cords.



Korrespondenz mit Gruner + Jahr:

Schreiben von Dr. Bernd Buchholz, Mitglied des Vorstandes, vom 15.12.2005:

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 7. Dezember und die Zusendung des offenen Briefes in Sachen „Du bist Deutschland".

Zuständigkeitshalber haben wir Ihre Unterlagen an das Büro unseres Vorstandsvorsitzenden, Herrn Dr. Bernd Kundrun, weitergeleitet.



Korrespondenz mit der Heise-Mediengruppe:

Schreiben von Steven P. Steinkraus vom 15.12.2005:

vielen Dank für Ihre kritische Auseinandersetzung mit der Kampagne „Du bist Deutschland". Ein Ziel der Kampagne ist es, eine Debatte auszulösen über das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Land. Auch von unseren eigenen Medien wird die Kampagne durchaus kritisch begleitet, so in Telepolis unter www.telepolis.de.

Die Heise Medien Gruppe unterstützt mit der Technologiezeitschrift Technology Review die Kampagne „Du bist Deutschland", weil sie zu einer neuen Aufbruchstimmung in Deutschland beitragen will. Ziel der Kampagne ist, dass jeder Einzelne von uns wieder positiver, zuversichtlicher und motivierter in die Zukunft blickt. Sie will den Menschen das Selbstbewusstsein vermitteln, dass es auf jeden Einzelnen ankommt. Dafür werden die Menschen direkt angesprochen und Personen sowie Marken mit hoher Bekanntheit genannt.

„Du bist Deutschland" ist eine Kampagne ohne kommerzielle Zielsetzung. Sie ist überparteilich und politisch unabhängig. Gemeinsam mit verschiedenen Medienunternehmen unterstützen wir die Kampagne, um eine Aufbruchsstimmung in der Gesellschaft zu vermitteln. Die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist wichtig und findet an anderer Stelle statt.

Identifikation mit dem Land, in dem man lebt, halte ich jedoch nicht für schädlich.

Unsere Antwort vom 23.12.2005 auf das Schreiben von Steven P. Steinkraus:

haben Sie vielen Dank für Ihre Reaktion vom 15.12.2005. Gestatten Sie uns, Ihnen mitzuteilen, daß wir Ihre Position für nicht akzeptabel halten.

"Die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist wichtig und findet an anderer Stelle statt", schreiben Sie und schieben damit jede Mitverantwortung für die Kampagne insgesamt beiseite.

Halten Sie es für gerechtfertigt und unterstützenswert, wenn Persönlichkeiten als Vorbild herausgestellt werden, unabhängig davon, welcher Verbrechen sie sich schuldig gemacht haben? Oder sind Kriegstreiberei und Beschäftigung von Zwangsarbeitern (mit Todesfolge) in Ihren Augen keine Verbrechen? Halten Sie es für akzeptabel, über derart fragwürdige Persönlichkeiten "eine Aufbruchsstimmung in der Gesellschaft zu vermitteln"? Wäre es Ihnen gleichgültig, wenn im Rahmen der Kampagne auch Adolf Hitler als Vorbild präsentiert würde - weil die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte zwar wichtig sei, aber an anderer Stelle stattfindet? Das kann doch nicht Ihre Logik sein.

Identifikation mit dem Land, in dem man lebt, mag nicht schädlich sein, aber die Identifikation mit Persönlichkeiten, die über Leichen zu gehen bereit waren, sehr wohl. Wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Haltung zu überdenken, und dafür Sorge zu tragen, daß die entsprechenden Motive aus der Kampagne entfernt werden, oder sich andernfalls von der Kampagne zu distanzieren.



Korrespondenz mit der Verlagsgesellschaft Madsack, Hannover:

Schreiben von Dr. Friedhelm Haak, Vorsitzender der Geschäftsführung, vom 16.01.2006:

vielen Dank für Ihre kritische Auseinandersetzung mit der von uns unterstützten Kampagne „Du bist Deutschland". Ein Ziel der Kampagne ist es, eine Debatte auszulösen über das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Land. Wir begrüßen jeden Beitrag zu dieser Diskussion.

Unser Unternehmen unterstützt die Kampagne „Du bist Deutschland", weil wir zu einer neuen Aufbruchstimmung in Deutschland beitragen wollen. Mit der Kampagne möchten wir erreichen, dass jeder einzelne von uns wieder positiver, zuversichtlicher und motivierter in die Zukunft blickt. Wir möchten den Menschen das Selbstbewusstsein vermitteln, dass es auf jeden einzelnen ankommt. Dafür werden die Menschen direkt angesprochen und Personen sowie Marken mit hoher Bekanntheit genannt.

Thyssen und Porsche stehen heute für erfolgreiche Unternehmen Deutschlands. In dieser Eigenschaft werden sie in den Anzeigen aufgegriffen. August Thyssen und Ferdinand Porsche werden in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet. Der Bezug zur Person soll lediglich bewusst machen, dass die eigene Entwicklung und das individuelle Schicksal immer auch das Ergebnis von persönlichem Einsatz und dem Glauben an die eigene Idee und das eigene Talent ist.

„Du bist Deutschland" ist eine bürgerschaftliche Kampagne ohne kommerzielle Zielsetzung. Sie ist überparteilich und politisch unabhängig. Die Kampagne ist nur möglich geworden durch das Engagement der beteiligten Medienunternehmen, die pro bono-Arbeit der Agentur- und Produktionspartner und die Teilnahme zahlreicher prominenter und nicht prominenter Deutscher, die alle ohne Honorar mitgemacht haben.

Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist in unserem Interesse, muss aber an anderer Stelle stattfinden. Umso mehr begrüßen wir Ihr Engagement und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.

Unsere Antwort vom 23.01.2006 auf das Schreiben von Dr. Friedhelm Haak:

haben Sie vielen Dank für Ihr Antwortschreiben vom 16.1.2006.

„Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist in unserem Interesse, muß aber an anderer Stelle stattfinden", schreiben Sie (wie auch andere der beteiligten Medienunternehmen) und schieben damit jede Mitverantwortung für die Kampagne insgesamt beiseite.

Nach Ihrer Auffassung werden August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet, sie stünden lediglich für erfolgreiche Unternehmen. Gestatten Sie uns, Ihnen mitzuteilen, daß wir diese Position für nicht akzeptabel halten.

Was ist das für eine Logik? Heißt das, daß Persönlichkeiten als Vorbild herausgestellt werden können, unabhängig davon, welcher Verbrechen sie sich schuldig gemacht haben? Oder sind Kriegstreiberei und Beschäftigung von Zwangsarbeitern (mit Todesfolge) in Ihren Augen keine Verbrechen? Wie können Persönlichkeiten ohne ihren historischen Kontext gesehen werden?

Erlauben Sie eine zugespitzt formulierte Frage: Würden Sie es in Ordnung finden, wenn Adolf Hitler innerhalb der Kampagne 'Du bist Deutschland' als Vorbild präsentiert würde - weil er die Arbeitslosen von der Straße gebracht und für den Bau von Autobahnen gesorgt hat und mit seinem "Glauben an die eigene Idee" in dieser Hinsicht Erfolg gehabt und für eine Aufbruchstimmung in Deutschland gesorgt hat? Wäre es auch in diesem Fall gestattet, den anderen Teil von dessen ‚Wirken' als historischen Kontext zu klassifizieren und damit auszublenden?

Und wo ist Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen der Vorbildfunktion, die August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne ohne Frage haben und haben sollen, und Verherrlichung? Zwischen dem Herausstellen als Vorbild und Verherrlichung ist nur ein gradueller Unterschied. Im Wesentlichen ist es das Gleiche.

Wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Haltung zu überdenken, und würden es sehr begrüßen, wenn Sie dafür Sorge tragen, daß die entsprechenden Motive aus der Kampagne entfernt werden, oder sich andernfalls von der Kampagne zu distanzieren. Sie und wir sollten bzw. können nicht Persönlichkeiten als Vorbild betrachten, die über Leichen zu gehen bereit waren.

Übrigens hätten wir gerne auch Ihre eigene Position zu unserer Kritik an der Kampagne erfahren. Die reine Weiterleitung des von der Agentur fischerAppelt vorgefertigten Textes erscheint uns der Bedeutung der Fragestellungen nicht angemessen.

In Erwartung Ihrer unternehmensspezifischen Antwort verbleiben wir mit freundlichen Grüßen

Schreiben von Dr. Friedhelm Haak, Vorsitzender der Geschäftsführung, vom 26.01.2006:

unsere Zeitungsgruppe produziert täglich rd. 670.000 Stück Tageszeitungsauflage und erzielt damit eine Leserreichweite von ca. 2 Mio. täglichen Lesern. Wir berichten, wir analysieren, wir kommentieren. Tageszeitungen verdichten die Welt und machen sie für den Leser handhabbar.

Unsere Leser sind uns gewogen und in der Regel langjährige treue Abonnenten. Natürlich treffen wir in unserer Sicht der Welt nicht immer die politische Position unseres Lesers. Manchmal besteht das Bedürfnis, einen Leserbrief zu schreiben, manchmal auch, mit uns zu reden. In einem gewissen Maß ist das auch möglich, aber gleichwohl bei täglich über 2 Mio. Lesern auch administrativ und logistisch schwierig.

Es gehört zum außenpluralen Modell der privaten Zeitungswirtschaft, dass es unterschiedliche publizistische Positionen gibt. Da gibt es die linksliberale Frankfurter Rundschau und in der selben Stadt die eher wirtschaftsfreundliche leicht konservative FAZ.

Nach dem Grundgesetz ist die Presse frei, aber auch die Möglichkeit, eigene Presseobjekte in den Markt zu bringen darf nicht beschnitten, d.h. lizensiert werden. Wir leben davon, dass es zum identischen und zum selben Vorgang unterschiedliche Meinungen gibt.

Ich habe eine Zeit lang an der Universität von Berkeley in Kalifornien studiert. Einer meiner akademischen Lehrer pflegte zu sagen: „In wicket problems there is no right or wrong.".

Das, worüber wir uns unterhalten, ist eben keine Mathematikaufgabe. Sie haben dazu Ihre Position. Wir haben eine andere. Unser Haus hält die Kampagne „Du bist Deutschland" für hervorragend geeignet, die Deutschen zu motivieren und auch aufzuwecken. Wie immer gibt es gelungene und weniger gelungene Aspekte einer solchen Kampagne. Insgesamt ist ihr aber von allen Seiten sehr viel Beifall und Respekt gezollt worden. Natürlich gibt es auch die Gegner einer solchen Kampagne. Das ist in Ordnung, und das gehört auch zu einem liberalen Verständnis von Gesellschaft und Politik.

Wenn man Ihre Position überspitzt, dann dürfte heute kein Kunde sich einen Porsche kaufen und kein Unternehmen Thyssen-stahl beziehen. Die Mitarbeiter in diesen Unternehmen dürften nicht stolz sein auf das, was sie im Weltmarkt erreichen, sondern müssten sich für die Geschichte ihres Unternehmens schämen und gegebenenfalls kündigen. Ich will dieses nicht weiter kommentieren. Akzeptieren Sie doch bitte, dass wir dazu eine andere Meinung haben.

Ich gehe davon aus, dass Sie mit einheitlichen Texten die Teilnehmer dieser Kampagne angeschrieben haben. Sie sollten sich deshalb nicht wundern, wenn Sie als Antworten einheitliche Texte erhalten haben.



Korrespondenz mit der ProSiebenSat.1 Media AG:

Schreiben von Julian Geist, Corporate Sponsorship, vom 17.01.2006:

vielen Dank für Ihre Briefe an meine Kollegen, in denen Sie sich mit der auch von uns unterstützten Kampagne „Du bist Deutschland" kritisch auseinandersetzen. Ein Ziel der Kampagne ist es, eine Debatte auszulösen über das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Land. Die Initiatoren begrüßen jeden Beitrag zu dieser Diskussion.

Die Initiatoren der Kampagne wollen zu einer neuen Aufbruchstimmung in Deutschland beitragen. Mit der Kampagne möchten sie erreichen, dass jeder einzelne wieder positiver, zuversichtlicher und motivierter in die Zukunft blickt. Sie möchten den Menschen das Selbstbewusstsein vermitteln, dass es auf jeden einzelnen ankommt. Dafür werden die Menschen direkt angesprochen und Personen sowie Marken mit hoher Bekanntheit genannt.

Thyssen und Porsche stehen heute für erfolgreiche deutsche Unternehmen. In dieser Eigenschaft werden sie in den Anzeigen aufgegriffen. August Thyssen und Ferdinand Porsche werden in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet. Der Bezug zur Person soll lediglich bewusst machen, dass die eigene Entwicklung und das individuelle Schicksal immer auch das Ergebnis von persönlichem Einsatz und dem Glauben an die eigene Idee und das eigene Talent ist.

„Du bist Deutschland" ist eine bürgerschaftliche Kampagne ohne kommerzielle Zielsetzung. Sie ist überparteilich und politisch unabhängig. Die Kampagne ist nur möglich geworden durch das Engagement der beteiligten Medienunternehmen, die pro bono-Arbeit der Agentur- und Produktionspartner und die Teilnahme zahlreicher prominenter und nicht prominenter Deutscher, die alle ohne Honorar mitgemacht haben.

Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist in unserem Interesse, muss aber an anderer Stelle stattfinden. Umso mehr begrüßen wir Ihr Engagement und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.

Unsere Antwort vom 23.01.2006 auf das Schreiben von Julian Geist:

haben Sie vielen Dank für Ihr Antwortschreiben vom 17.1.2006.

„Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist in unserem Interesse, muß aber an anderer Stelle stattfinden", schreiben Sie (wie auch andere der beteiligten Medienunternehmen) und schieben damit jede Mitverantwortung für die Kampagne insgesamt beiseite.

Nach Ihrer Auffassung werden August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet, sie stünden lediglich für erfolgreiche Unternehmen. Gestatten Sie uns, Ihnen mitzuteilen, daß wir diese Position für nicht akzeptabel halten.

Was ist das für eine Logik? Heißt das, daß Persönlichkeiten als Vorbild herausgestellt werden können, unabhängig davon, welcher Verbrechen sie sich schuldig gemacht haben? Oder sind Kriegstreiberei und Beschäftigung von Zwangsarbeitern (mit Todesfolge) in Ihren Augen keine Verbrechen? Wie können Persönlichkeiten ohne ihren historischen Kontext gesehen werden?

Erlauben Sie eine zugespitzt formulierte Frage: Würden Sie es in Ordnung finden, wenn Adolf Hitler innerhalb der Kampagne 'Du bist Deutschland' als Vorbild präsentiert würde - weil er die Arbeitslosen von der Straße gebracht und für den Bau von Autobahnen gesorgt hat und mit seinem "Glauben an die eigene Idee" in dieser Hinsicht Erfolg gehabt und für eine Aufbruchstimmung in Deutschland gesorgt hat? Wäre es auch in diesem Fall gestattet, den anderen Teil von dessen ‚Wirken' als historischen Kontext zu klassifizieren und damit auszublenden?

Und wo ist Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen der Vorbildfunktion, die August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne ohne Frage haben und haben sollen, und Verherrlichung? Zwischen dem Herausstellen als Vorbild und Verherrlichung ist nur ein gradueller Unterschied. Im Wesentlichen ist es das Gleiche.

Wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Haltung zu überdenken, und würden es sehr begrüßen, wenn Sie dafür Sorge tragen, daß die entsprechenden Motive aus der Kampagne entfernt werden, oder sich andernfalls von der Kampagne zu distanzieren. Sie und wir sollten bzw. können nicht Persönlichkeiten als Vorbild betrachten, die über Leichen zu gehen bereit waren.

Übrigens hätten wir gerne auch Ihre eigene Position zu unserer Kritik an der Kampagne erfahren. Die reine Weiterleitung des von der Agentur fischerAppelt vorgefertigten Textes erscheint uns der Bedeutung der Fragestellungen nicht angemessen.

In Erwartung Ihrer unternehmensspezifischen Antwort verbleiben wir mit freundlichen Grüßen



Korrespondenz mit RTL:

Schreiben von Christian Körner, Leiter Kommunikation, vom 6.1.2005:

vielen Dank für Ihre kritische Auseinandersetzung mit der von uns unterstützten Kampagne "Du bist Deutschland". Ein Ziel der Kampagne ist es, eine Debatte auszulösen über das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Land. Wir begrüßen jeden Beitrag zu dieser Diskussion.

Unser Unternehmen unterstützt die Kampagne "Du bist Deutschland", weil wir zu einer neuen Aufbruchstimmung in Deutschland beitragen wollen. Mit der Kampagne möchten wir erreichen, dass jeder einzelne von uns wieder positiver, zuversichtlicher und motivierter in die Zukunft blickt. Wir möchten den Menschen das Selbstbewusstsein vermitteln, dass es auf jeden von einzelnen ankommt. Dafür werden die Menschen direkt angesprochen und Personen sowie Marken mit hoher Bekanntheit genannt.

Thyssen und Porsche stehen heute für erfolgreiche Unternehmen Deutschlands. In dieser Eigenschaft werden sie in den Anzeigen aufgegriffen. August Thyssen und Ferdinand Porsche werden in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet. Der Bezug zur Person soll lediglich bewusst machen, dass die eigene Entwicklung und das individuelle Schicksal immer auch das Ergebnis von persönlichem Einsatz und dem Glauben an die eigene Idee und das eigene Talent ist.

"Du bist Deutschland" ist eine bürgerschaftliche Kampagne ohne kommerzielle Zielsetzung. Sie ist überparteilich und politisch unabhängig. Die Kampagne ist nur möglich geworden durch das Engagement der beteiligten Medienunternehmen, die pro bono-Arbeit der Agentur- und Produktionspartner und die Teilnahme zahlreicher prominenter und nicht prominenter Deutscher, die alle ohne Honorar mitgemacht haben. Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist in unserem Interesse, muss aber an anderer Stelle stattfinden. Umso mehr begrüßen wir Ihr Engagement und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.

Unsere Antwort vom 08.01.2006 auf das Schreiben von Christian Körner:

haben Sie vielen Dank für Ihr Antwortschreiben mit Poststempel vom 6.1.2006.

„Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist in unserem Interesse, muß aber an anderer Stelle stattfinden", schreiben Sie (wie auch andere der beteiligten Medienunternehmen) und schieben damit jede Mitverantwortung für die Kampagne insgesamt beiseite.

Nach Ihrer Auffassung werden August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet, sie stünden lediglich für erfolgreiche Unternehmen. Gestatten Sie uns, Ihnen mitzuteilen, daß wir diese Position für nicht akzeptabel halten.

Was ist das für eine Logik? Heißt das, daß Persönlichkeiten als Vorbild herausgestellt werden können, unabhängig davon, welcher Verbrechen sie sich schuldig gemacht haben? Oder sind Kriegstreiberei und Beschäftigung von Zwangsarbeitern (mit Todesfolge) in Ihren Augen keine Verbrechen? Wie können Persönlichkeiten ohne ihren historischen Kontext gesehen werden?

Erlauben Sie eine zugespitzt formulierte Frage: Würden Sie es in Ordnung finden, wenn Adolf Hitler innerhalb der Kampagne 'Du bist Deutschland' als Vorbild präsentiert würde - weil er die Arbeitslosen von der Straße gebracht und für den Bau von Autobahnen gesorgt hat und mit seinem "Glauben an die eigene Idee" in dieser Hinsicht Erfolg gehabt und für eine Aufbruchstimmung in Deutschland gesorgt hat? Wäre es auch in diesem Fall gestattet, den anderen Teil von dessen ‚Wirken' als historischen Kontext zu klassifizieren und damit auszublenden?

Und wo ist Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen der Vorbildfunktion, die August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne ohne Frage haben und haben sollen, und Verherrlichung? Zwischen dem Herausstellen als Vorbild und Verherrlichung ist nur ein gradueller Unterschied. Im Wesentlichen ist es das Gleiche.

Wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Haltung zu überdenken, und würden es sehr begrüßen, wenn Sie dafür Sorge tragen, daß die entsprechenden Motive aus der Kampagne entfernt werden, oder sich andernfalls von der Kampagne zu distanzieren. Sie und wir sollten bzw. können nicht Persönlichkeiten als Vorbild betrachten, die über Leichen zu gehen bereit waren.



Korrespondenz mit dem 'Spiegel':

Schreiben von Karl Dietrich Seikel, Geschäftsführer des 'Spiegel', vom 13.12.2005:

die von Ihnen monierten Motive der Kampagne „Du bist Deutschland" sind im SPIEGEL nicht geschaltet worden; es besteht auch keine Absicht, sie zukünftig zu schalten. Ihren Brief werden wir nicht veröffentlichen.

Unsere Antwort vom 23.12.2005 auf das Schreiben von Karl Dietrich Seikel:

haben Sie vielen Dank für Ihre Reaktion vom 13.12.2005. Gestatten Sie uns, Ihnen mitzuteilen, daß wir Ihre Position für nicht akzeptabel halten.

Der 'Spiegel' habe die Motive nicht geschaltet und werde dies auch nicht tun, schreiben Sie und schieben damit jede Mitverantwortung für die Kampagne insgesamt beiseite. Damit machen Sie es sich sehr einfach, zu einfach.

Halten Sie es für gerechtfertigt und unterstützenswert, wenn Persönlichkeiten als Vorbild herausgestellt werden, unabhängig davon, welcher Verbrechen sie sich schuldig gemacht haben? Oder sind Kriegstreiberei und Beschäftigung von Zwangsarbeitern (mit Todesfolge) in Ihren Augen keine Verbrechen? Halten Sie es für akzeptabel, über derart fragwürdige Persönlichkeiten eine Aufbruchsstimmung in der Gesellschaft zu vermitteln? Wäre es Ihnen gleichgültig, wenn im Rahmen der Kampagne auch Adolf Hitler als Vorbild präsentiert würde - weil Sie dieses Motiv nicht geschaltet haben? Das kann doch nicht Ihre Logik sein.

Wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Haltung zu überdenken, und dafür Sorge zu tragen, daß die entsprechenden Motive aus der Kampagne entfernt werden, oder sich andernfalls von der Kampagne zu distanzieren. Sie und wir sollten bzw. können nicht Persönlichkeiten als Vorbild betrachten, die über Leichen zu gehen bereit waren.

Wir schätzen den 'Spiegel' als Magazin ein, das vor kontroversen Auseinandersetzungen nicht zurückschreckt. Von daher würden wir erwarten, daß Sie an der Veröffentlichung unseres offenen Briefes als Impuls für eine nicht unwichtige Diskussion ein eigenes Interesse haben. Kontroversen sind ein Markenzeichen der Demokratie und einer freien Presse - denken wir.



Korrespondenz mit der Ströer Out-of-Home Media AG:

Schreiben von Margit von Kuhlmann, PR-Referentin Unternehmenskommunikation, vom 17.01.2006:

vielen Dank für Ihre kritische Auseinandersetzung mit der von uns unterstützten Kampagne "Du bist Deutschland". Ein Ziel der Kampagne ist es, eine Debatte auszulösen über das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Land. Wir begrüßen jeden Beitrag zu dieser Diskussion.

Unser Unternehmen unterstützt die Kampagne "Du bist Deutschland", weil wir zu einer neuen Aufbruchstimmung in Deutschland beitragen wollen. Mit der Kampagne möchten wir erreichen, dass jeder einzelne von uns wieder positiver, zuversichtlicher und motivierter in die Zukunft blickt. Wir möchten den Menschen das Selbstbewusstsein vermitteln, dass es auf jeden von einzelnen ankommt. Dafür werden die Menschen direkt angesprochen und Personen sowie Marken mit hoher Bekanntheit genannt.

Thyssen und Porsche stehen heute für erfolgreiche Unternehmen Deutschlands. In dieser Eigenschaft werden sie in den Anzeigen aufgegriffen. August Thyssen und Ferdinand Porsche werden in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet. Der Bezug zur Person soll lediglich bewusst machen, dass die eigene Entwicklung und das individuelle Schicksal immer auch das Ergebnis von persönlichem Einsatz und dem Glauben an die eigene Idee und das eigene Talent ist.

"Du bist Deutschland" ist eine bürgerschaftliche Kampagne ohne kommerzielle Zielsetzung. Sie ist überparteilich und politisch unabhängig. Die Kampagne ist nur möglich geworden durch das Engagement der beteiligten Medienunternehmen, die pro bono-Arbeit der Agentur- und Produktionspartner und die Teilnahme zahlreicher prominenter und nicht prominenter Deutscher, die alle ohne Honorar mitgemacht haben.

Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist in unserem Interesse, muss aber an anderer Stelle stattfinden. Umso mehr begrüßen wir Ihr Engagement und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.

Unsere Antwort vom 23.01.2006 auf das Schreiben von Margit von Kuhlmann:

haben Sie vielen Dank für Ihr eMail-Antwortschreiben vom 17.1.2006. „Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist in unserem Interesse, muß aber an anderer Stelle stattfinden", schreiben Sie (wie auch andere der beteiligten Medienunternehmen) und schieben damit jede Mitverantwortung für die Kampagne insgesamt beiseite.

Nach Ihrer Auffassung werden August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet, sie stünden lediglich für erfolgreiche Unternehmen. Gestatten Sie uns, Ihnen mitzuteilen, daß wir diese Position für nicht akzeptabel halten.

Was ist das für eine Logik? Heißt das, daß Persönlichkeiten als Vorbild herausgestellt werden können, unabhängig davon, welcher Verbrechen sie sich schuldig gemacht haben? Oder sind Kriegstreiberei und Beschäftigung von Zwangsarbeitern (mit Todesfolge) in Ihren Augen keine Verbrechen? Wie können Persönlichkeiten ohne ihren historischen Kontext gesehen werden?

Erlauben Sie eine zugespitzt formulierte Frage: Würden Sie es in Ordnung finden, wenn Adolf Hitler innerhalb der Kampagne 'Du bist Deutschland' als Vorbild präsentiert würde - weil er die Arbeitslosen von der Straße gebracht und für den Bau von Autobahnen gesorgt hat und mit seinem "Glauben an die eigene Idee" in dieser Hinsicht Erfolg gehabt und für eine Aufbruchstimmung in Deutschland gesorgt hat? Wäre es auch in diesem Fall gestattet, den anderen Teil von dessen ‚Wirken' als historischen Kontext zu klassifizieren und damit auszublenden?

Und wo ist Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen der Vorbildfunktion, die August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne ohne Frage haben und haben sollen, und Verherrlichung? Zwischen dem Herausstellen als Vorbild und Verherrlichung ist nur ein gradueller Unterschied. Im Wesentlichen ist es das Gleiche.

Wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Haltung zu überdenken, und würden es sehr begrüßen, wenn Sie dafür Sorge tragen, daß die entsprechenden Motive aus der Kampagne entfernt werden, oder sich andernfalls von der Kampagne zu distanzieren. Sie und wir sollten bzw. können nicht Persönlichkeiten als Vorbild betrachten, die über Leichen zu gehen bereit waren.

Übrigens hätten wir gerne auch Ihre eigene Position zu unserer Kritik an der Kampagne erfahren. Die reine Weiterleitung des von der Agentur fischerAppelt vorgefertigten Textes erscheint uns der Bedeutung der Fragestellungen nicht angemessen.

In Erwartung Ihrer unternehmensspezifischen Antwort verbleiben wir mit freundlichen Grüßen



Korrespondenz mit der Stuttgarter Zeitung:

Schreiben der Chefredaktion vom 12.12.2005:

über die Beteiligung der Stuttgarter Zeitung an der Kampagne "Du bist Deutschland" hat die Geschäftsführung, nicht die Chefredaktion, entschieden. Deshalb werde ich Ihren Brief an den Geschäftsführer weiterleiten.



Korrespondenz mit t-online:

Schreiben von Rainer Beaujean, t-online-Vorstandsvorsitzender, vom 19.12.2005:

haben Sie vielen Dank für Ihre Schreiben an meine Vorstandskollegen und an mich zur aktuellen Kampagne „Du bist Deutschland". Wir finden es bemerkenswert, wie sich die deutschen Medienunternehmen mit der Kreativwirtschaft hier übergreifend zu einer gemeinsamen Kampagne für den Standort Deutschland zusammen gefunden haben. An diesem gemeinsamen Impuls für eine neue Aufbruchstimmung beteiligt sich auch T-Online.

Der Slogan „Du bist Deutschland" ist seit dem Start der Kampagne in aller Munde, und die erhoffte Diskussion über die Stärken unseres Landes wogt lebhaft hin und her. Damit hat „Du bist Deutschland" ein großes Ziel bereits erreicht. Die Auswahl der Personen und Themen, mit denen die Kampagne auftritt, ist nicht von uns vorgenommen worden. Wir haben bei der federführenden Agentur fischerAppelt nachgefragt, aus welchen Gründen die Herren Thyssen und Porsche ausgewählt worden sind. Die Antwort lautet:

„Thyssen und Porsche stehen heute für erfolgreiche Unternehmen Deutschlands. In dieser Eigenschaft werden sie in den Anzeigen aufgegriffen. August Thyssen und Ferdinand Porsche werden in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet. Der Bezug zur Person soll lediglich bewusst machen, dass die eigene Entwicklung und das individuelle Schicksal immer auch das Ergebnis von persönlichem Einsatz und dem Glauben an das die eigene Idee und das eigene Talent ist."

In der Hoffnung, Ihnen damit geholfen zu haben, verbleiben wir mit freundlichen Grüßen

Unsere Antwort vom 23.12.2005 auf das Schreiben von Rainer Beaujean:

haben Sie vielen Dank für Ihr Antwortschreiben vom 19.12.2005.

Nach Auffassung der Agentur fischerAppelt - der Sie nicht widersprechen - werden August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet, sie stünden lediglich für erfolgreiche Unternehmen. Gestatten Sie uns, Ihnen mitzuteilen, daß wir diese Position für nicht akzeptabel halten.

Was ist das für eine Logik? Heißt das, daß Persönlichkeiten als Vorbild herausgestellt werden können, unabhängig davon, welcher Verbrechen sie sich schuldig gemacht haben? Oder sind Kriegstreiberei und Beschäftigung von Zwangsarbeitern (mit Todesfolge) in Ihren Augen keine Verbrechen? Wie können Persönlichkeiten ohne ihren historischen Kontext gesehen werden?

Erlauben Sie eine zugespitzt formulierte Frage: Würden Sie es in Ordnung finden, wenn Adolf Hitler innerhalb der Kampagne 'Du bist Deutschland' als Vorbild präsentiert würde - weil er die Arbeitslosen von der Straße gebracht und für den Bau von Autobahnen gesorgt hat und mit seinem "Glauben an die eigene Idee" in dieser Hinsicht Erfolg gehabt und für eine Aufbruchstimmung in Deutschland gesorgt hat? Wäre es auch in diesem Fall gestattet, den anderen Teil von dessen ‚Wirken' als historischen Kontext zu klassifizieren und damit auszublenden?

Und wo ist Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen der Vorbildfunktion, die August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne ohne Frage haben und haben sollen, und Verherrlichung? Zwischen dem Herausstellen als Vorbild und Verherrlichung ist nur ein gradueller Unterschied. Im Wesentlichen ist es das Gleiche.

Wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Haltung zu überdenken, und dafür Sorge zu tragen, daß die entsprechenden Motive aus der Kampagne entfernt werden, oder sich andernfalls von der Kampagne zu distanzieren. Sie und wir sollten bzw. können nicht Persönlichkeiten als Vorbild betrachten, die über Leichen zu gehen bereit waren.

PS: Bedenken Sie bitte auch die Vorbildfunktion von Unternehmen wie dem Ihrigen: Wie kann in der Bevölkerung eine Aufbruchstimmung entstehen, wenn Unternehmen wie die Telekom im Gegenzug zehntausende Arbeitsplätze vernichten? Muß es den Betroffenen nicht wie blanker Hohn vorkommen, wenn in einer solchen Situation darauf verwiesen wird, dass „die eigene Entwicklung und das individuelle Schicksal immer auch das Ergebnis von persönlichem Einsatz" ist?



Korrespondenz mit der WAZ-Mediengruppe:

Schreiben von Stefan Zowislo, Leitung Marketing & Kommunikation, vom 17.01.2006:

für Ihre Briefe zu der Kampagne „Du bist Deutschland" vom 7.12.2005 sowie 11.1.2006 an unsere Geschäftsführung danken wir Ihnen; wir nehmen dazu gerne Stellung, gingen jedoch davon aus, dass die Ihnen bereits zugegangenen Schreiben der Kampagnen-Macher ausreichen.

Ein Ziel der Kampagne ist es, eine Debatte auszulösen über das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Land. Wir begrüßen jeden Beitrag zu dieser Diskussion.

Unser Unternehmen unterstützt die Kampagne „Du bist Deutschland", weil wir zu einer neuen Aufbruchstimmung in Deutschland beitragen wollen. Mit der Kampagne möchten wir erreichen, dass jeder Einzelne von uns wieder ^ positiver, zuversichtlicher und motivierter in die Zukunft blickt. Wir möchten den Menschen das Selbstbewusstsein vermitteln, dass es auf jeden Einzelnen ankommt. Dafür werden die Menschen direkt angesprochen und Personen sowie Marken mit hoher Bekanntheit genannt.

Thyssen und Porsche stehen heute für erfolgreiche Unternehmen Deutschlands. In dieser Eigenschaft werden sie in den Anzeigen aufgegriffen. August Thyssen und Ferdinand Porsche werden in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet. Der Bezug zur Person soll lediglich bewusst machen, dass die eigene Entwicklung und das individuelle Schicksal immer auch das Ergebnis von persönlichem Einsatz und dem Glauben an die eigene Idee und das eigene Talent ist.

„Du bist Deutschland" ist eine bürgerschaftliche Kampagne ohne kommerzielle Zielsetzung. Sie ist überparteilich und politisch unabhängig. Die Kampagne ist nur möglich geworden durch das Engagement der beteiligten Medienunternehmen, die pro bono-Arbeit der Agentur- und Produktionspartner und die Teilnahme zahlreicher prominenter und nicht prominenter Deutscher, die alle ohne Honorar mitgemacht haben.

Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist in unserem Interesse, muss aber an anderer Stelle stattfinden. Umso mehr begrüßen wir Ihr Engagement und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.

Unsere Antwort vom 23.01.2006 auf das Schreiben von Stefan Zowislo:

haben Sie vielen Dank für Ihr Antwortschreiben vom 17.1.2006.

„Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist in unserem Interesse, muß aber an anderer Stelle stattfinden", schreiben Sie (wie auch andere der beteiligten Medienunternehmen) und schieben damit jede Mitverantwortung für die Kampagne insgesamt beiseite.

Nach Ihrer Auffassung werden August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne in keiner Weise als Persönlichkeiten verherrlicht oder in ihrem historischen Kontext bewertet, sie stünden lediglich für erfolgreiche Unternehmen. Gestatten Sie uns, Ihnen mitzuteilen, daß wir diese Position für nicht akzeptabel halten.

Was ist das für eine Logik? Heißt das, daß Persönlichkeiten als Vorbild herausgestellt werden können, unabhängig davon, welcher Verbrechen sie sich schuldig gemacht haben? Oder sind Kriegstreiberei und Beschäftigung von Zwangsarbeitern (mit Todesfolge) in Ihren Augen keine Verbrechen? Wie können Persönlichkeiten ohne ihren historischen Kontext gesehen werden?

Erlauben Sie eine zugespitzt formulierte Frage: Würden Sie es in Ordnung finden, wenn Adolf Hitler innerhalb der Kampagne 'Du bist Deutschland' als Vorbild präsentiert würde - weil er die Arbeitslosen von der Straße gebracht und für den Bau von Autobahnen gesorgt hat und mit seinem "Glauben an die eigene Idee" in dieser Hinsicht Erfolg gehabt und für eine Aufbruchstimmung in Deutschland gesorgt hat? Wäre es auch in diesem Fall gestattet, den anderen Teil von dessen ‚Wirken' als historischen Kontext zu klassifizieren und damit auszublenden?

Und wo ist Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen der Vorbildfunktion, die August Thyssen und Ferdinand Porsche in der Kampagne ohne Frage haben und haben sollen, und Verherrlichung? Zwischen dem Herausstellen als Vorbild und Verherrlichung ist nur ein gradueller Unterschied. Im Wesentlichen ist es das Gleiche.

Wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Haltung zu überdenken, und würden es sehr begrüßen, wenn Sie dafür Sorge tragen, daß die entsprechenden Motive aus der Kampagne entfernt werden, oder sich andernfalls von der Kampagne zu distanzieren. Sie und wir sollten bzw. können nicht Persönlichkeiten als Vorbild betrachten, die über Leichen zu gehen bereit waren.

Übrigens hätten wir gerne auch Ihre eigene Position zu unserer Kritik an der Kampagne erfahren. Die reine Weiterleitung des von der Agentur fischerAppelt vorgefertigten Textes erscheint uns der Bedeutung der Fragestellungen nicht angemessen.

In Erwartung Ihrer unternehmensspezifischen Antwort verbleiben wir mit freundlichen Grüßen

Schreiben von Peter Klossek, Leitung Marketing & Kommunikation, vom 03.02.2006:

herzlichen Dank für Ihre ausführlichen und kritischen Anmerkungen zur Kampagne „Du bist Deutschland", die wir mit großem Interesse gelesen haben.

Die WAZ Mediengruppe sowie alle diese Aktion unterstützenden Medienhäuser identifizieren sich mit den Zielen dieser Kampagne, Mut zu machen für eine eigenverantwortliche, selbstbewusst agierende Gesellschaft, in der das Individuum, die Persönlichkeit eines jeden Menschen im Vordergrund steht.

Ziel der Kampagne ist es nicht, „Vorbilder" zu schaffen, die in dem von Ihnen interpretierten historischen Kontext stehen. Wäre es so, hätte sich die WAZ Mediengruppe schon vom geschichtlichem Selbstverständnis her nicht an dieser Aktion beteiligt.



Korrespondenz mit der WerbeWeischer Kinowerbung:

Schreiben von Florian Weischer, Geschäftsführer, vom 17.01.2006:

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 07.12.05 und die kleine Erinnerung aus der letzten Woche. Wir unterstützen die Kampagne „Du bist Deutschland", weil wir es für notwendig erachten, dass insbesondere junge Menschen auf die Bedeutung von selbstgesteckten Zielen, Eigenverantwortung und den Veränderungsmöglichkeiten durch das eigene Handeln hingewiesen und darin motiviert werden. Dafür haben wir Werbezeiten in Kinos in Absprache mit den Kinobetreibern zur Verfügung gestellt.

Wir glauben unverändert an die Richtigkeit dieser Kampagne, deren Grundidee wir natürlich mit den Initiatoren und kreativen Köpfen dieser gemeinsamen Initiative diskutiert haben. Die von Ihnen aufgeführten geschichtlichen und gesellschaftlichen Bezüge zu zwei Unternehmern, finde ich persönlich sehr relevant und die Diskussion um die gestellten Fragen auch richtig, vor allen Dingen, wenn sie öffentlich geführt wird. Ich habe den Grundgedanken der Kampagne aber eher so verstanden, dass es um die Unternehmen und die unternehmerischen Möglichkeiten geht, als um eine - nennen wir es - „Verherrlichung" der beiden Unternehmer-Personen. Dann wäre sicher kritische Distanz angebracht.

Wir haben in den durch uns verbreiteten Inhalten der Kinospots diese Gefahr nicht gesehen und sehen sie auch für die Zukunft nicht. Nichtsdestotrotz halten wir die durch Sie angeregte Diskussion für wertvoll und gesellschaftlich notwendig. Sie wird sicher ihren Niederschlag in den weiteren Stufen und Motiven der Kampagne „Du bist Deutschland" finden.

Unsere Antwort vom 23.01.2006 auf das Schreiben von Florian Weischer:

haben Sie vielen Dank für Ihr Antwortschreiben vom 17.1.2006 und Ihr Verständnis für die von uns aufgeworfenen Fragen.

Sie argumentieren, August Thyssen und Ferdinand Porsche würden in der Kampagne nicht als Unternehmer-Personen verherrlicht. Es gehe eher um die Unternehmen und die unternehmerischen Möglichkeiten. Unseres Ermessens lassen sich Unternehmer und Unternehmen nicht voneinander trennen. Wir sehen es deshalb durchaus als ein Problem, wenn Persönlichkeiten als Vorbild herausgestellt werden, ohne dabei zu betrachten, welcher Verbrechen sie sich schuldig gemacht haben. Oder sind Kriegstreiberei und Beschäftigung von Zwangsarbeitern (mit Todesfolge) in Ihren Augen keine Verbrechen?

Um deutlich zu machen, wo es hin führt, wenn Persönlichkeiten nur an einem Teil ihres Wirkens gemessen und ohne ihren historischen Kontext gesehen werden, erlauben Sie eine zugespitzt formulierte Frage: Würden Sie es in Ordnung finden, wenn Adolf Hitler innerhalb der Kampagne 'Du bist Deutschland' als Vorbild präsentiert würde - weil er die Arbeitslosen von der Straße gebracht und für den Bau von Autobahnen gesorgt hat und mit seinem "Glauben an die eigene Idee" - wie fischerAppelt es formuliert - in dieser Hinsicht Erfolg gehabt und für eine Aufbruchstimmung in Deutschland gesorgt hat? Wäre es auch in diesem Fall gestattet, den anderen Teil von dessen ‚Wirken' als historischen Kontext zu klassifizieren und damit auszublenden?

Wir begrüßen es sehr, wenn Sie dafür Sorge tragen wollen, daß in Zukunft sensibler vorgegangen wird. Sie und wir sollten bzw. können nicht Persönlichkeiten als Vorbild betrachten, die über Leichen zu gehen bereit waren.

Noch eine Bemerkung auf einer anderen Ebene: Zukünftige Kampagnen sollten sich unserer Meinung nach auch an die Entscheidungsträger der großenteils multinational organisierten Wirtschaft wenden. Denn, wenn in Deutschland Arbeitsplätze zu hunderttausenden vernichtet werden, weil Arbeitskräfte woanders billiger sind, kann eine Kampagne wie 'Du bist Deutschland' von den Betroffenen sehr leicht als der blanke Hohn betrachtet werden.



Korrespondenz mit dem ZDF:

Schreiben von Alexander Stock, Hauptabteilung Kommunikation, vom 15.12.2005:

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 7. Dezember, mit dem Sie mich auf Ihre Kritik bezüg­lich zweier Anzeigenmotive der Kampagne „Du bist Deutschland" aufmerksam machen.

Das ZDF ist - wie viele andere Unternehmen - Medienpartner der Initiative. D. h. wir stellen für die TV-Spots Sendeplätze zur Verfügung. Wir tun dies, weil wir die Kampagne mit ihrer Zielsetzung, die Bevölkerung ein wenig aufzurütteln und zu motivieren, sinnvoll finden und daher gerne unterstützen. Die TV-Spots, die wir ausstrahlen, haben wir selbstverständlich vorab geprüft und redaktionell abgenommen. Da sich Ihre Kritik auf Kommunikationsplattformen bezieht, die uns nicht zur Verfügung stehen, und auf die wir von daher auch keinen Einfluss haben, möchte ich Sie bitten, Ihre kritischen Anmerkungen mit dem Pressebüro der Initiative „Du bist Deutschland" zu erörtern.

Unsere Antwort vom 23.12.2005 auf das Schreiben von Alexander Stock:

haben Sie vielen Dank für Ihre Reaktion vom 15.12.2005. Gestatten Sie uns, Ihnen mitzuteilen, daß wir Ihre Position für nicht akzeptabel halten. Sie beteiligen sich an einer Kampagne und sind damit auch insgesamt mitverantwortlich.

Halten Sie es für gerechtfertigt und unterstützenswert, wenn Persönlichkeiten als Vorbild herausgestellt werden, unabhängig davon, welcher Verbrechen sie sich schuldig gemacht haben? Oder sind Kriegstreiberei und Beschäftigung von Zwangsarbeitern (mit Todesfolge) in Ihren Augen keine Verbrechen? Halten Sie es für akzeptabel, die Bevölkerung über derart fragwürdige Persönlichkeiten "ein wenig aufzurütteln und zu motivieren"? Wäre es Ihnen gleichgültig, wenn im Rahmen der Kampagne auch Adolf Hitler als Vorbild präsentiert würde - weil Sie selber dieses Motiv nicht veröffentlichen? Das kann doch nicht Ihre Logik sein.

Wir möchten Sie dringend bitten, Ihre Haltung zu überdenken, und dafür Sorge zu tragen, daß die entsprechenden Motive aus der Kampagne entfernt werden, oder sich andernfalls von der Kampagne zu distanzieren. Sie und wir sollten bzw. können nicht Persönlichkeiten als Vorbild betrachten, die über Leichen zu gehen bereit waren.

Antwortschreiben von Alexander Stock, Hauptabteilung Kommunikation, vom 25.01.2006:

Sie haben am 23.12.2005 noch einmal auf mein Schreiben vom 15.12.2005 geantwortet. Dass Sie mit meiner Position nicht einverstanden sind, muss ich hinnehmen. Anders als Sie, halte ich die Kampagne insgesamt in ihrer Ausrichtung in ihrer Vielfalt und Trägerschaft für untadelig. Soweit ich das beobachten konnte, ist sie so auch in der Öffentlichkeit aufgenommen und diskutiert worden.

Ihre - gleichwohl berechtigten - Hinweise, sind daher noch kein Grund, sich von der Kampagne zu distanzieren. Im Übrigen aber begrüße ich, dass Sie Ihre Kritik an die Initiative herangetragen haben und damit auf die Notwendigkeit aufmerksam gemacht haben, Kampagnenmotive stets auch vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte kritisch zu überprüfen. Ich bin sicher, dass dies dort so auch angekommen ist.

Ich würde mich freuen, wenn Sie diese - zugegeben ein wenig ambivalente - Haltung, nachvollziehen können und danke Ihnen jedenfalls für Ihre Aufmerksamkeit in jeder Hinsicht.



eMails und Gästebuch-Eintragungen:

eMail vom 23.12.2005:

Auch wenn ich den Zusammenhang zum Nationalsozialismus nicht sehe, ich habe auch meine Bedenken gegen diese Campagne, eben aus anderen Gründen:

http://www.grolo.de/index.php?id=35,57,0,0,1,0

Wie sehr salonfähig zumindest Teile des Nationalsozialistischen Gedankenguts seit geraumer Zeit schon sind, zumindest in Amerika und in Deutschland, zeigt diese Rede, den ich (zugegebenermaßen etwas subjektiv angehaucht) mal kommentiert habe:

http://www.grolo.de/index.php?historic

Gefahren durch Rechte im klassischen Sinne sehe ich zwar nicht, aber die Gefahr der Verseuchung durch Nazi-Gedankengut ist bei näherem Betrachten sicherlich erkennbar. Diese wird sicherlich übertüncht durch die Tatsache, daß die Feindbilder neuzeitlich andere sind.

Göbbelsche Konzeptansätze lassen sich auch bei jüngsten Äußerungen von Peer Steinbrück, Brigitte Zypries und Angela Merkel finden:

http://www.grolo.de/index.php?id=35,66,0,0,1,0
http://www.grolo.de/index.php?id=35,64,0,0,1,0

Weiterhin erinnert das Verhalten von Generalbundesanwalt Nehm ebenfalls an die Justizpraktiekengegen Ende von Weimar und an das Dritte Reich.

Gästebuch-Eintragung von Ansgar Tertinegg vom 8.1.2006:

Sehr geehrte Damen und Herren.

Mit Unverständnis las ich gerade Ihre Reaktion zur Kampagne "Du bist Deutschland"

Dabei sehen Sie scheinbar die Vordenker in den Reihen der Nationalsozialisten! Meinen Sie das ernst? Sie stellen Max Schmeling ind die (heutige) Firma Porsche als Nazis dar. Meinen Sie etwa DAS Ernst?

Da ich davon wegen der ergreifenden Schlichtheit dieser Aussagen nicht ausgehe, denke ich, dass dies als Scherz gemeint ist.

Leider ist dieser Deutschland-Nazi-Vergleich allzu ausgelutscht, um mich noch amüsieren zu können.

Schade

eMail vom 30.1.2006:

Frappierend und bestürzend die gleichlautenden Antworten auf Ihre Anfragen wegen Thyssen und Porsche... Der Rückschritt ist eben schon weiter gelangt und viel größer als vermutet. Gerade Thyssen (nach Hallgarten), einer der wenigen frühen großindustriellen Hitlerförderer, wird da reingemixt, in der nächsten Kampagne tauchen dann Stinnes, Hugenberg und Schleicher auf. Es kann kein Zufall sein, dass die Medienkampagne so massiv Geschichte klittert und dass Bauer, Springer, Spiegel & Konsorten sich dann doof stellen und nichts davon im Sinn geschweige denn bemerkt haben wollen und natürlich überhaupt gar nicht zuständig sind; aber eigenartigerweise eintönig dieselben Antworten geben. Dass Heise da mitmacht, befremdet am meisten. Ist da die Gleichschaltung schon so weit fortgeschritten? Gibt es eine Bundesschriftumskammer oder wird das gleich auf EU-Plattform geschmiedet?

Gästebuch-Eintragung von Hans D. vom 9.2.2006:

Irgendwie habt ihr es glaub nicht verstanden, was die Kampagne sagen will. Traurig, dass immer mit solchen Kamellen und schlechten Fotomontagen ein völlig lächerlicher und überzogener Bezug zur Geschichte hergestellt werden muss. Manchmal lohnt sich ein Blick nach vorn und sich auf Werte zu besinnen, die Deutschland wieder an die Spitze bringen. Schon mal was von Nationalstolz oder -bewusstsein gehört?

Nachdem ich nun noch die Korrespondenzen mit den Medienunternehmen durchgelesen habe. Sorry, wie kann man nur so bekloppt sein?! Müssen wir denn bei jedem Porsche immer an Krieg denken, oder wie?! Irgendwann sollte Deutschland auch mal den Schritt wagen, seine Geschichte zu überwinden.

Was Sie betreiben ist krankhaft!



siehe auch:
Du bist Deutschland - Betrachtungen zu einer Kampagne und ihren Vorbildern, 29.11.2005