| Sozialraub - Analysen zur Politik des globalen Kapitals |
Fast zeitgleich mit dem Inkrafttreten der so genannten Hartz-IV-Gesetzgebung, einer Zäsur beim Umbau unseres Staates, betreiben über 20 FotografInnen und BildkünstlerInnen aus dem Verband Arbeiterfotografie und darüber hinaus die Suche nach dem verschwundenen Reichtum, zeigen und analysieren die Situation, streifen dabei lokale wie globale Aspekte. Sie tun dies mit unterschiedlichen Mitteln, mit Einzelfotos, Serien, Reportagen, Collagen und Montagen, in der Absicht mit ihren Arbeiten einen Beitrag zum Widerstand zu leisten - gegen die Politik des globalen Kapitals, die mit der Hartz-IV-Gesetzgebung eine neue Ebene der Eskalation erreicht hat. Eröffnung: Freitag, 7.1.2005 20 Uhr
U-Bahn: Platz der Luftbrücke, Bus: 119, 104 Beteiligte: Anders 23 und Brandpunt 23, Jozef de Ryck, Louis Bogaert, Pierre de Beer, Walter Jansegers, Celina Wagemans, Danny Asselberg, Leo Wymeersch, Antwerpen, Florian Aicher, Nürnberg, Margita Görner, Rudolf Denner, Fred Tittmann, Kurt Buchwald, Berlin, Ellen Diederich, Ralph Halley, Oberhausen, Jochen Vogler, Kurt Feisel, Inge Herlitz, Wuppertal, Senne Glanschneider, Niederlande, Manuel Schroeder, Thomas Schubert, Krefeld, Gine Willrich, Bonn, Dietmar Treber, Rudi Hechler, Frankfurt, Peter-Siegfried Bock, Halberstadt, Uwe Menger, Bremerhaven, Jutta Hilscher, Bernward Duda, Offenbach, Ingrid Straube, Christian Fiege, Holger Karl, Dietmar Wegewitz, Cindy Dillmann, Andreas Neumann, Anneliese Fikentscher, Hans-Dieter Hey, Karin Richert, Köln Mediengalerie 030-68 30 20 90 Arbeiterfotografie 0221-727 999, 069-70 89 96
Die Medien und der globale Krieg nach innen und außen Die Veranstaltung umfaßt mehrere Vorträge und eine Podiumsdiskussion mit Referenten und Teilnehmern aus dem Bereich Medien, Gewerkschaft, Wirtschafts- und Politikwissenschaft. Es geht um die Rolle der Medien in der neoliberalen Politik mit ihrer Umverteilung im Innern sowie ihren Kriegen nach außen und die Möglichkeiten einer Gegenöffentlichkeit insbesondere mit visuellen Mitteln - anknüpfend an die Äußerung der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy auf dem 4. Weltsozialforum in Mumbai, 16. Januar 2004: "Natürlich wird jeder Krieg des Imperiums zum gerechten Krieg erklärt. Das hängt zum großen Teil von der Rolle der Medienkonzerne ab. Es ist wichtig zu verstehen, daß Medienkonzerne nicht lediglich das neoliberale Projekt unterstützen. Sie sind das neoliberale Projekt." Mediengalerie Berlin, Sonntag, 9.1.2005, 15 bis 21 Uhr Eintritt 5 Euro/3 Euro Begrüßung: Roland Tremper (Geschäftsführer ver.di Bezirk Berlin) Moderation: Anneliese Fikentscher (Arbeiterfotografie) Referenten und Diskussionsteilnehmer:
mit Ellen Diederich, Andreas Neumann, Werner Rügemer, Peter Wahl, Gerhard Wisnewski und Anneliese Fikentscher (Moderation) U-Bahn: Platz der Luftbrücke, Bus: 119, 104 Mediengalerie 030-68 30 20 90 Arbeiterfotografie 0221-727 999, 069-70 89 96 Eine Zusammenarbeit des Bundesverbands Arbeiterfotografie mit der Mediengalerie und ver.di Fachbereich Medien, Kunst und Industrie, Berlin-Brandenburg |
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Kommentare zur Epoche der 'Reformen':
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Kommentare zur Epoche der 'Reformen' (Forts.):
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Zum Beispiel Freiherr von Oppenheim:
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Kommentare zu Hartz IV:
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Argumente für Hartz IV:
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Viertes Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt:
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Kommentare zu Hartz IV:
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Klaus Staeck hatte recht:
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Reform:
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Systemzahlen:
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Systembildung:
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Florida-Alfred, alias Alfred Freiherr von Oppenheim:
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Bildserie "Kein Zutritt für Erwerbslose":
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Bildserie "Armes Deutschland":
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Bildserie "Ich-AG":
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Bildserie "Kommunikation im öffentlichen Raum":
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Bildserie "Obdachlos":
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Bildserie "Reform":
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Rede von Constanze Lindemann Ausstellungseröffnung am 7. Januar 2005 in der Mediengalerie, Berlin |
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Sehr geehrte Gäste, liebe Freundinnen und Freunde der Medien Galerie, liebe Kolleginnen und Kollegen und ganz besonders herzlich: liebe Arbeiterfotografinnen und -fotografen aus Köln, Frankfurt, Berlin und allen anderen Orten, Wir begrüßen Sie und Euch sehr herzlich im Namen von ver.di Berlin-Brandenburg und seinem Fachbereich Medien zur Eröffnung der heutigen Ausstellung: „Rettet den Reichtum - Die Politik des globalen Kapitals und der Widerstand dagegen.“ Es ist die zweite Ausstellung der Arbeiterfotografie, die die Medien Galerie zeigt, - die erste war im Frühjahr 2002 „Der Krieg begann nicht am 11. September.“ Dazu kommt noch eine Ausstellung im Jahr 2001, die dem Arbeiterfotografen Ernst Thormann gewidmet war, „Jeder kann fotografieren“. Klaus Ihlau und Peter Badel hier aus Berlin hatten sie organisiert und erstellt. Wir freuen uns sehr, dass die Kooperation mit Köln nach drei Jahren wieder so gut geklappt hat und bedanken uns insbesondere bei Anneliese, Andreas und Dietmar aus Köln, die nicht nur den Löwenanteil der Arbeit geleistet haben, sondern auch noch gestern früh um 5 Uhr ins Auto gestiegen waren, um die Ausstellung und sich hierher zu bringen. „Es geht uns darum, Deutschland, den Adler, zurzeit eine gebeutelte, gefesselte Kreatur, zu befreien, zu entfesseln, damit er wieder fliegen kann“, so BDI-Präsident Rogowski in seiner Eröffnungsrede auf dem Kongress des Bundesverbandes der Industrie im September 2003. Die dort verabschiedete Kampfschrift „Für ein attraktives Deutschland, Freiheit wagen - Fesseln sprengen“, war bereits im Januar 2003 mit Bundeskanzler Schröder erörtert worden. Sie lag der Agenda 2010 zugrunde. Die Ergebnisse dieser Befreiung und Entfesselung sind in allen Städten Deutschlands tagtäglich in steigender Intensität auf den Straßen zu besichtigen. „Befreiung von hinderlichen Prinzipien und Regelungen“ auch „Reform“ genannt, ist Inhalt der Politik auf allen Ebenen geworden, sie wird seit der Jahrtausendwende mit verschiedenen Initiativen, die von den Arbeitgeberverbänden und ihren Freunden mit Millionen gesponsert werden, als allein gültige Meinung in die Medien gedrückt. Diese Politik, die den Reichtum von einigen wenigen ins unermeßliche steigert und die Mehrheit der Menschen immer weiter enteignet, die nichts anderes ist, als eine Kriegserklärung gegen eben diese Mehrheit, wird für alternativlos erklärt. Natürlich, für das Überleben des Kapitals angesichts weltweit sinkender Profitraten und sich immer weiter verschärfender Konkurrenz ist die schrankenlose Ausbeutung aller natürlichen und menschlichen Ressourcen alternativlos. Das bedeutet für uns: Wir sind so eindeutig wie noch nie zuvor aufgerufen, die tatsächlichen Zusammenhänge darzustellen, sie zu erkennen, zu verbreiten und miteinander zu diskutieren, um solidarisch Widerstand zu leisten und unsere Alternativen zu entwickeln. Wir wollen keinen Krieg. Wir wollen als Menschen auf dieser Erde nicht nur überleben, sondern wir wollen leben, „einzeln und frei wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald“. Schöner und treffender als der türkische Dichter Nazim Hikmet kann man es auch heute nicht sagen. Diese Ausstellung ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie so etwas angefangen und gemacht werden kann. Wir wünschen ihr, dass sie weit herumkommt und anderen das Beispiel gibt: Wir müssen uns nicht überwältigen lassen, wir können etwas tun. |
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Rede von Michael Nungesser Ausstellungseröffnung am 7. Januar 2005 in der Mediengalerie, Berlin |
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Sehr geehrte Damen und Herren, bei der Ausstellung "Rettet den Reichtum" geht es darum, gegen die herrschende Existenzangst und soziale Demontage ein Zeichen zu setzen. Dass hierbei künstlerische Mittel verwendet werden, ist eine der vielen Formen, mit den Problemen umzugehen und einen Weg zu finden, die Aktionen auf der Straße an ruhigeren Orten reflektieren und mit weiteren Überlegungen zur Lage der Dinge vermitteln zu können. Denn Kunst ist nicht, wie wohl landläufig noch immer gemeint wird, etwas Erhabenes, Abgehobenes, Harmonisierendes - kurzum etwas Harmloses. Sie kann auch aufklären, provozieren, kritisieren, sich einmischen, Widerstand leisten. Kämpfende Kunst war einmal in den zwanziger Jahren ein Schlagwort der Linken, Kunst als Waffe ein anderes. Beide sind auch in späteren Zeiten wieder aufgegriffen und neu instrumentalisiert worden. Kunst bedeutet eine besondere Form der visuellen Kommunikation. Die Fotografie hatte im frühen 20. Jahrhundert als technisches Medium den Weg für neue Ausdrucksformen eröffnet, vor allem in Verbindung mit der illustrierten Presse. So entstand die Bewegung der Arbeiterfotografie; auch sie ist in den letzten Jahrzehnten wieder mit neuem Leben versehen worden. Sie umfasst nicht nur - wie die Ausstellung zeigt - verschiedene Formen sozialdokumentarischer Fotografie, die eine ihrer Wurzeln in den dreißiger Jahren bei den Fotografen der Farm Security Administration in den USA hat, sondern auch konzeptionelle und visuelle Mischformen, die sie mit den traditionellen Medien der Karikatur und Plakatkunst verbindet. Es ist die Tradition der Fotomontagen von John Heartfield, die später im Osten von Manfred Butzmann und im Westen von Klaus Staeck weitergeführt wurde. Die Ausstellung "Rettet den Reichtum" ist also keine herkömmliche Fotoausstellung, bestehend aus einer Aneinanderreihung einzelner Fotos. Fotos werden hier in Gruppen gezeigt, nicht gerahmt, sondern auf Bahnen, die an Transparente, aber auch an Wandzeitungen denken lassen. Die Einbeziehung von Text ist - über die übliche Autoren- und Titelangabe hinaus - ein wesentliches Element. Mag sein, dass ein Foto mehr sagt als tausend Worte, mir scheint aber, dass dies eher die Ausnahme darstellt. Um komplexe Zusammenhänge aufzuzeigen, bedarf es eben doch mehr: zum Beispiel Serien, Reportagen, Collagen, Montagen, inszenierte Fotografie, Kombination mit Texten - von Bearbeitungstechniken neuester digitaler Fotografie einmal abgesehen. Die Fotografie als technisch reproduzierbares Medium bietet seriellen Darstellungsformen, Verkleinerung und Vergrößerung als ästhetische Möglichkeiten geradezu an - auch in ihrer Kombination miteinander wie in dieser Ausstellung. Fast scheint es, als wollten die zwanzig ausgestellten Bahnen auf indirekte Weise dem Titel "Rettet den Reichtum" gerecht werden, indem sie tatsächlich einen großen Reichtum an gestalterischen Mitteln aufweisen. Gezeigt werden Bahnen ganz unterschiedlicher Machart. Einige Bahnen, die allein aus der Zusammenfügung unterschiedlich großer Fotos bestehen, beziehen sich auf Demonstrationen der letzten Monate, aufgenommen von verschiedenen Fotografinnen und Fotografen. Schon hier bilden Worte oder Texte eine gewichtige Rolle, aber sie erscheinen innerhalb der Fotos auf den Transparenten der Demonstrationsteilnehmer: So steht auf einem riesigen Spruchband: "Es reicht. Alle gemeinsam gegen den Sozialkahlschlag". Oder man liest auf dem an eine Mütze gehefteten Zettel: "Wir sind viele, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut." Ein anderer Demonstrant erinnert daran, dass laut Duden "Reform" "Verbesserung des Bestehenden" bedeutet. Aber Reform ist ja auch ein Fremdwort - wenigstens für die, die es so oft in den Mund nehmen. Auch die Fotos von Montagsdemonstrationen aus Leipzig, Magdeburg und Eisenhüttenstadt von Kurt Buchwald erscheinen als eng montierte Blöcke, die gleichsam den Zusammenhalt der Menschen symbolisieren. Auf derselben Bahn finden sich zwei weitere große Einzelfotos von Ingrid Straube. Sie hat sarkastische Fotoinszenierungen geschaffen, die unter den Titeln "Rettet den Sozialstaat" und "Kürzen, wo es nicht weh tut: Multis Millionäre Manager Minister" stehen. Andere Formen der Inszenierung finden sich bei Anneliese Fikentscher, die uns den Spruch "Die Reform ist für den Arsch" als fotografische Bildmetapher in kräftigem, gelb umrahmtem Pink aufs Auge drückt, oder unter dem Motto "Elite Bildung" nackte Oberkörper mit der Aufschrift "Suche Sponsor" vorführt. Fast ins Kabarettistisch-Schauspielerische geht die Fotoreihe "ICH-AG" von Dietmar Wegewitz und Christian Fliege: sorgsam komponierte Berufsdarstellungen mit drastischem Bildwitz: Der Medikamententester, Der Pickelausdrücker, Der Entmieter, Der Familienverplanungsreparateur. Auf derselben Bahn steht - als Kontrast dazu - die schlichte und eindrückliche Bildsequenz "Obdachlos" von Karin Richert. In schwarzweißen Nahaufnahmen sind Hände zu sehen, die ein Stück Brot halten. Die eben genannten Bilder - man könnte sie Atelierinszenierungen nennen - werden durch Aufnahmen öffentlicher Aktionen ergänzt. "Kein Zutritt für Erwerbslose" steht auf dem Schild, das eine Person vor Geschäften, Banken oder einem Taxistand in die Kamera von Andreas Neumann hält. Neben dieser wie ein Filmstreifen vorgeführten farbigen Bildsequenz steht auf derselben Bahn eine zweite in Schwarzweiß: "Die Lage der Nation" heißt die Reihe von Manuel Schroeder und Thomas Schubert mit Fotos von Obdachlosen. Sie liegen auf der Straße, auf Bänken oder in Häuserecken. Die Bildtitel - z.B. "Wir geben ihrer Zukunft ein Zuhause" oder "Auf diese Steine können sie bauen" klingen zynisch. Es sind Werbesprüche. In der Konfrontation mit dem Alltag wird die Kluft zwischen Verheißung und Realität nur allzu deutlich. Auch die von Gine Willrich fotografierten "45 Minuten in der Bonner Innenstadt" zeigen Kontraste. Hier und zur gleichen Zeit die zufrieden posierenden Banker, dort die Straßenmusiker und Bettler mit handgeschriebenen Zetteln voller Erklärungen und Bitten. Die Gegenüberstellung von Reich und Arm, Oben und Unten findet sich in geradezu klassischer Form auf der Bahn, die in zwei Blöcken oben Farbfotos von Villen und unten Schwarzweißfotos von Obdachlosen miteinander konfrontiert. Oben die - so der Titel - "Suche nach dem verschwundenen Reichtum in Merbusch-Büderich" von Fikentscher und Neumann, unten die Straßenaufnahmen von Senne Glanschneider mit dem Johann Wolfgang Goethe entnommenen Satz: "Dieses ist das Bild der Welt, die man für die beste hält." Auf der Suche nach dem Reichtum, der so wundersam seine private Auferstehung in Form luxuriöser Anwesen findet, waren Neumann und Werner Rügemer auch in Köln-Marienburg, wo die Prominenten mit dunkler Vergangenheit hausen: Wolff von Amerongen, Pferdemenges, Freiherr von Oppenheim. Auf dieser Bahn werden die mit biographischen Daten ergänzten Villenfotos mit Aufnahmen von Dietmar Treber kombiniert, auf denen Menschen gegen Hartz IV demonstrieren. Auf dem zentral platzierten Foto einer Hauswand steht das Graffito: "Die Grenze verläuft nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen oben und unten". Während in den bisher erwähnten Beispielen das Foto im Zentrum steht, gibt es auch einzelne Bahnen, in denen Texte eine große Rolle spielen oder sogar dominieren. Wenn bei Andreas Neumann unter dem Spruch "Reichtum ist die Fähigkeit abzuschöpfen" der ausgemergelte Körper eines Verhungernden oder unter "Die globale Überlegenheit des Kapitalismus" eine idyllisch in bewaldeter Berglandschaft gelegene Villa zu sehen ist, untertitelt mit "358 Millardäre besitzen mehr als die halbe Menschheit", so erwächst die Aussagekraft aus der engen Nebeneinander von Wort und Bild. Aus der Kombination beider ergibt sich die Autorenschaft. Auch Fotos anderer können zitiert werden wie das eines Arbeiterfotografen der 20er Jahre in dem von Neumann erdachten Plakat der fiktiven Asozialen Partei Deutschlands (APD) mit dem Titel "Angemessener Wohnraum für Arbeitslose". In der Ausstellung "Rettet den Reichtum" wird Fotografie in verschiedener Form gezeigt: in dokumentarischer, ironischer, satirischer oder agitatorischer Form. Immer aber auch als solidarischer Akt, als Mahnung, als Ermunterung, als Aufruf, sich nicht verHARZen zu lassen, widerständig zu sein, mit allen Mitteln legitimen demokratischen Handelns - auch mit künstlerischen und vor allem: mit der Kamera in der Hand. |