Drohender Kriegsschauplatz Iran
An die Bundeszentrale für Politische Bildung
Offener Brief vom 17.1.2008 in Sachen Antisemitismus-Dossier der Bundeszentrale, das die Behauptung enthält, der Iran wolle Israel von der Landkarte tilgen
(Resonanz dazu siehe unten)

Sehr geehrter Herr Schilling, sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion und der Pressestelle,

durch Herrn Thomas Immanuel Steinberg sind wir darauf aufmerksam geworden, daß sich auf Ihrer website ein Dossier zum Thema Antisemitismus befindet (http://www.bpb.de/themen/GX51KQ,0,0,Antisemitismus.html), das mit den Worten eingeleitet wird: "Mit seiner Äußerung, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen, sorgte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Oktober 2005 weltweit für Empörung. Sein offener Hass gegen Israel und die Juden entlädt sich regelmäßig: in Drohungen, Anfeindungen, in einer konsequenten Leugnung und Relativierung des Holocaust. Auch jenseits des Gottesstaates wächst die Zahl der Geschichts-Revisionisten..."

Sie schreiben in Ihrem Text dem iranischen Präsidenten das Zitat zu, das besagt, der Iran wolle Israel von der Landkarte tilgen. Wir haben uns intensiv mit der Quellenlage auseinandergesetzt und sind zu dem (vorläufigen) Ergebnis gekommen, daß diese Formulierung nicht dem entspricht, was er tatsächlich gesagt hat. Aber wir wollen nicht ausschließen, daß wir etwas übersehen haben. Deshalb möchten wir Sie herzlich bitten, uns die Ihren Ausführungen zugrunde liegende Quelle zu benennen. Es ist unseres Ermessens der Wichtigkeit angemessen, der Sache auf den Grund zu gehen. Dabei möchten wir Sie bitten, die Artikel von Jonathan Steele im Guardian zu berücksichtigen, der sich auch sehr eingehend mit dem besagten Zitat auseinandergesetzt hat (eine Zusammenfassung seiner Argumentation und die Links auf seine Artikel im Guardian finden Sie unter http://www.arbeiterfotografie.com/iran/index-iran-0025.html)

Wir mögen in der Beurteilung übereinstimmen, daß der iranische Präsident seine Abscheu gegenüber Israel und dessen Politik gegenüber der palästinensischen Bevölkerung zum Ausdruck bringt. Was uns aber eindeutig falsch zu sein scheint, ist die Behauptung, er sei ein Judenhasser. Aber trotzdem: auch hier wollen wir nicht ausschließen, daß wir etwas übersehen. Deshalb auch in diesem Zusammenhang die Bitte, uns die Originalquellen zu benennen. Das gleiche gilt für den Themenkomplex Holocaustleugnung.

In diesem Zusammenhang möchten wir auf einen Sachverhalt hinweisen, der unserer Meinung sehr zu denken gibt. Das, was dem iranischen Präsidenten vorgeworfen wird, womit er angeblich droht, ist auf der anderen Seite bittere Realität. Es ist ganz objektiv betrachtet Palästina, das nach und nach von der Landkarte getilgt wird:

Palästina wird von der Landkarte getilgt

Es sieht also ganz danach aus: Israel praktiziert genau das, was es dem Iran unterstellt zu beabsichten. Israel (und seine Verbündeten) erheben den Vorwurf, der Iran wolle Israel von der Landkarte tilgen. Tatsächlich aber wird Palästina durch Israel von der Landkarte getilgt. Israel (und seine Verbündeten) werfen dem Iran vor, nach Atomwaffen zu streben, verfügen selber aber längst über derartige Waffen. Israel (und seine Verbündeten) führen unentwegt das Wort vom Existenzrecht Israels im Munde. Doch es ist bittere Realität, daß Israel das Existenzrecht Palästinas nicht nur in Frage stellt, sondern die Politik Israels de fakto auf Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung abzielt (ethnische Säuberung, wie der israelische Historiker Ilan Pappe es nennt).

Wenn wir tatsächlich ein Interesse an einem friedlichen Miteinander der Menschen in Palästina bzw. Israel haben und tatsächlich aus unserer Geschichte gelernt haben, dann dürfen wir die Realtität nicht verzerrt darstellen. Und wir müssen immer damit rechnen, daß diejenigen, die ihre Interessen verfolgen, dies mit unlauteren Mitteln tun. Dafür gibt es in der Geschichte zahllose Beispiele. Und unseres Erachtens müßte es zentrale Aufgabe einer Organisation wie der Ihren, die politische Bildung und Aufklärung betreiben will, sein, hinter die Kulissen zu blicken, vor denen vielfach Theater gespielt wird, das mit der Realität recht wenig zu tun hat.

Mit freundlichen Grüßen
Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann


Petition an den Deutschen Bundestag vom 14.2.2008
(Pet 1-16-06-2002-034492)


An den
Deutschen Bundestag
Petitionsausschuss
Platz der Republik 1
11011 Berlin

Die Beschwerde betrifft das von der Bundeszentrale für Politische Bildung im Internet unter der Adresse http://www.bpb.de/themen/GX51KQ,0,0,Antisemitismus.html veröffentlichte Antisemitismus-Dossier.

Die Bundeszentrale für Poltische Bildung verbreitet Auffassungen und Aussagen, die sie dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad zuschreibt, die dieser aber mit sehr großer Wahrscheinlichkeit (so) nicht teilt bzw. nicht geäußert hat, und deren (falsche) Wiedergabe geeignet ist, das Feindbild Iran zu schüren, damit einem Krieg gegen dieses Land Vorschub zu leisten und so die Sicherheit der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden.

Aus unserer Anfrage vom 17.1.2008 geht hervor, was die Bundeszentrale dem iranischen Präsidenten im einzelnen unterstellt, ohne es zu belegen:
  • er wolle Israel von der Landkarte tilgen
  • er hege Hass gegenüber den Juden
  • er betreibe eine konsequente Leugnung und Relativierung des Holocaust
In § 2 des Erlasses über die Bundeszentrale für politische Bildung vom 24.01.2001 heißt es: „Die Bundeszentrale hat die Aufgabe, durch Maßnahmen der politischen Bildung Verständnis für politische Sachverhalte zu fördern, das demokratische Bewusstsein zu festigen und die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit zu stärken“. Dieser Aufgabe kommt die Bundeszentrale in der von uns geschilderten Sache nicht nach.

Sie legt über die ihren Behauptungen zugrunde liegenden Quellen gegenüber den Anfragenden - trotz mehrfacher Nachfragen - keine Rechenschaft ab, bestätigt noch nicht einmal den Eingang unseres Schreibens. Dadurch sehen wir uns in unserer "Bereitschaft zur politischen Mitarbeit" (§ 2) behindert.

Wir fordern, daß die Bundeszentrale für Politische Bildung unsere, an den im Sinne des Pressegesetzes Verantwortlichen, Herrn Schilling, sowie Redaktion und Pressestelle gerichtete Anfrage inhaltlich beantwortet und ggf. die Feindbild schürenden Behauptungen über Äußerungen und Auffassungen des iranischen Präsidenten öffentlich richtig stellt und daraufhin unterläßt sowie ihren Publikationen generell einen sachlichen und nicht kriegstreibend-aggressiven Charakter gibt.

Der Erlass über die Bundeszentrale für politische Bildung vom 24.1.2001, §2 (Die Bundeszentrale hat die Aufgabe, durch Maßnahmen der politischen Bildung Verständnis für politische Sachverhalte zu fördern, das demokratische Bewusstsein zu festigen und die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit zu stärken) ist zu ergänzen um den Satz: "Sie darf dabei keine interessengeleitete, insbesondere kriegstreibende Darstellung verbreiten."

Da in unserer Demokratie die Abgeordneten den Willen des Souveräns - also des Volkes - vollziehen, bitten wir Sie, sich in dieser Angelegenheit einzuschalten. Die Anfrage an die Bundeszentrale für Politische Bildung vom 17.1.2008 sowie die Nachfragen vom 22. und 28.1.2008 sind beigefügt.


Unser Schreiben an Dr. Bernd Hübinger, stellvertretender Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, vom 20.2.2008

Dr. Bernd Hübinger
Bundeszentrale für politische Bildung
Adenauerallee 86
53113 Bonn

Sehr geehrter Herr Dr. Hübinger,

als Vorgesetzten von Herrn Thorsten Schilling (Fachbereich Multimedia/Medien und Kommunikationszentrum Berlin und verantwortlich für Ihren web-Auftritt) möchten wir Sie bitten sich einzuschalten.

Am 17.1.2008 haben wir die beigefügte Anfrage an Herrn Schilling sowie die Redaktion des web-Auftritts und Ihre Pressestelle gerichtet. Trotz zweimaliger Erinnerung haben wir darauf keine Antwort erhalten. Es spricht daraus unseres Erachtens eine bedenkliche Art und Weise im Umgang mit den Bürgern unseres demokratischen Gemeinwesens. Deshalb möchten wir Sie bitten, sich der Sache anzunehmen und dafür Sorge zu tragen, daß wir eine fundierte Antwort erhalten und für den Fall, daß sich die Behauptungen über die Äußerungen und Auffassungen des iranischen Präsidenten als falsch herausstellen - was nach unseren Recherchen sehr wahrscheinlich ist - korrigiert werden.

Bitte teilen Sie uns mit, wie Sie zu der Sache stehen und welche Schritte Sie unternehmen.

Mit freundlichen Grüßen
Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann


Unser Schreiben an Ernst-Reinhard Beck, Vorsitzender des Kuratoriums der Bundeszentrale für politische Bildung, vom 20.2.2008 (ähnlich an die weiteren Mitglieder des Kuratoriums)

Ernst-Reinhard Beck (Reutlingen)
Deutscher Bundestag
Platz der Republik 1
11011 Berlin

Sehr geehrter Herr Beck,

als Vorsitzenden des Kuratoriums der Bundeszentrale für politische Bildung möchten wir Sie bitten sich einzuschalten.

Am 17.1.2008 haben wir die beigefügte Anfrage an die Bundeszentrale für politische Bildung gerichtet. Trotz zweimaliger Erinnerung haben wir darauf keine Antwort erhalten. Es spricht daraus unseres Erachtens eine bedenkliche Art und Weise im Umgang mit den Bürgern unseres demokratischen Gemeinwesens. Deshalb möchten wir Sie bitten, sich der Sache anzunehmen und dafür Sorge zu tragen, daß wir eine fundierte Antwort erhalten und für den Fall, daß sich die Behauptungen über die Äußerungen und Auffassungen des iranischen Präsidenten als falsch herausstellen - was nach unseren Recherchen sehr wahrscheinlich ist - korrigiert werden.

Bitte teilen Sie uns mit, wie Sie zu der Sache stehen und welche Schritte Sie unternehmen.

Mit freundlichen Grüßen
Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann


Reaktion von Dr. Bernd Hübinger (stellvertretender Präsident der Bundeszentrale) vom 26.2.2008

Sehr geehrte Frau Fikentscher, sehr geehrter Herr Neumann,

bei der von Ihnen bemängelten Formulierung auf der Website der bpb handelt es sich nicht um ein Zitat, sondern um die Paraphrase von Äußerungen des iranischen Präsidenten, die weltweit für Empörung gesorgt haben. Die Formulierung steht im Einklang mit Darstellungen diverser seriöser Medien.

Die über die nachfolgend angefügten Links (Zugriff 25.2.2008) zugänglichen, beispielhaften Texte und Darstellungen zu diversen Äußerungen Ahmadinedschads dürften hinreichend deutlich machen, welche Haltungen er Israel gegenüber eingenommen hat.

http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2263137,00.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,381752,00.html
http://www.tagesschau.de/ausland/meldung153740.html
http://www.faz.net/s/RubE073BC45BF914FEAA6F729039898A785/
Doc~E7341392685F74D4F8C8267FECE300169~ATpl~Ecommon~Scontent.html

http://www.netzeitung.de/spezial/nahost/371986.html

Die bpb hält daher an der gewählten Formulierung fest.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bernd Hübinger


Unsere Antwort vom 3.3.2008 auf die Reaktion von Dr. Bernd Hübinger vom 26.2.2008
(Resonanz dazu siehe unten)

Sehr geehrter Herr Dr. Hübinger,

haben Sie vielen Dank für Ihre Reaktion auf unser Anliegen. Sie argumentieren, Ihre Formulierung bzgl. der Wiedergabe von Äußerungen des iranischen Präsidenten stehe im Einklang mit Darstellungen diverser seriöser Medien. Daher halte die bpb an der gewählten Formulierung fest.

Es tut uns leid, feststellen zu müssen, daß diese Argumentation an der Sache vorbei geht. Das Problem besteht ja gerade darin, daß die so genannten seriösen Medien keine Garantie für die wahrheitsgemäße Verbreitung von Informationen bieten.

Wir haben um die Originalquellen gebeten, und nicht um Beispiele für die mit hoher Gewissheit entstellende Wiedergabe der Äußerungen in den Senken der Informationsverbreitungssysteme. Derartige Beispiele könnten wir Ihnen sehr wahrscheinlich noch zu hunderten liefern. Entscheidend für den Wahrheitsgehalt einer Information kann doch nicht sein, wie oft eine Meldung wiederholt wird und welcher Ruf Medienunternehmungen nachgesagt wird, die diese Meldungen zu den Informationskonsumenten transportieren.

Sehr geehrter Herr Dr. Hübinger, ihre biographischen Angaben weisen aus, wie weit Ihr Horizont der wissenschaftlichen Auseinandersetzung der Zusammenhänge dieser Welt reicht - Neuere und Mittlere Geschichte, Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Rechtswissenschaften. Bei dem Wissen, das sich damit verbindet, kann es doch nicht angehen, daß Sie die in den Medienapparaten herrschenden Mechanismen übersehen. Ihnen wird doch mit Sicherheit bewußt sein, wie einfach es ist, über die Schaltstellen der Informationsverbreitungssysteme, insbesondere über die Nachrichtenagenturen, Meldungen breit zu streuen - unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt.

Es ist doch undenkbar, daß sich die Politik in weltpolitisch entscheidenden Fragen von Medien abhängig macht. Einer Institution wie der Bundeszentrale für politische Bildung und erst recht der Bundesregierung müssen doch direktere Informationskanäle zur Verfügung stehen. Wäre dem nicht so, hieße das ja, daß Medien und diejenigen, die sich ihrer zu bedienen wissen, die Politik bestimmen könnten. Um es nochmal zu betonen: Es kann ja wohl nicht angehen, daß Medien durch das Wiederholen von Behauptungen bestimmen, was Wahrheit ist.

Wir hatten Sie gebeten, die Recherchen von Jonathan Steele im Guardian bei Ihrer Suche nach Wahrheit zu berücksichtigen. Dem haben Sie in keiner Weise entsprochen. Nach seinen und unseren Recherchen müßte die Äußerung des iranischen Präsidenten etwa wie folgt wiedergegeben werden:
    "Das Besatzungsregime muß von den Seiten der Geschichte verschwinden."
Oder weniger blumig ausgedrückt:
    "Das Besatzungsregime muß Geschichte werden."
Das ist etwas deutlich anderes als das, was Sie behaupten, und beschreibt ein politisches Ziel, um das es allen am Frieden im Nahen Osten Interessieren gehen müßte. Auch wenn Sie Ihre Behauptung tausendfach in den Medien wiedergegeben finden, ist sie deshalb nicht richtiger. Auch die Übersetzung von Memri ist ein Hinweis darauf, daß die Formulierung ‚wipe off the map’ (was ‚dem Erdboden gleichmachen’ oder ‚ausradieren’ bzw. wörtlich übersetzt 'von der Landkarte tilgen' bedeutet) falsch ist. Memri übersetzt folgendermaßen:
    "This regime that is occupying Qods must be eliminated from the pages of history."
Die Memri-Übersetzung enthält zwar den Fehler, daß das aktive Wort 'eliminieren' statt des passiven Wortes 'verschwinden' verwendet wird, ist aber ansonsten ein weiterer Beleg für die eindeutig falsche Wiedergabe des Zitats im überwiegenden Teil der Medien und bei Ihnen.

Besonders infam wird es, wenn dieses falsche Zitat zu der Behauptung ‚weiterentwickelt' wird, der iranische Präsident spreche "von der völligen Zerstörung und Vernichtung des jüdischen Volkes", wie der israelische Premierminister Olmert es tut, um damit den Bogen zu schlagen zur angeblichen atomaren Bedrohung Israels durch den Iran.

Auch in vielen anderen Fällen haben unsere Recherchen ergeben, daß Zitate des iranischen Präsidenten verfälschend wiedergegeben werden. Das gilt auch für seine Äußerungen, aus denen angeblich hervorgeht, er sei ein Holocaust-Leugner und Judenhasser. Nur ein Beispiel: wenn er davon spricht, daß in Zusammenhang mit dem Holocaust ein Mythos geschaffen worden sei, ist das nicht gleichbedeutend mit der Aussage, der Holocaust sei ein Märchen.

Es läßt sich zeigen, daß es im Wesentlichen die Nachrichtenagenturen sind, die die Falschübersetzungen in Umlauf gebracht haben, die seitdem bedenkenlos oder interessengeleitet repetiert werden. Am 26.10.2005 werden in deutschsprachigen Meldungen folgende Formulierungen verwendet: Israel von der Landkarte radieren (AFP), Israel von der Landkarte tilgen (AP, Reuters), Israel ausrotten (DPA). Es ist bekannt, welche Formulierung sich durchgesetzt hat.

Auch als Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung im Bereich 'Aktuelle Politik' möchten wir Sie ansprechen. Als christlich und demokratisch geprägtem Menschen sollten Sie doch auch ein persönliches Interesse daran haben, Feindbildern entgegenzuwirken und kritisches Denken zu fördern. Insofern möchten wir Sie bitten, sich über evt. Zwänge hinwegzusetzen und Fehler einzugestehen.

Die Bundeszentrale verfehlt mit ihrem Verhalten ihre Funktion als politische Bildungseinrichtung, a) weil sie selbst ungeprüft Behauptungen in die Welt setzt; b) die LehrerInnen und SchülerInnen lehrt, ebenso wenig gewissenhaft mit den Tatsachen umzugehen; c) ihre Fehler (es ist durchaus menschlich, Fehler zu machen) nicht korrigiert, wenn sie offensichtlich sind, sondern sie abstreitet. Die Bundeszentrale trägt mit ihrem Vorgehen auf diese Weise dazu bei, daß die LehrerInnen und SchülerInnen sich von der Beschäftigung mit Politik abwenden. Sie wirken entpolitisierend, und bewirken damit das Gegenteil dessen, was Ihr Auftrag ist.

Das darf so nicht sein. Deshalb möchten wir Sie dringend bitten - wenn Sie keine anderen Quellen vorweisen können - sich öffentlich für die Fehldarstellungen zu entschuldigen und sodann die Behauptungen über die Äußerungen und Auffassungen des iranischen Präsidenten zu unterlassen - und zwar, wie wir zwischenzeitlich beispielsweise über die Google-Abfrage "ahmadinedschad landkarte site:bpb.de" gesehen haben, an zahlreichen weiteren Stellen Ihres Angebots im Netz.

Wir erwarten eine inhaltliche Stellungnahme, die auf die Argumentation in unserem Schreiben vom 17.1.2008 und in diesem Schreiben Bezug nimmt.

Ihrer Antwort entgegensehend verbleiben wir mit freundlichen Grüßen
Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

in Kopie an:
Kuratorium der Bundeszentrale für politische Bildung


Der iranische Schlüsselsatz - Ein Übersetzungsfehler macht gefährliche Weltpolitik - Katajun Amirpur in der 'Süddeutschen Zeitung' vom 15./16. März 2008 (Feuilleton, Seite 15)
(Resonanz dazu siehe unten)

Der nachfolgende Artikel der deutsch-persischen Journalistin und Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur bestätigt wesentliche Gedanken, wie wir sie in unserer Korrepondenz mit der Bundeszentrale für politische Bildung zum Ausdruck gebracht haben.

Bekanntlich sind Verschwörungstheorien beliebt im Orient und unter Orientalen. Doch dass zurzeit die Gefahr einer Atommacht Iran, die zudem noch Vernichtungsphantasien gegenüber Israel hegen soll, künstlich heraufbeschworen wird, um einen Militärschlag gegen Iran zu rechtfertigen, ist nicht vollkommen von der Hand zu weisen. Tatsache ist: Die Vernichtungsphantasien, die Iran unterstellt werden, gehen auf einen einzigen Satz zurück: „Israel must be wiped off the map.” Kein Satz wird so häufig mit dem amtierenden Präsidenten Irans, Mahmud Ahmadinedschad, assoziiert wie dieser: Israel muss von der Landkarte radiert werden. Das Problem ist nur – er hat diesen Satz nie gesagt. Ahmadinedschad hat die Worte für „map” und „wipe off” nie benutzt. Die persische Originalversion von Ahmadinedschads Äußerungen über Israel ist weit weniger martialisch als die Übersetzung, die verschiedene Agenturen verbreitet haben und die wiederum auf der englischen Übersetzung des persischen Originals beruht. Um es gleich vorwegzuschicken: Es bleiben immer noch genug Äußerungen übrig, in denen Ahmadinedschad dumm, unverschämt und rassistisch über Israel spricht. Es geht hier nicht darum, Ahmadinedschad zu verteidigen, sondern um die journalistische Redlichkeit. Dazu gehört, auch politische Gegner korrekt zu zitieren – und sei es nur, um politische Optionen realistisch zu beurteilen.

Was also ist passiert? Am 26.10.2005 sprach Ahmadinedschad auf einer Konferenz, die unter dem Motto stand „Die Welt ohne Zionismus”. Es waren im Wesentlichen die großen westlichen Nachrichtenagenturen, die die Übersetzung dieser Passage lieferten: Israel von der Landkarte radieren (AFP), Israel von der Landkarte tilgen (AP, Reuters), Israel ausrotten (DPA).

Ahmadinedschad sagte jedoch wörtlich: „in rezhim-e eshghalgar bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad.” Das bedeutet: „Dieses Besatzerregime muss von den Seiten der Geschichte (wörtlich: Zeiten) verschwinden.” Oder, weniger blumig ausgedrückt: „Das Besatzerregime muss Geschichte werden.” Das ist keine Aufforderung zum Vernichtungskrieg, sondern die Aufforderung, die Besatzung Jerusalems zu beenden.

Ein Zitat Chomeinis

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Übersetzung von Memri, dem Middle East Media Research Institute. Memri wertet arabische und persische Medien aus und übersetzt deren Beiträge. Das Institut, gegründet von einem ehemaligen Offizier des israelischen Militärgeheimdienstes und gewiss keiner pro-iranischen Haltung verdächtig, wird regelmäßig wegen angeblicher Entstellung persischer oder arabischer Zitate angegriffen. In diesem Fall ist die Übersetzung von Memri jedoch weit akkurater als die der Nachrichtenagenturen. Die auf dem Farsi-Text beruhende, von der offiziellen iranischen Nachrichtenagentur Isna veröffentlichte und von Memri herausgegebene Version der Rede vom 26.10.2005 lautet: „This regime that is occupying Qods must be eliminated from the pages of history.” Qods – die Heilige – ist der arabische und auch persische Name für Jerusalem. Die Memri-Übersetzung ist nur ungenau, weil sie das transitive Verb „eliminieren” statt des intransitiven „verschwinden” verwendet – also ein zielgerichtetes, aktives Handeln statt einer ungezielten, passiven Entwicklung. Im Persischen ist mahv shodan jedoch ein intransitives Verb, im Gegensatz zum transitiven eliminieren.

Unter den Tisch gefallen ist auch der Kontext, in dem Ahmadinedschad gesprochen hat. Seine Äußerung war nämlich ein Zitat Chomeinis, und Ahmadinedschad fügte hinzu, dass das israelische Besatzungsregime verschwinden müsse, so wie das Regime des Schah verschwunden sei, wie dies Chomeini einst prophezeit habe. Auch dieser Zusatz macht deutlich, dass Ahmadinedschad nicht die Auslöschung Israels forderte oder die Vernichtung des jüdischen Volkes, sondern einen Regimewechsel. Alles andere wäre in diesem Kontext unsinnig – hieße es doch, Chomeini zu unterstellen, dass er das iranische Volk auslöschen wollte, als er in den siebziger Jahren gegen den Schah opponierte. Ein weiteres Detail unterstreicht, dass Chomeini damals und Ahmadinedschad heute keine Vernichtungsphantasien ventilierten: Chomeini machte seine Bemerkung, dass das Besatzerregime zu verschwinden habe, in den achtziger Jahren. Damals verkaufte Israel Waffen an Chomeinis Iran – ungeachtet der rhetorischen Verteufelung gab es also unter der Hand funktionierende Beziehungen.

Englischsprachige Medien haben übrigens auf die falsche Übersetzung hingewiesen. So schrieb Jonathan Steele bereits am 2. Juni 2006 im Guardian: „Er sprach keine militärische Drohung aus. Er forderte ein Ende der Besatzung Jerusalems, irgendwann in der Zukunft. Die ,page of time‘-Formulierung legt nahe, dass er nicht davon ausging, dies werde bald geschehen. Das beinhaltete nicht, dass Chomeini, als er die Äußerung als Erster machte, oder Ahmadinedschad, als er sie wiederholte, dachte, dass dies bald bevorstünde oder dass Iran eine Rolle dabei spielen würde, es Wirklichkeit werden zu lassen.”

Bedrohung für das eigene Volk

Die Reaktion auf Ahmadinedschads angebliche „wipe off the map”-Äußerung fiel deutlich aus: Der israelische Premierminister Ehud Olmert entwickelte das falsche Zitat zu der Behauptung weiter, der iranische Präsident spreche „von der völligen Zerstörung und Vernichtung des jüdischen Volkes” und schlug den Bogen zur atomaren Bedrohung Israels durch Iran. Die unterstellte atomare Bedrohung ebenso wie die mutmaßliche verbale Drohung können so jederzeit einen Angriff auf Iran rechtfertigen.

Olmerts Argumentation übersieht allerdings zweierlei: Allen geheimdienstlichen Erkenntnissen zufolge sind die Iraner noch weit entfernt vom Bau einer Atombombe (im Gegensatz zu Israel). Und die iranischen Herrscher – man mag von ihnen halten, was man will – würden vermutlich nicht so dumm sein, sie einzusetzen. Zu groß ist ihr Selbsterhaltungstrieb, und sie sind weit weniger ideologisch verbrämt gegenüber Israel als oft angenommen – siehe die Waffengeschäfte mit Israel in den Achtzigern.

Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang auch die verschobene Logik unserer Wahrnehmung. Während der acht Jahre, in denen der Reformer Mohammad Chatami Präsident Irans war, wurden westliche Medien nicht müde, darauf hinzuweisen, dass er keine Reformen durchbringen könnte, weil er als Präsident kaum über Macht verfüge und dass diese in den Händen von Revolutionsführer Chamenei liege. Nun plötzlich scheint dies vergessen zu sein. Und den tatsächlichen und angeblichen Aussagen Ahmadinedschads wird so viel Bedeutung beigemessen, als handle es sich bei ihm als Präsidenten plötzlich um einen Entscheidungsträger ersten Ranges. Der ist jedoch nach wie vor Revolutionsführer Ali Chamenei. Er entscheidet über Krieg und Frieden und hat die Richtlinienkompetenz in der Politik. Chamenei aber bemühte sich wenige Tage nach dem Wirbel um die Äußerungen Ahmadinedschads um Schadensbegrenzung, indem er sagte: „Iran wird gegen keine Nation eine Aggression begehen.” Auch Außenminister Manutschehr Mottaki bemühte sich um Richtigstellung. Nur Ahmadinedschad ließ den Übersetzungsfehler auch auf Nachfrage bestehen.

Die einzige Nation, gegen die das iranische Regime eine Aggression begehen will und begeht, ist folglich die iranische. Denn das iranische Regime ist weit eher eine Bedrohung für die eigene Bevölkerung als für jede andere Nation der Welt.


In der Süddeutschen Zeitung erscheint am 27.3.2008 ein Artikel zum Zweck der Neutralisierung des aufklärenden Artikels von Katajun Amirpur
(Resonanz dazu siehe unten)


Kopf des Artikels von Katajun Amirpur auf der website der Süddeutschen Zeitung

(erst 11 Tage nach Erscheinen online gestellt - ohne Aufmacherbild - ohne die aufschlußreiche Überschrift 'Ein Übersetzungsfehler macht gefährliche Weltpolitik')

Kopf des Artikels von Mariella Ourghi auf der website der Süddeutschen Zeitung

(bereits am Vortag des Erscheinens online gestellt - bevor der Artikel von Katajun Amirpur online gestellt ist - mit einem Feindbild schürenden Aufmacherbild)

In dem in der Süddeutschen Zeitung vom 27.3.2008 erscheinden Artikel mit dem Titel "Agitator des letzten Kampfes. Haarspalterei um Aussage des iranischen Präsidenten" von Mariella Ourghi (sueddeutsche.de) heißt es u.a.:
    Ist der Gegner erst einmal vernichtet, bricht das einzig gerechte Reich des Mahdi an, heißt es in den Überlieferungen. In diesem Zusammenhang erscheint die Aussage des iranischen Präsidenten in einem neuen Licht. Steht Israel die atomare Bedrohung durch Iran bevor?

    In einem Artikel im Feuilleton dieser Zeitung vom 15. März 2008 verwies Katajun Amirpur darauf, dass die Äußerung, Israel müsse von der Landkarte getilgt werden, vom iranischen Präsidenten Ahmadinedschad so nie gemacht worden sei.

    Vielmehr habe er gemeint, das dortige Besatzerregime müsse Geschichte werden. Dankenswerterweise lieferte Amirpur gleich den persischen Originalsatz mit, der da lautet: "In rezhim-e eshghalgar bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad." Der Hauptfehler liege in der Übersetzung des Verbs "mahv shodan".

    In der Tat handelt es sich um ein intransitives Verb, und zwar als Pendant zum transitiven "mahv kardan", was soviel wie "ausrotten, vernichten, tilgen" bedeutet. Doch kann "mahv shodan" auch als Passiv verstanden werden. Konsultiert man ein Wörterbuch Persisch-Deutsch, findet sich als erste Übersetzung von "mahv shodan" "vernichtet werden".

    Es ist also wohl eher Haarspalterei, auf gewisse Übersetzungsungenauigkeiten zu verweisen. An Sinn und Zielsetzung des Satzes ändert es wenig. Dies zum einen.

    Zum anderen bleibt offen, wie denn nach Ahmadinedschads Vorstellung eine israelische Regierung aussehen sollte, die nicht besatzerisch ist. Geht es allein um einen Rückzug der Israelis aus Ost-Jerusalem? Oder aus ganz Jerusalem bei einem Weiterbestehen des restlichen Staatsgebiets Israels?
Es folgt dann eine umfangreiche Passage über die angeblichen Endzeit-Phantasien des iranischen Präsidenten, die dessen Gefährlichkeit suggerieren soll.

Katajun Amirpur richtet an Frau Ourghi und die Redaktion der Süddeuschen Zeitung daraufhin das folgende Schreiben:
    Betreff: Was hat Ahmadinejad denn nun gesagt? Ihr Artikel vom 27.3.2008

    Sehr geehrte Frau Ourghi,

    es reicht nicht immer, nur ein Wörterbuch, den Alavi, zu konsultieren – zumal wenn es sich dabei um ein Wörterbuch handelt, das schon über fünfzig Jahre alt ist und schon in seinem Erscheinungsjahr als umstritten galt. Denn häufig wird darin – wie auch in diesem Fall - nur das ursprüngliche arabische Wort übersetzt, ohne darauf zu achten, welchen Kontext dieses Wort annimmt, wenn es zusammen mit den persischen Hilfsverben shodan oder kardan verwendet wird.

    Als Quelle würde ich Ihnen künftig das Farhang-e bozorg-e sokhan, ein persisch-persisches Wörterbuch von Hassan Anvari empfehlen. Es hat den entscheidenden Vorteil, dass es das Sprachgefühl der heute lebenden Iraner wiedergibt. Dort findet sich der Hinweis, mahv shodan sei masdar-e lazem, was – ich vermute, ich brauche Ihnen das nicht zu erklären – „intransitiver Infinitiv“ bedeutet. Anvari gibt auch die Synonyme für mahv shodan wieder: az beyn raftan und pak shodan, die allesamt gleichfalls intransitiv sind.

    Weil shodan im Persischen auch als Hilfsverb für Passivkonstruktionen verwendet wird, kommt es des öfteren vor, dass, wer kein Sprachgefühl besitzt, alle mit shodan gebildeten Konstruktionen für Passivkonstruktionen hält. Dem ist jedoch nicht so. Es gibt auch Konstruktionen mit shodan, die dem so zusammengesetzten Verb einen intransitiven Sinn verleihen – wie auch in unserem Fall. Und genau deshalb heißt mahv shodan ‚verschwinden’ und nicht ‚vernichtet werden’.

    Anbei auch noch ein link zu einem amerikanischen Nahostwissenschaftler, Juan Cole, der diese Aussage bestätigt. (http://www.juancole.com/2006/06/steele-on-ahmadinejad-of-arenas-of.html)

    Erstaunlich überdies, dass Sie sämtliche meiner Hinweise auf den Kontext der Ahmadinejad-Äußerung, die eigentlich deutlich machen, wie der Satz zu übersetzen ist, so geflissentlich übergehen, um dann in epischer Breite auf Ahmadinejads absurden Mahdi-Rekurs einzugehen, dessen gleichzeitig in Ihren Augen relative Ungefährlichkeit Sie mit dem Hinweis auf die von mir erwähnte relative Unwichtigkeit Ahmadinejads in der Hierarchie der iranischen Politik belegen.

    Davon abgesehen kann ich nur sagen: wenn solche Übersetzungen als Legitimation von Angriffskriegen dienen könnten, kann ich es mir und Ihnen nicht ersparen, mich in Haarspaltereien zu ergehen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Katajun Amirpur
Aufschlußreich ist noch: der Artikel von Mariella Ourghi ist in eine kommentierte Link-Liste der Bundeszentrale für politsche Bildung aufgenommen worden, der von Katajun Amirpur nicht.

Die Ausführungen von Mariella Ourghi lesen sich zunächst so, als würden sie die Recherchen von Katajun Amirpur widerlegen. Das ist aber keineswegs der Fall. Der einzige Dissens besteht darin, daß Katajun Amirpur eine intransitive Konstruktion für korrekt hält und Mariella Ourghi der Auffassung ist, es sei auch die transitive Konstruktion denkbar. Ansonsten gibt es bei Mariella Ourghi keinen - zumindest keinen fundierten - Widerspruch.

Es geht also lediglich um die Frage, ob Wörter wie 'verschwinden' oder aber auch wie 'beseitigen' die korrektere Übersetzung darstellen. Das, was Mariella Ourghi für richtig hält, entspricht ziemlich genau der Übersetzung von memri: "This regime that is occupying Qods must be eliminated from the pages of history" (Dieses Regime, das Jerusalem besetzt hält, muß von den Seiten der Geschichte beseitigt werden). Selbst wenn Mariella Ourghi Recht hätte, wäre die entsprechende Übersetzung in einer schlichteren Form also in etwa:
    "Das israelische Besatzungsregime muß beseitigt werden."
Auch das ist angesichts der Mißachtung von Völker- und Menschenrecht durch den Staat Israel gegenüber der palästinensischen Bevölkerung eine berechtigte Forderung und hat nichts gemein mit der angeblichen Drohung, das jüdische Volk (durch Atomwaffen) vernichten zu wollen. Die Beseitigung eines Regimes ist eine Forderung, wie sie z.B. auch angesichts des Apartheid-Regimes in Südafrika vollkommen angemessen gewesen war. Eine Veränderung des Gesellschaftssystems war im Fall Südafrika nicht ohne Druck von außen erreichbar, und ist es im Fall Israel offensichtlich auch nicht.

Alle weiteren Überlegungen, die Mariella Ourghi anstellt, sagen nichts aus hinsichtlich der Frage, ob der von Mahmud Ahmadinedschad formulierte Satz richtig oder falsch übersetzt ist.


Ergänzendes Schreiben vom 31.3.2008 in Sachen Petition an den Deutschen Bundestag (Pet 1-16-06-2002-034492)

An den
Deutschen Bundestag
Petitionsausschuss
Platz der Republik 1
11011 Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren des Petitionsausschusses,

wir möchten Sie darüber in Kenntnis setzen, daß die Bundeszentrale für politische Bildung auf unsere Anfrage vom 17.1.2008 am 26.2.2008 reagiert hat und wir darauf mit Datum vom 3.3.2008 geantwortet haben (siehe Anlagen).

Das bedeutet aber keineswegs, daß damit unsere Petition hinfällig geworden wäre. Die Reaktion der Bundeszentrale ist unzureichend und besagt nur, daß die Falschdarstellungen ohne jede Überprüfung aus den Medien übernommen sind.

Daß es sich eindeutig um Falschdarstellungen handelt, ist u.a. auch einem Artikel der Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur in der Süddeutschen Zeitung vom 15./16.3.2008 zu entnehmen. Katajun Amirpur macht deutlich, daß die von den Nachrichtenagenturen verbreiteten Übersetzungen - Israel von der Landkarte radieren (AFP), Israel von der Landkarte tilgen (AP, Reuters), Israel ausrotten (DPA) - eindeutig falsch sind. Korrekt ist eine Übersetzung wie: "Dieses Besatzerregime muss von den Seiten der Geschichte (wörtlich: Zeiten) verschwinden." Oder, weniger blumig ausgedrückt: "Das Besatzerregime muss Geschichte werden." Das sei - so Katajun Amirpur - keine Aufforderung zum Vernichtungskrieg, sondern eine Aufforderung zum Beenden der israelischen Besatzung. (siehe Anlage)

Auch ein weiterer Artikel, der am 27.3.2008 in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist und möglicherweise dazu gedacht ist, die Ausführungen von Katajun Amirpur zu relativieren, ändert im Kern nichts an deren Klarstellung. Es geht in dem Artikel vom 27.3. im Wesentlichen lediglich um die Frage, ob statt 'verschwinden' ein Wort wie 'beseitigen' für die Übersetzung in Betracht kommt. (siehe Anlage)

Von daher sind die von den Nachrichtenagenturen in Umlauf gebrachten und von der Bundeszentrale weiterverbreiteten Formulierungen eindeutig als falsch zu betrachten. Wir müssen deshalb unsere Petition aufrechterhalten.

In einer leicht abgewandelten Form muß sie nun lauten:
    Die Beschwerde betrifft das von der Bundeszentrale für Politische Bildung im Internet unter der Adresse http://www.bpb.de/themen/GX51KQ,0,0,Antisemitismus.html veröffentlichte Antisemitismus-Dossier sowie weitere Veröffentlichungen im web-Auftritt der Bundeszentrale.

    Die Bundeszentrale für Poltische Bildung verbreitet Auffassungen und Aussagen, die sie dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad zuschreibt, die dieser aber mit sehr großer Sicherheit (so) nicht teilt bzw. nicht geäußert hat, und deren falsche Wiedergabe geeignet ist, das Feindbild Iran zu schüren, damit einem Krieg gegen dieses Land Vorschub zu leisten und so die Sicherheit der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden.

    Aus unserer Anfrage vom 17.1.2008 geht hervor, was die Bundeszentrale dem iranischen Präsidenten im einzelnen unterstellt, ohne es zu belegen:

    • er wolle Israel von der Landkarte tilgen
    • er hege Hass gegenüber den Juden
    • er betreibe eine konsequente Leugnung und Relativierung des Holocaust

    In § 2 des Erlasses über die Bundeszentrale für politische Bildung vom 24.01.2001 heißt es: „Die Bundeszentrale hat die Aufgabe, durch Maßnahmen der politischen Bildung Verständnis für politische Sachverhalte zu fördern, das demokratische Bewusstsein zu festigen und die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit zu stärken". Dieser Aufgabe kommt die Bundeszentrale in der von uns geschilderten Sache nicht nach.

    Sie legt über die ihren Behauptungen zugrunde liegenden Original-Quellen gegenüber den Anfragenden - trotz mehrfacher Nachfragen - keine Rechenschaft ab. Dadurch sehen wir uns in unserer "Bereitschaft zur politischen Mitarbeit" (§ 2) behindert.

    Wir fordern, daß die Bundeszentrale für Politische Bildung die Feindbild schürenden Behauptungen über Äußerungen und Auffassungen des iranischen Präsidenten öffentlich richtig stellt und daraufhin unterläßt sowie ihren Publikationen generell einen sachlichen und nicht kriegstreibend-aggressiven Charakter gibt.

    Der Erlass über die Bundeszentrale für politische Bildung vom 24.1.2001, §2 (Die Bundeszentrale hat die Aufgabe, durch Maßnahmen der politischen Bildung Verständnis für politische Sachverhalte zu fördern, das demokratische Bewusstsein zu festigen und die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit zu stärken) ist zu ergänzen um den Satz: "Sie darf dabei keine interessengeleitete, insbesondere kriegstreibende Darstellung verbreiten."
Mit freundlichen Grüßen
Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann


Unser Schreiben vom 3.4.2008 an die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb-Aktenzeichen FBA 3144/01)

Sehr geehrter Herr Krüger, sehr geehrter Herr Dr. Hübinger, sehr geehrter Herr Schilling,

wir möchten Sie dringend bitten, uns die noch ausstehende Antwort auf unser Schreiben vom 3.3.2008 zukommen zu lassen. Sie haben uns (zweifelhafte) Quellen in den Medien genannt. Sie verweigern uns aber weiterhin die Nennung der Original-Quellen. Wir müssen deshalb davon ausgehen, daß Original-Quellen, die Ihre Behauptungen rechtfertigen würden, nicht existieren. Es obliegt Ihnen - wenn Sie Behauptungen aufstellen - diese zu belegen. Da Sie dies nicht tun, ist davon auszugehen, daß Ihre Behauptungen falsch sind.

Zudem sind - wie Ihnen nicht entgangen sein dürfte - zwei Artikel von sprachkundigen Wissenschaftlerinnen in der 'Süddeutschen Zeitung' (Katajun Amirpur am 15./16.3.2008 und Mariella Ourghi am 27.3.2008) erschienen.

Es ist der Artikel der Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur in der Süddeutschen Zeitung vom 15./16.3.2008, der deutlich macht, daß die von den Nachrichtenagenturen verbreiteten Übersetzungen - Israel von der Landkarte radieren (AFP), Israel von der Landkarte tilgen (AP, Reuters), Israel ausrotten (DPA) - und damit die von Ihnen wiedergegebene Übersetzung, die genau der AP/Reuters-Version entspricht und somit nicht als Paraphrase gelten kann, eindeutig falsch sind. Korrekt ist eine Übersetzung wie: "Dieses Besatzerregime muss von den Seiten der Geschichte (wörtlich: Zeiten) verschwinden." Oder, weniger blumig ausgedrückt: "Das Besatzerregime muss Geschichte werden." Das ist - so Katajun Amirpur - keine Aufforderung zum Vernichtungskrieg, sondern eine Aufforderung zum Beenden der israelischen Besatzung, also zum Beenden eines Unrechts.

Auch der zweite Artikel, von Mariella Ourghi, der am 27.3.2008 in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist und möglicherweise dazu gedacht ist, die Ausführungen von Katajun Amirpur zu relativieren, ändert im Kern nichts an deren Klarstellung. Es geht bei Mariella Ourghi im Wesentlichen lediglich um die Frage, ob statt 'verschwinden' ein Wort wie 'beseitigen' (des Besatzungszustandes) für die Übersetzung in Betracht kommt. Mit einer solchen Annahme befindet sich Mariella Ourghi allerdings auch im Widerspruch zu dem amerikanischen Nahostwissenschaftler Juan Cole, der dieser Frage explizit nachgegangen ist (http://www.juancole.com/2006/06/steele-on-ahmadinejad-of-arenas-of.html). Alle weiteren Überlegungen, die Frau Ourghi anstellt, sagen nichts aus hinsichtlich der Frage, ob der von Mahmud Ahmadinedschad formulierte Satz richtig oder falsch übersetzt ist.

Damit ist die Sachlage klar. Die Behauptung, Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad habe geäußert, er wolle Israel von der Landkarte tilgen - eine Behauptung, aus der eine militärische Bedrohung für Israel abgeleitet wird - ist eindeutig falsch. Wir erwarten daher, daß Sie die Feindbild schürenden Behauptungen über Äußerungen und Auffassungen des iranischen Präsidenten öffentlich richtig stellen, sich für die Falschdarstellung öffentlich entschuldigen und generell Ihren Publikationen einen sachlichen und nicht kriegstreibend-aggressiven Charakter geben. Desweiteren fordern wir Sie auf, die Erkenntnisse der Bundesregierung und unseren internationalen Bündnispartnern (insbesondere den USA und Israel) zukommen zu lassen.

In Anbetracht der weltpolitischen Wichtigkeit der Sache erwarten wir die umgehende Korrektur der Falschdarstellung sowie Ihre Stellungnahme, spätestens bis zum 15.4.2008.

Mit freundlichen Grüßen
Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

in Kopie an:
Kuratorium der Bundeszentrale für politische Bildung
Wissenschaftlicher Beirat der Bundeszentrale für politische Bildung


Antwort von Dr. Bernd Hübinger vom 8.4.2008
(bpb-Aktenzeichen FBA 3144/01)

(Resonanz dazu siehe unten)

Ihr Schreiben vom 3.4.2008 und Ihre Petition vom 14.2.2008

Sehr geehrte Frau Fikentscher, sehr geehrter Herr Neumann,

hiermit bestätigen wir Ihnen den Eingang Ihres Schreibens vom 3.4.2008.

Unsere Antwort ist identisch mit dem entsprechenden Wortlaut in der Stellungnahme, die der Leiter der Abteilung G des BMI, Herr Dr. Kerber, am 3.4.08 bezüglich Ihrer Petition abgegeben hat. Wir wurden heute aufgefordert, Sie hierüber zu unterrichten und tun dies hiermit.

Da die Bundeszentrale für politische Bildung das Kontroversitätsgebot für die politische Bildung (was kontrovers ist, soll auch kontrovers wiedergegeben werden) auch in diesem Fall ernst nimmt, sieht sie es aufgrund dieser öffentlichen Debatte nunmehr als sinnvoll an, das in Rede stehende Online-Dossier in folgender Form zu ergänzen:
  • Einstellung einer offiziellen Übersetzung des in dem Dossier aufgrund von Nachrichtenagentur-Meldungen in indirekter Rede wiedergegebenen Zitats durch den Sprachendienst des Deutschen Bundestages oder des Auswärtigen Amtes,
  • kurze Darstellung der Kontroverse um die Übersetzung des Zitats,
  • Einstellung eines als solchen gekennzeichneten Meinungsartikels zu der Auseinandersetzung um diese Fragen.
Die Ergänzungen werden nach heutiger Einschätzung bis Ende April 2008 eingestellt werden können.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bernd Hübinger
(Fachabteilungsleiter/Stellvertreter des Präsidenten)


Schreiben des Petitionsausschusses vom 18.4.2008
(Pet 1-16-06-2002-034492)


Sehr geehrter Herr Neumann,

zu Ihrer Petition ist eine Stellungnahme des Bundesministeriums des Innern eingeholt worden. Eine Zweitschrift dieser Stellungnahme ist als Anlage mit der Bitte um Kenntnisnahme beigefügt.

Die Ausführungen des Fachministeriums sind sachgerecht und sind aus Sicht des Ausschussdienstes des Petitionsausschusses nicht zu beanstanden.

Ich bitte um Mitteilung, ob und ggf. mit welchen Zielen Sie unter Berücksichtigung der gegebenen Informationen eine weitere parlamentarische Prüfung wünschen. Sollte ich nichts von Ihnen hören, gehe ich davon aus, dass Ihre Eingabe als erledigt angesehen werden kann.

Mit freundlichen Grüßen
(Wolfgang Dierig)


Anlage: Schreiben des Bundesinnenministeriums (Dr. Markus Kerber) vom 3.4.2008, gerichtet an den Petitionsausschuss

Zu den Ausführungen des Petenten, Herrn Andreas Neumann, der zugleich für Frau Fikentscher handelt, nehme ich wie folgt Stellung:

Herr Neumann möchte mit seiner Beschwerde erreichen, dass die Bundeszentrale für politische Bildung die an sie gerichtete Anfrage des Petenten vom 17.01.2008 inhaltlich beantwortet und ggf. die aus Sicht des Petenten falsche Wiedergabe von Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad öffentlich richtig stellt.

Jegliche Korrespondenz von Herrn Neumann und die jeweiligen Antwortschreiben werden von dem Petenten unverzüglich online gestellt.

Die BpB hatte Herrn Neumann auf seine Mail vom 17.1.08 zunächst nicht geantwortet, da sie die Zuschrift als nicht sachlich, sondern politisch propagandistisch gedeutet hatte. In einem Antwortschreiben auf ein zweites Emailschreiben vom 20.2.2008 führte die BpB am 26.2.2008 aus, dass das kritisierte Online-Dossier mit der von Herrn Neumann als „gefälscht" bezeichneten Formulierung im Einklang mit der Darstellung in diversen seriösen Medien (Spiegel, Tagesschau, FAZ, etc.) stehe. Das hierauf erfolgte Antwortschreiben von Frau Fikentscher und Herrn Neumann vom 3.3.2008, das die Berufung auf Nachrichtenagenturen als Quelle als "mit hoher Gewissheit entstellend" kritisiert, wurde nicht mehr beantwortet. Die von dem Petenten selbst angeführte Memri-Übersetzung des inkriminierten Satzes lautet: „This regime that is occupying Qods must be eliminated from the pages of history." Paraphrasiert wurde diese Äußerung häufig mit: „Israel muss von der Landkarte verschwinden." Der iranische Präsident hat sich nicht von dieser und ähnlichen Wiedergaben seiner Rede vom Oktober 2005 distanziert.

Die Bundesregierung hat in der Vergangenheit ihre Haltung zu den wiederholt gemachten Äußerungen iranischer Verantwortungsträger, insbesondere des iranischen Staatspräsidenten, zum Holocaust und zum Existenzrecht des Staates Israel kontinuierlich öffentlich dargelegt. Sie tut dies auch im Verbund mit den europäischen Partnern. Das Thema Iran ist regelmäßig auch vom Europäischen Rat und vom Allgemeinen Rat der Europäischen Union angesprochen worden. Die Schlussfolgerungen beider Gremien, in denen die Haltung aller Mitgliedsstaaten der Europäischen Union deutlich wird, finden Sie auf folgenden Webseiten:

http://europa.eu/european council/conclusions/index de.htm
und http://www.consilium.europa.eu/ unter „Ratsformation", „Allgemeine Angelegenheiten und Außenpolitik", „Pressemitteilungen"

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft hat zudem in einer Erklärung vom 05. Juni 2007 Äußerungen des iranischen Staatspräsidenten klar verurteilt und Iran aufgefordert, jegliche Drohungen gegen Israel zu unterlassen und das Existenzrechts Israels anzuerkennen.

Auch die Vereinten Nationen und ihr Generalsekretär haben sich mehrfach in diesem Sinne geäußert und jedwede Drohungen gegen Israel verurteilt.

In jüngster Zeit ist in Deutschland eine öffentliche Debatte über die genaue Übersetzung und mediale Vermittlung des einen, oben zitierten Satzes des iranischen Präsidenten entstanden. Da die Bundeszentrale das Kontroversitätsgebot für die politische Bildung (was kontrovers ist, soll auch kontrovers wiedergegeben werden) auch in diesem Fall ernst nimmt, sieht sie es aufgrund dieser öffentlichen Debatte nunmehr als sinnvoll an, das in Rede stehende Online-Dossier in folgender Form zu ergänzen:
  • Einstellung einer offiziellen Übersetzung des in dem Dossier auf Grundlage von Nachrichtenangentur-Meldungen in indirekter Rede wiedergegebenen Zitats durch den Sprachendienst des Deutschen Bundestages oder des Auswärtigen Amtes,
  • kurze Darstellung der Kontroverse um die Übersetzung des Zitats,
  • Einstellung eines als solchen gekennzeichneten Meinungsartikels zu der Auseinandersetzung um diese Fragen.
Die Ergänzungen werden nach heutiger Einschätzung bis Ende April 2008 eingestellt werden können. Die Bundeszentrale wird aufgefordert, den Petenten hierüber zu informieren.

Im Auftrag
Dr. Kerber


Die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht mit Datum vom 22.4.2008 die 'offizielle' Übersetzung

Die Bundeszentrale für politische Bildung kommt der über den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages erwirkten Aufforderung nach,
  • eine offizielle Übersetzung erstellen zu lassen
  • die Kontroverse um die Übersetzung des Zitats des iranischen Präsidenten darzustellen
  • einen Meinungsartikel zur Auseinandersetzung zu veröffentlichen
und hat entsprechend die Rubrik 'Debatte um die Positions Irans' eingerichtet: (http://www.bpb.de/themen/5FGZGI,0,Debatte_um_die_Position_Irans.html).

Desweiteren hat sie auch die einleitenden Formulierungen zu ihrem Antisemitismus-Dossier verändert: (http://www.bpb.de/themen/GX51KQ,0,0,Antisemitismus.html).

Der Sprachendienst des Deutschen Bundestages gelangt hinsichtlich des entscheidenden Satzes zu folgender Übersetzung (http://www.bpb.de/themen/MK6BD2.html):
    "Unser lieber Imam [Khomeini] sagte auch: Das Regime, das Jerusalem besetzt hält, muss aus den Annalen der Geschichte [safha-yi rozgar] getilgt werden. In diesem Satz steckt viel Weisheit."
Damit sind von drei Fehlern, die in dem kurzen Satz steckten, zwei bereinigt. Aus 'Israel' ist 'das Regime, das Jerusalem besetzt hält' geworden und aus 'Landkarte' ist 'Annalen der Geschichte' geworden. Was geblieben ist, ist das transitive (aktive) 'tilgen', das nach den Erkenntnissen von Jonathan Steele, Juan Cole und Katajun Amirpur zu 'verschwinden' hätte werden müssen.

Aber die Wendung 'von der Landkarte tilgen', die im englischen Sprachraum mit 'wipe off the map' kursiert und im übertragenen Sinne die Bedeutung von 'dem Erdboden gleichmachen' oder 'ausradieren' hat, ist damit als eindeutig falsche Übersetzung entlarvt.

Zu kritisieren bleibt insbesondere, daß zwei kommentierende Texte, die ergänzend auf die website der Bundeszentrale gesetzt worden sind, alles andere als wissenschaftlich und objektiv zu bezeichnen sind. Sie stammen von zwei Autoren aus dem Kreis der USA-Israel-Lobby, von Henryk M. Broder (Spiegel-Autor und Betreiber der website, die er 'Achse des Guten' getauft hat) und Matthias Küntzel (der den so genannten 'Antideutschen' nahe steht).


Unser Antwortschreiben an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages vom 25.4.2008
(Resonanz dazu siehe unten)

Sehr geehrte Damen und Herren des Petitionsausschusses, sehr geehrter Herr Dierig,

wir möchten uns sehr für Ihre freundliche Antwort und die Weiterleitung des Schreibens von Herrn Dr. Kerber bedanken. Auch wissen wir es zu würdigen, daß eine Übersetzung vom Sprachendienst des Deutschen Bundestags vorgenommen worden ist und die Bundeszentrale für politische Bildung aufgefordert wurde, ihre website zu ergänzen, und dem auch nachgekommen ist. Dessen ungeachtet bleiben aber immer noch Fragen offen.

Zunächst seien zwei Punkte aus dem Schreiben von Herrn Dr. Kerber richtiggestellt:
  • Am 20.2.2008 haben wir keine eMail verschickt, sondern Briefpost an die Bundeszentrale sowie die Mitglieder des Kuratoriums des Bundestages. Daraufhin haben sich einzelne Bundestagsabgeordnete an die Bundeszentrale mit der Aufforderung gewandt, uns zu antworten.

  • An keiner Stelle in unserer Korrespondenz mit der Bundeszentrale und dem Petitionsausschuss verwenden wir das Wort 'gefälscht'. An einer Stelle schreiben wir (in unserem an die Bundeszentrale gerichteten Brief vom 3.3.2008) von einer verfälschenden Übersetzung. Das ist nicht dasselbe. Es liegt allerdings nicht außerhalb unserer Vorstellungskraft, daß Äußerungen des iranischen Präsidenten bewußt gefälscht worden sein könnten. Es wäre bei der geringen Zahl von Nachrichtenagenturen für Geheimdienste sicher nicht besonders schwierig, entsprechend einzuwirken. Aber behauptet haben wir das nicht.
Desweiteren müssen wir in folgenden Punkten den Ausführungen von Herrn Dr. Kerber widersprechen:
  • Die Darstellung, daß es sich bei der Formulierung „Israel von der Landkarte tilgen“ um eine Paraphrase handelt, ist eindeutig falsch. Die Bundeszentrale verweist selber auf den 'Spiegel' (als 'seriöse' Quelle), in dem die Formulierung als Zitat ausgewiesen ist („Wie der Imam sagte, muss Israel von der Landkarte getilgt werden“, lauteten dessen Worte.). Die Formulierung ist darüber hinaus in einer großen Zahl weiterer Veröffentlichungen als Zitat ausgewiesen. Ein Beispiel ist die Reuters-Meldung vom 26.10.2005, in der es wörtlich heißt: „Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat am Mittwoch zur Zerstörung Israels aufgerufen. ‚Israel muss von der Landkarte getilgt werden’, sagte er...“. „Israel muss von der Landkarte getilgt werden“ ist also eindeutig als Zitat ausgewiesen. Von Paraphrase kann nicht die Rede sein. Selbst wenn es sich um eine Paraphrase handeln sollte, müßte es sich dabei um eine sinngemäße Wiedergabe handeln. Wie insbesondere die Ausführungen von Katajun Amirpur in der Süddeutschen Zeitung zeigen, würde es sich aber eindeutig um eine sinnentstellende Wiedergabe handeln.

  • Im Schreiben von Herrn Dr. Kerber wird von einer öffentlichen Debatte um das eine Zitat gesprochen, und es wird der Eindruck erweckt, als gäbe es zahlreiche weitere Äußerungen des iranischen Präsidenten, die ähnliche Aussagen transportieren. Auch das kann nicht als gesichert gelten. Ein Beispiel: Am 12.12.2006 hat der iranische Präsident laut IRNA gesagt: "So wie die Sowjetunion verschwunden ist, wird auch das zionistische Regime verschwinden, und die Menschheit wird befreit sein." Daraus wird in einer AP-Meldung vom 12.12.2006: "Israel wird ausgelöscht wie einst die Sowjetunion." Und ein weiteres Beispiel zum Thema Holocaust: Bei n24 wird am 14.12.2005 eine Äußerung des iranischen Präsidenten wie folgt wiedergegeben: "Sie haben im Namen des Holocaust einen Mythos geschaffen und schätzen diesen höher als Gott." Bei DPA dagegen wird aus dem Mythos, der im Namen des Holocaust geschaffen wurde, ein "Märchen vom Massaker an den Juden". Das ist etwas vollkommen anderes. Auch in diesen Fällen besteht kein Zweifel daran, daß die Übersetzungen stark voneinander abweichen und also jeweils eine der Übersetzungen falsch sein muß. (weitere Beispiele für ungesicherte Quellenlage in der Anlage)

  • Für keine der von der Bundeszentrale erhobenen Behauptungen (der iranische Präsident wolle Israel von der Landkarte tilgen, er hege Hass gegenüber den Juden, er betreibe eine konsequente Leugnung und Relativierung des Holocaust) liegen gesicherte Quellen vor. Was den Holocaust betrifft, existieren Zitate, die belegen, daß der iranische Präsident darin sehr wohl ein Verbrechen besonderer Schwere sieht. Was er allerdings tut, ist, das Vorgehen Israels gegen die palästinensische Bevölkerung ebenfalls als Holocaust zu bezeichnen, was den Äußerungen des israelischen Historikers Ilan Pappe, der von ethnischer Säuberung spricht, und den Äußerungen von Ellen Rohlfs, Mitglied von Gush Shalom, die von einem schleichenden Völkermord spricht, nahe kommt. Und er kritisiert die Instrumentalisierung des Holocaust für die Verbrechen an der palästinensischen Bevölkerung, ähnlich wie der US-amerikanische Autor Norman Finkelstein dies tut. Für die Behauptung, der iranische Präsident bringe Hass gegen (die Religionsgemeinschaft der) Juden zum Ausdruck, ist uns kein einziges Zitat bekannt.

  • Im Schreiben von Herrn Dr. Kerber werden Stellungnahmen von EU und UN erwähnt. Es muß schon als dramatisch angesehen werden, daß diese Stellungnahmen auf einer ungesicherten Quellenlage basieren und davon ausgehend politisch und möglicherweise sogar militärisch gehandelt wird oder gehandelt zu werden droht.
Es bleiben folgende Forderungen unsererseits offen:
  • Die Bundeszentrale muß die Originalquellen für alle ihre Behauptungen hinsichtlich der Äußerungen und Auffassungen des iranischen Präsidenten liefern (er wolle Israel von der Landkarte tilgen, er hege Hass gegenüber den Juden bzw. sei ein Antisemit, er betreibe eine konsequente Leugnung und Relativierung des Holocaust). Derjenige, der eine Behauptung aufstellt, muß sie belegen.

  • Insbesondere die Formulierung "Israel von der Landkarte tilgen" findet auf der website der Bundeszentrale wiederholt Verwendung. Die Korrekturen sind also an allen diesen Stellen auf der website vorzunehmen.

  • Sie gehen nicht auf unsere Forderung ein, den Erlass über die Bundeszentrale für politische Bildung vom 24.1.2001, §2 (Die Bundeszentrale hat die Aufgabe, durch Maßnahmen der politischen Bildung Verständnis für politische Sachverhalte zu fördern, das demokratische Bewusstsein zu festigen und die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit zu stärken) um den Satz "Sie darf dabei keine interessengeleitete, insbesondere kriegstreibende Darstellung verbreiten" zu ergänzen. Das möchten wir Sie bitten nachzuholen.
Eine Beschwerde gegen Artikel in der neu geschaffenen Rubrik ‚Debatte um die Position Irans’ behalten wir uns vor. Es sei hier nur schon darauf hingewiesen, dass in dieser Rubrik fragwürdige Personen ihre Positionen verbreiten können. Insbesondere ist darunter eine Person, die der rechtsextremen Gruppierung der ‚Antideutschen’ nahe steht.

Mit freundlichen Grüßen
Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Kopien:
Bundesministerium des Innern, Dr. Markus Kerber Abteilungsleiter G
Bundeszentrale für politische Bildung
Kuratorium der Bundeszentrale für politische Bildung
Wissenschaftlicher Beirat der Bundeszentrale für politische Bildung


Anlage: Weitere Beispiele für die ungesicherte Quellenlage zu Äußerungen des iranischen Präsidenten, wie sie teilweise auf der BpB-website wiedergegeben sind:

In einer Meldung von n24 vom 14.12.2005 heißt es (ähnlich einer IRNA-Meldung):
    "'Sie haben im Namen des Holocaust einen Mythos geschaffen und schätzen diesen höher als Gott, die Religion und die Propheten', sagte der iranische Staatschef."
Dagegen lautet es in einer DPA-Meldung vom 14.12.2005:
    "Der iranische Präsident Machmud Ahmadinedschad hat seine Verbalattacken gegen Israel und den Westen verschärft und den Holocaust geleugnet. Statt die israelischen Angriffe gegen die Palästinenser zu thematisieren, 'widmet sich der Westen dem Märchen vom Massaker an den Juden', sagte Ahmadinedschad am Mittwoch [...]"
Gemäß Henryk M. Broder auf der website der Bundeszentrale in der Rubrik ‘Debatte um Position Irans’:
    "...später wiederholte der iranische Präsident seinen Vorschlag und erklärte, der "Mythos vom Massaker an den Juden" sei von den westlichen Staaten erfunden worden."
Irans Präsident Ahmadinedschad am 14.4.2006 gemäß der iranischen Nachrichtenagentur IRNA:
    "The young tree of resistance in Palestine is blooming and blooms of faith and desire for freedom are flowering. The Zionist regime is a decaying [vermodernder, vergehender, zugrunde gehender] and crumbling [zerbröckelnder] tree [Baum] that will fall with a storm."
'abcnews' macht daraus am 15.4.2006:
    „Iran Leader: Israel Will Be Annihilated“ (Irans Führer: Israel wird vernichtet werden)
Und in einer AFP-Meldung vom 14.4.2006 wird daraus:
    "Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat dem Staat Israel mit der Vernichtung gedroht. Der jüdische Staat sei 'auf dem Weg zur Vernichtung'."
Ein Regime (das gegen westliche Rechts- und Wertvorstellungen handelt) als todkrank zu beschreiben, bedeutet nicht, dem Staat, in dem dieses Regime herrscht, die Vernichtung anzudrohen.

Gemäß IRNA heißt es am 28.4.2006 über Irans Präsidenten bei Ablauf eines UN-Ultimatums:
    "Er sagte, Atomenergie sei ein unabdingbares Recht und eine nationale Erfordernis des iranischen Volkes [...] Auf die politischen Spielchen und Verschwörungen der Feinde von Irans Zugang zu friedlicher Atomenergie weisend, ergänzte [er], die iranische Nation werde solchen Resolutionen keine Beachtung schenken. Er sagte, der Iran sei ein Zentrum des Friedens und der Ruhe, und betonte dabei: 'Wir fordern Frieden und Ruhe für alle Staaten. Wir haben kein Land angegriffen und sind nicht als eine Bedrohung für die Welt zu betrachten. Die iranische Nation ist unabhängig.'"
Reuters macht daraus:
    "'Wer die Iraner daran hindern will, ihr Recht in Anspruch zu nehmen, sollte wissen, dass wir uns einen Dreck um solche Resolutionen scheren', zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur Irna."
Und bei AP wird daraus:
    "Keine UN-Resolution könne Teheran zur Einstellung der Urananreicherung bringen [...] 'Die iranische Nation schert sich einen Teufel um unnütze Resolutionen', erklärte Ahmadinedschad." (AP englischsprachig: "The Iranian nation won't give a damn about such useless resolutions.")
Am 12.12.2006 hat der iranische Präsident laut IRNA gesagt:
    "So wie die Sowjetunion verschwunden ist, wird auch das zionistische Regime verschwinden, und die Menschheit wird befreit sein." ("As the Soviet Union disappeared, the Zionist regime will also vanish and humanity will be liberated.")
Daraus wird in einer AP-Meldung vom 12.12.2006:
    "Israel wird ausgelöscht wie einst die Sowjetunion."
Gemäß Memri sagt Irans Präsident am 20.2.2008 nach dem Mord an einem Hisbollah-Kommandanten:
    „They have created a filthy black germ [schmutziger Keim], known as the Zionist regime, in order to set it loose on the peoples of the region, like a wild beast, and in order to use it as a pretext to impose their policy on the peoples of the region.”
Gemäß Matthias Küntzel auf der website der Bundeszentrale in der Rubrik ‘Debatte um Position Irans’:
    "Sie haben eine schwarze und dreckige Mikrobe – mit Namen ‘zionistisches Regime‘ – geschaffen um sie wie ein wildes Tier auf die Völker der Nation loszulassen“



Korrespondenz mit Lale Akgün, MdB, SPD (Mitglied des Kuratoriums der Bundeszentrale für politische Bildung)

Schreiben an Lale Akgün vom 3.3.2008

Sehr geehrte Frau Dr. Akgün,

anbei erhalten Sie die Antwort von Herrn Dr. Hübinger auf unsere Anfrage vom 17.1.2008 sowie unsere Erwiderung darauf, mit der wiederholten Bitte, sich in dieser Sache einzuschalten und mit uns die Klärung bzw. Richtigstellung zu verlangen.

Mit freundlichen Grüßen
Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Reaktion von Lale Akgün vom 14.3.2008

Sehr geehrte Frau Fikentscher, sehr geehrter Herr Neumann,

für Ihr Schreiben vom 3. März 2008 danke ich Ihnen. Als Mitglied im Kuratorium der Bundeszentrale für Politische Bildung habe ich den Vorgang - unter anderem durch ein persönliches Gespräch mit dem Präsidenten der Bundeszentrale, Herrn Krüger - geprüft.

Ihre Bedenken gegen die Formulierungen auf der Internetseite der Bundeszentrale für Politische Bildung, mit denen der iranische Präsident paraphrasiert wird, kann ich nicht teilen und schließe mich daher den Ausführungen Herrn Dr. Hübingers von der Bundeszentrale an.

Mit freundlichen Grüßen,
Lale Akgün

Antwortschreiben an Lale Akgün vom 31.3.2008

Sehr geehrte Frau Dr. Akgün,

Sie gehören zu den wenigen Kuratoriumsmitgliedern, die geantwortet haben. Das erkennen wir an. Aber was Sie antworten, ist weit entfernt von dem, was wir für akzeptabel halten können. Was denken Sie sich eigentlich, wenn Sie ohne jede Argumentation über das hinweggehen, was wir vorbingen? Sind Sie zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung nicht willens oder nicht fähig?

Zu Ihrer Information: es hat in der Zwischenzeit zwei Artikel von sprachkundigen Wissenschaftlerinnen in der Süddeutschen Zeitung gegeben (Katajun Amirpur am 15.3.2008 und Mariella Ourghi am 27.3.2008). Wir fügen sie bei.

Katajun Amirpur macht deutlich, daß die von den Nachrichtenagenturen verbreiteten Übersetzungen - Israel von der Landkarte radieren (AFP), Israel von der Landkarte tilgen (AP, Reuters), Israel ausrotten (DPA) - eindeutig falsch sind. Korrekt ist eine Übersetzung wie: "Dieses Besatzerregime muss von den Seiten der Geschichte (wörtlich: Zeiten) verschwinden." Oder, weniger blumig ausgedrückt: "Das Besatzerregime muss Geschichte werden." Das sei – so Katajun Amirpur – keine Aufforderung zum Vernichtungskrieg, sondern eine Aufforderung zum Beenden der Besatzung.

Die Ausführungen von Mariella Ourghi lesen sich zunächst so, als würden sie die Recherchen von Katajun Amirpur widerlegen. Das ist aber keineswegs der Fall. [...]

Wir möchten Sie hiermit noch einmal dringlich auffordern, sich für die Richtigstellung einzusetzen. Sie machen sich ansonsten im Verbund mit Herrn Krüger und der Bundeszentrale für politische Bildung mitschuldig bei der Verbreitung von Kriegspropaganda, an deren Ende möglicherweise ein Krieg gegen den Iran steht.

Mit freundlichen Grüßen
Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann



Resonanz auf den offenen Brief an die Bundeszentrale für politsiche Bildung

17.01.08 16:38

vielen Dank für [...] den klugen Brief an die Bundeszentrale.

21.01.08 22:21

von einem guten Bekannten erhielt ich heute Ihren hervorragenden Brief an die 'Bundeszentrale für Politische Bildung' mit dem Titel "Israel tilgt Palästina von der Landkarte".

Ich befasse mich seit Jahren mit dem Nahost-Konflikt (Internet, Mails, Bücher etc.) und möchte Sie ermuntern, diesen Brief auch an unsere Bundesregierungs-Mitglieder zu schicken, obwohl ich weiß, dass - bis auf wenige - unsere aktiven Politiker wegen ihres Karrierestrebens auf jede Kritik an Israels Menschenrechts-Verletzungen schweigen; dafür schäme ich mich als Deutscher. Denn aus der Geschichte lernen heißt für mich, sich einzusetzen gegen jede Art von Menschenrechts-Verletzungen, soweit dies überhaupt machbar ist.

Besondere Kritik aber muss geübt werden an Israels Jahrzehnte andauernden Menschenrechtsverletzungen bezgl. der Palästinenser, deren Demütigungen, der gegen jedes Recht verstoßende anhaltende Landraub, die brutalen Häuserzerstörungen und Plantagenvernichtungen, jetzt die unsägliche und widerliche Kollektiv-Bestrafung der Bewohner von Gaza durch die Stromabschaltung, die Behinderung der Lieferung von Energie, Lebensmitteln, Medikamenten etc; und niemand scheint sich da aufzuregen, kaum Leserbriefe wegen dieses schreienden Unrechts. Viele Deutsche, auch meine Bekannten, halten sich da geflissentlich raus, und schweigen, schweigen, schweigen. - Vielleicht auch deswegen: Überall ist der Zentralrat der Juden i. Deutschland 'allgegenwärtig' und will uns Deutsche zum "Aufstand der Anständigen" (O-Ton Paul Spiegel), zur Zivilcourage erziehen, allerdings nur zu einer einseitigen Zivilcourage; die eigenen Schandtaten der israelischen Besatzungsmacht im Auftrage der israelischen Armee bzw. der israelischen 'Sicherheitspolitik' übergeht man geflissentlich, und wagt es einer, diese zu kritisieren, gilt man schnell als Antisemit; ein Begriff, vor dem viel zu viele unnötigerweise Angst haben; je mehr sich darüber hinwegsetzen würden, desto mehr Druck könnte man aus Deutschland und der EU auf Israel ausüben.

Da aber - wie schon oben erwähnt - 99,99 Prozent der Politiker großer Parteien Angst haben, als Antisemiten abgestempelt zu werden [...], schweigen sie alle. Umso wichtiger ist es, solche Briefe - wie Sie es getan haben - zu schreiben und sie auch als Leserbriefe zu veröffentlichen, um auch weiteren Leuten Mut zu machen, den Mund aufzumachen. [...]

Abschließend darf ich Ihnen noch einmal meinen Respekt über Ihren punktgenauen Brief ausdrücken.

21.01.08 23:55

euer beitrag ist ganz große klasse -- wie ihr den spieß so wunderbar umdreht und das langsam verschwindende palästina ins spiel bringt !!! richtig gut !!

(Claudia Karas, 'Aktionsbündnis für einen gerechten Frieden in Palästina' und 'Mitglied des AK Palästina/Israel' in Frankfurt/Main)

28.01.08 22:21

keinen bock auf diesen anti-israelischen scheiß!

28.01.08 22:22

... toll! mit dank und solidarischen grüßen

(Dr. Dieter Keiner, lehrte bis 2005 an der Universität Münster. Arbeitsschwerpunkte u.a. Globalisierungsprozess und Kulturentwicklung, internationale Bildungspolitik, Analphabetismus. Mitbegründer des Aktionsbündnisses Münster gegen den Krieg, Münster)

28.01.08 22:28

Vielen Dank Euch beiden! Ich werde den Brief viel verbreiten.

(Barbara Fuchs, attac - AG Globalisierung und Krieg)

28.01.08 22:56

Danke, sehr gut, und den Nagel auf den Kopf getroffen. Genau so sehe ich es auch. -- Ich sehe den Konflikt, die palästinensische Tragödie, als Fortsetzung der europischen und deutschen Geschichte, darum sollten wir sehr viel mehr auch Verantwortung für das palästinensische Volk übernehmen, nicht nur für das jüdische.

(Ellen Rohlfs, seit 40 Jahren mit Nahost beschäftigt, Friedensaktivistin, Mitglied von Gush Shalom und der deutsch-palästinensischen Gesellschaft, Autorin von drei Büchern zum Nahostkonflikt, Freunde auf beiden Seiten des Konflikts)

28.01.08 23:49

Sehr gut!

29.01.08 02:24

ich danke Euch für Eure unnachlässige Arbeit. Es ist gut und wichtig, was Ihr tut. Eure Infragestellungen, Entlarvungen und Hintergründe vermittele ich weiter.

(Hans Mörtter, kritischer Protestant und Querdenker)

29.01.08 05:17

Vielen Dank für diesen ausgezeichneten Brief! Ob er beantwortet wird oder nicht, ändert nichts an der traurigen Tatsache, dass der Brief gut ist und total stimmt.

(Paula Abrams-Hourani, Frauen in Schwarz, Wien)

29.01.08 09:26

Guten Morgen. "Wenn wir tatsächlich ein Interesse an einem friedlichen Miteinander der Menschen in Palästina bzw. Israel haben und tatsächlich aus unserer Geschichte gelernt haben, dann dürfen wir die Realtität nicht verzerrt darstellen. Und wir müssen immer damit rechnen, daß diejenigen, die ihre Interessen verfolgen, dies mit unlauteren Mitteln tun. Dafür gibt es in der Geschichte zahllose Beispiel. Und unseres Erachtens müßte es zentrale Aufgabe einer Organisation wie der Ihren, die politische Bildung und Aufklärung betreiben will, sein, hinter die Kulissen zu blicken, vor denen vielfach Theater gespielt wird, das mit der Realität recht wenig zu tun hat." Ein schönen Anspruch den ihr da formuliert. Schade, dass ihr euch nicht daran haltet.

PS. Spam-Filter funktioniert toll. Braucht mich nicht austragen.

29.01.08 10:51

Genossen und Genossinnen, es ist betrüblich, wie Sie sich dazu hergeben, durch ihre Relativierung der Äußerungen Ahmadinedschads den Antisemiten jedweder Coleur neuen Zündstoff zu gegen. Mag sein, dass er einiges nicht genau so gesagt hat, wie in der Darstellung der BpB behauptet. Aber es bleiben genügend Äußerungen übrig, die Ahmadineschad als Antisemiten ersten Ranges ausweisen. Es genügt, sich den Wikipedia-Artikel zu dessen Person durchzulesen und dessen Verweisen zu folgen, um sich ein entsprechendes Urteil zu bilden. Schlimmer ist es beinah, dass Teile der Arbeiterbewegung, insbesondere ihre 'Arbeiterfotografie', einem primitiven Antiimperialismus und einem damit verbundenen Antisemitismus frönen. Lassen wir den Antisemitismus Ahmadineschads mal beiseite - der eigentliche Skandal ist ihr hauseigener Antisemitismus, der nicht nur aus ihrer aktuellen Stellungsnahme heraus deutlich wird. Vielleicht sollten sie sich in punkto Antisemitismus erst einmal mit sich selbst beschäftigen, bevor sie andere Antisemiten verteidigen.

29.01.08 11:50

Ich möchte mich diesem Euren Brief anschließen. Könnt Ihr diese meine Stellungnahme an die Bundeszentrale weiterleiten?! Auf die Antwort bin ich gespannt.

(Bianka Buddeberg, Kölner Frauen in Schwarz, pensionierte Grundschullehrerin und Teil der Friedensbewegung)

29.01.08 12:38

Die Illustration, wie Israel Palästina aus der Landkarte tilgt, ist hervorragend, auch die Gegenüberstellung dessen, was Ahmadinedschad sagt und Israel tut. Mit Ihrer Erlaubnis werde ich dieses Argument künftig vorbringen.

29.01.08 12:58 (Unsere Antwort siehe unten)

An die Arbeiterfotografie,

Antizionismus mit antisemitischen Zügen hat nicht nur in der deutschen Linken bedauerlicherweise eine lange Tradition (vgl. dazu z.B. den BUKO-Reader 'Antisemitismus' von 2005), sondern auch immer wieder in öffentlichen Erklärungen der Arbeiterfotografie zum Thema Naher Osten bzw. Palästina.

Dass Ihr jetzt auch noch den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad in Schutz zu nehmen versucht, der sich bei jeder Gelegenheit als fanatischer antisemitischer Hetzer outet und der noch 2006 eine Konferenz von Holocaust-Leugnern in Teheran veranstaltete, ist skandalös.

Antifaschisten haben nach der Teheraner Konferenz mit einer Demonstration vor dem Haus eines NPD-Funktionärs an der Agneskirche darauf aufmerksam gemacht, dass auch Kölner Nazis an dem Treffen der Holocaust-Leugner und Israel-Hasser im Iran teilgenommen haben. Sie wurden dort von Ahmadinedschad persönlich mit den Worten begrüßt: "Der Iran ist Euer Zuhause und hier könnt Ihr Eure Meinungen frei äußern, in einer freundschaftlich gesinnten und offenen Atmosphäre."

Ahmadinedschad sagte auf dieser Konferenz auch sehr deutlich, worum es ihm mit seiner Einladung an Geschichtsrevisionisten aus aller Welt ging: "Die Lebenslinie des zionistischen Regimes neigt sich nach unten. Es folgt einer abschüssigen Bahn bis zu seinem Zusammenbruch... Ich kann Euch versichern, das zionistische Regime wird ausgelöscht und die Menschheit endlich davon befreit werden." (übersetzt nach dem englischen Redetexte in: MEMRI, Inquirey and Analysis Series - No. 307, 15. Dezember 2006. www.memri.de)

Deutsche Linke und Solidaritätsbewegungen haben sich in der Vergangenheit schon mit allen möglichen Völkermördern und Menschenschlächtern solidarisiert (von Pol Pot über Idi Amin bis zu Saddam Hussein und der Hamas).

In der Internationalismusbewegung ist diese 'blinde' Solidarität, die auf einem platten Antiimperialismus beruht, immer wieder kritisiert worden. (Wir haben dazu schon 1986 im Kölner Volksblatt-Verlag das Buch 'Hoch die Internationale Solidarität' und im selben Jahr war dies Thema des Bundeskongresses der Internationalismusbewegung in Bremen.)

Aber offenkundig waren und sind alle diese Bemühungen für die Katz. Schließlich passiert derselbe Scheiß - nur mit teilweise wechselnden Protagonisten - alle Jahre wieder.

Da Ihr Eure Sympathiebekundungen für Holocaust-Leugner per mail verbreitet, erlaube ich mir, auch diese Antwort an ein paar Adressen weiter zu schicken. Ob's was nützt, weiß ich nicht.

Jedenfalls fordere ich Euch hiermit auf, mich aus Eurem mail-Verteiler zu streichen und mich nicht weiter mit ähnlichen Zumutungen zu behelligen.

Auch für Kooperationen, wie es sie in der Vergangenheit gelegentlich gegeben hat (so z.B. in den achtziger Jahren, als die Arbeiterfotograrie Fotos zu einem unserer Bücher beigesteuert hat), stehe ich persönlich ebenso wenig zur Verfügung wie für weitere Debatten um die Exegese der Hetzreden von Ahmadinedschad. Ich möchte von Euch schlicht und einfach gar nichts mehr hören und lesen müssen.

(Karl Rössel)

29.01.08 13:34

Guten Tag, Ihr "offener Brief" hat auch mich per Sammelmail erreicht.

Ich teile Ihnen dazu mit, dass ich Ihre Meinung nicht vertrete und daher meine "zustimmende" Reaktion ausbleibt. Zum anderen empfinde ich Ihre "Botschaft" als Nazi-Hetzparole. Sie ist gegen den Staat Israel und der dort lebenden Menschen ausgerichtet. Ich nehme den Inhalt Ihres Rundbriefes als einseitig und ignorant ausgeleuchtet wahr, denn er beinhaltet eine gefährliche Geschichtsklitterei: Verfälschend und tendenziös.

Es dürfte Ihnen entgangen sein, dass Israel ständig Friedensverhandlungen anstrebt und diese erst jüngst wieder durchführte, ferner vor wenigen Jahren sogar auf freiwilliger Basis Siedlungsgebiete an Palästina abgetreten hat. Alle Friedensbemühungen blieben bisher erfolglos. Sie ignorieren außerdem, dass stets erneut von arabischer Seite aus Selbstmordattentate in Form von Bomben auf israelischem Hoheitsgebiet geschehen, was jeweils auf beiden Seiten die schlimmsten Krisen- und Katastrophensituationen auslöst. Wie es die aktuellen Nachrichten erst vor kurzem belegt haben, sind die Leidtragenden letztendlich unschuldige Opfer, abermals auf beiden Seiten. Die israelischen Opfer allerdings werden jedoch gar nicht oder nur vage erwähnt.

Politisch wirk- und ratsamer wäre es, Israel endlich in Ruhe zu lassen. In diesem Jahr begeht dieser Staat sein 60. Bestehen, ein Land ist das, dessen Existenz sechs Millionen Opfer (und wahrscheinlich mehr) aus der Shoa begründet. Es ist ein von Blut und Elend gezeichneter und durchtränkter Boden, Zufluchtsstätte der Verfolgten, Entwurzelten und Verzweifelten.

Gönnt den Juden endlich ihren Staat. Denn mehr beansprucht dieses Schicksalsvolk nicht.

29.01.08 14:43

vielen Dank für die Zusendung Eurers Briefes / Anfrage an die bdp. Gerne würde ich diesen Brief - selbstverständlich mit Verweis auf Eure Homepage - auf die Homepage der Zeitung www.linkezeitung.de setzen. Wäre Euch das recht?

(Francis Byrne, Netzwerk Linke Opposition und Linkezeitung)

29.01.08 15:23

falls Ihr auf diesen offenen Brief an die BPB eine Antwort bekommt, würde sie mich sehr interessieren.

29.01.08 16:29

Für Ihren sehr, sehr guten Brief danke ich Ihnen ganz herzlich!!! Ich versuche auch für eine ehrliche Politik und für einen g e r e c h t e n Frieden in Palästina/Israel zu arbeiten. Vielleicht interessiert Sie diesbezüglich mein Brief an A. Merkel, auf den ich auch keine Antwort bekommen habe - noch nicht mal eine Eingangsbestätigung.

Sollten Sie noch eine Antwort bekommen, bin ich daran interessiert. Ich grüße Sie freundlich

(Winfried Belz, Seelsorger am Universitätsklinikum Heidelberg und Mitglied von Pax Christi)

29.01.08 21:09

Ich habe vorhin eure Seite wiederentdeckt, früher schon mal wegen der 9/11-Sachen, jetzt wegen der Analysen der Hetze gegen Ahmadinejad und den Iran. Ich bin begeistert, obwohl ich natürlich nicht alles lesen kann. Aber soweit ich es sehe, sehe ich es genau wie ihr (und meine dabei die Abteilungen "Drohender Krieg gegen den Iran" und "Israels Krieg im Nahen Osten"). Und sage deshalb mal ein großes Danke für eure Arbeit. Ich habe mir erlaubt, den Text über den ARD-Weltspiegel vom 11.11.07 auf meiner HP zu zitieren. Und eure Seite dort mal ganz oben verlinkt.

30.01.08 05:18

Danke für diesen Brief. - Bei der Bundeszentrale für politische Bildung stoßt ihr auf AIPAC-Kernland. Da wird immer nur die israelisch-zionistische Sichtweise der Weltlage propagandiert. Ich lese den Müll schon lange nicht mehr und warne auch regelmäßig davor [...] Gruß und weiter so

(Dirk Gerhardt)

30.01.08 13:19

danke für diesen wunderbaren Brief. Ich werde als Lehrerin und GEW-Mitglied noch einmal nachfassen...

(Elke Zwinge-Makamizile, Lehrerin und aktives Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft)

30.01.08 17:04

Hallo liebe MitstreiterInnen von der Arbeiterfotografie, gab es mittlerweile schon eine Antwort auf euren Brief? Bitte informiert weiter, sobald eine Antwort eingeht.

31.01.08 23:42

durch Vermittlung eines Bekannten bin ich auf Ihre Website gekommen und habe den offenen Brief gelesen, der fordert, die Quelle preiszugeben, aus welcher die Verleumdung des iranischen Präsidenten fließt. Ich stimme dem offenen Brief zu. [...] Solidarische Grüße

01.02.08 15:38

Euer Brief ist sehr richtig [...] Mittlerweile denken viele Mitmenschen so wir Ihr. Deshalb möchte ich meine Antwort als Unterstützung für Euch und Euer Engagement verstanden wissen. Mit herzlichen Grüßen

(Elmar Klevers, Atheist, Antifaschist, Mitglied der VVN-BdA und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft)

02.02.08 03:43

interessant, danke. Freundliche Grüße -- Ein Denken, das nicht gegen sich selbst denkt, ist wie das Orchester von Auschwitz. (Adorno - Negative Dialektik)

(Andreas Landl, österreichischer Ökonom, Friedensaktivist, Sozialwissenschafter und Journalist)

10.02.08 16:54 (Antworten siehe unten)

Sehr geehrte Frau Fikentscher, sehr geehrter Herr Neumann,

bei den Bildern, die ich Ihrem offenen Brief entnommen habe, vermisse ich den sonst bei Ihnen üblichen (und von mir geschätzten) kritischen Umgang mit Bildmaterial. [...]

Zum 1. Bild: Meines Wissens gab es seit mindestens 2000 Jahren keinen eigenständigen Staat Palästina, bei dem für 1946 gezeigten Gebilde handelt es sich um britisches Mandatsgebiet. Die Unterteilung in jüdisches und palästinensisches Gebiet könnte ethnisch oder religiös sein oder sich nach dem Besitz an Land richten, das sich jüdische Zuwanderer erworben haben (das Kriterium wird aber nicht ausgewiesen).

Zum 2. Bild: Der UN-Teilungsplan sieht zwei Staaten vor. Nach der Logik des 1. Bildes wären aber jüdische Einsprengsel im palästinensischen Gebiet und palästinensische Einsprengsel im jüdischen Gebiet zu zeichnen gewesen, es sei denn der Teilungsplan hätte auch massenhafte Umsiedlungen vorgesehen.

Zum 3. Bild: Nach meiner historischen Kenntnis gab es 1948 den massiven Versuch seitens der arabischen Staaten, eine Konstituierung Israels zu verhindern, in deren Verlauf es zu Pogromen gekommen ist, die sich bezeichnenderweise gegen die sogenannten orientalischen Juden richteten, d. h. gegen die Juden die gerade nicht eingewandert waren. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzungen ist im dritten Bild unzutreffend wiedergegeben. Denn der Gaza-Streifen gehörte zu Ägypten, das West-Jordan-Land zu Jordanien. Palästinensisches Land als eigenständiges staatliches Gebilde, wie die Karte suggeriert, gab es nicht. Der Logik der ersten Karte gemäß hätten auch in Israel grüne Gebiete oder Einsprengsel gezeichnet werden müssen, da auch heute noch ein beträchtlicher Anteil der israelischen Bevölkerung muslimisch ist (oder anderen Religionen angehört) - und alle bürgerlichen Rechte genießt (mir bekannte Ausnahme: für den muslimischen Teil der Bevölkerung gilt die allgemeine Wehrpflicht nicht)

Zum 4. Bild: Ich fragte mich zunächst, weshalb der Gaza-Streifen an seinem süd-westlichen Ende ein weißes Einsprengsel hat. Ein Blick in den Atlas auf eine Karte zur Bodennutzung Israels (ist schon ein etwas älterer Atlas) weist dieses Gebiet als Küstendünen aus. Der "geweißte" Streifen längs des Jordans gehört nach der gleichen Karte zu den Gebieten mit geringem Ertrag (arm und zu trocken). Und Google-Earth zeigt, dass viel von der West-Bank einfach Ödland ist. Der Verdacht drängt sich auf, dass gegenüber der 67-er Karte einfach die Gebiete Israel zugeschlagen worden sind, in denen sowieso niemand wohnt.

Mein Fazit: Sie haben unkritisch eine Folge von Karten übernommen, die das Gewollte nur zeigen können, weil die Kriterien der Färbung von Karte zu Karte sich ändern, ohne dass das ausgewiesen wird.

Meine Bitte: Können Sie mir sagen, woher diese Karten kommen, d.h. wer auf diese unredliche Weise auf die politische Willensbildung Einfluss nehmen will? Auch das ein Kritikpunkt: Sie selbst haben Ihre Quelle nicht ausgewiesen.

(Werner Begoihn)

11.03.08 15:04

Aufgrund der offen antizionistischen bis völlig abstrusen 'Argumentation' des offenen Briefs an die BZPB bitten wir, von weiteren 'Informationen' abzusehen.



Resonanz auf die Korrespondenz mit der
Bundeszentrale für politische Bildung


05.03.08 16:43

Hallo Ihr Lieben von der Arbeiterfotografie! Tolle Rückantwort von Euch. Super! Dürfte ich diesen Briefwechsel auch auf der Linkezeitung.de veröffentlichen?

(Francis Byrne, Netzwerk Linke Opposition und Linkezeitung)

05.03.08 17:15

Hallo, ich danke Euch für diese ausgesprochen gut recherchierte und dokumentierte mail, die ich heute bekommen habe. Und bei der Gelegenheit auch mal für die vielen sonstigen Rundmails die ich zwar längst nicht alle gelesen habe, aber aus denen ich immer wieder wertvolle Informationen extrahiert habe. Nicht zuletzt weil es nach wie vor eher der Normalfall ist, dass nur im Falle eines Mißfallens eine Reaktion erfolgt, was für die Aktiven ein Stimmungsbild erzeugt, das deutlich demotivierend ist, wollte ich mich mal mit diesem dicken Lob zwischenzeitlich zu Wort gemeldet haben. Danke und weiter so!

(Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, Ostermarsch-Organisator)

05.03.08 18:58

Bravo und Dank für eure Arbeit! Mit solidarischen Grüßen

(IPPNW-Mitarbeiterin)

05.03.08 18:59

Betreff: Bundeszentrale für politische Propagandaindoktrination - An unseren Meinungsunterschieden zu Themen wie Iran einerseits, Israel andererseits wird sich mutmaßlich nichts ändern. Gleichwohl unterstütze ich Euch schon aus rein professionell journalistischen Gesichtspunkten im Hinblick auf das Anliegen, von einer Bundeszentrale für politische Bildung statt manipulativer Emotionalisierung exakte Informationen auf der Grundlage verifizierter Quellen zu verlangen. Die jetzt vorliegende Antwort ist im Grunde noch unverschämter als der Anlaß, der Ausgang Eurer Kritik war.

05.03.08 19:10

Ich bitte, diese praezise Stellungnahme der Arbeiterfotografie, die ein herausragendes Beispiel dafuer ist, wie Meinungsmanipulation und Fakten auseinandergehalten werden muessen, grossraeumig weiter zu verbreiten.

05.03.08 19:22

Wichtig: Gut verlinken!

05.03.08 19:42

besten Dank für Ihre Initiative!

06.03.08 00:11

eure Antwort ist ganz ausgezeichnet!!! Durch eure gut dokumentierten Recherchen erteilt sich Dr. Hübinger ein eigenes Armutszeugnis!

06.03.08 01:14

das habt Ihr wirklich ausgezeichnet formuliert.

06.03.08 09:07

meinen Glückwunsch zu dieser gelungenen Aktion. Offenbart diese doch die absolut einseitige Position von Regierungsseite. Die erschütternde Argumentation von Dr. Bernd Hübinger: "Die Formulierung steht im Einklang mit Darstellungen diverser seriöser Medien." dokumentiert eine scheinbare Oberflächlichkeit bei der Beurteilung von politischen Fakten, die nicht mehr nachvollziehbar ist. Oder steht dahinter eine gezielte Ignoranz politischer Realitäten aufgrund einer administrierten und einseitig festgelegten Position? Viel Erfolg bei Ihrer weiteren (sehr klugen Arbeit und Vorgehensweise).

06.03.08 10:37

entschuldigen Sie bitte meine Einmischung. Aber vielleicht ist sie hilfreich. Es scheint sich um zwei Probleme zu handeln, 1. was der iranische Präsident tatsächlich gesagt hat und 2. was die Bundeszentrale für politische Bildung dem iranischen Präsidenten in den Mund legt. Inwieweit wissenschaftliche Mitarbeiter der Bundeszentrale für politische Bildung Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens (Prüfung der Quellen) mißachtet haben und ungeprüft fehlerhafte oder verfälschte (ideologisch motiviert sinnentstellte) 'Übersetzungen' übernommen und - möglicherweise unwissentlich, eventuell aber auch ideologisch motiviert - in tendenziöser Weise in Umlauf gebracht haben, also möglicherweise Desinformation betrieben haben, wären weitere Probleme.

06.03.08 12:45

Ganz großen Dank für diese beispielhafte Information über Bildungs- und Medienpolitik. Bin gespannt auf eine weitere Antwort von Dr. Hübinger. Ich werde diesen lehrreichen Briefwechsel auch an unseren AK Süd/Nord der IPPNW weiterleiten.

06.03.08 14:58

Liebe Freunde, der mir von Internetpartnern freundlicherweise übersandte Schriftwechsel zwischen Frau Fikentscher und Herrn Neumann mit Herrn Dr. Bernd Hübinger von der Bundeszentrale für politische Bildung zum Offenen Brief vom 17.1.2008 ist eines der vielen Beispiele dafür, wie staatlicherseits Meinungsmanipulationen als Fakten verbreitet werden. Deshalb habe auch ich alle meine Möglichkeiten genutzt, um ihn bekanntzumachen. Dieser Schriftwechsel reiht sich ein in die vielen wertvollen Internetveröffentlichungen von Arbeiterfotografie, für die ich mich bei dieser Gelegenheit herzlich bedanke.

06.03.08 15:20

Eure Briefe sind wieder ein Muster von Klarheit! Wie gut, dass wenigstens Ihr noch auf der Welt seid! Herz und wie gesagt: Eine ganze Hutparade ab!

06.03.08 21:18

Liebe Freunde, habe gerade ihren liebreizenden Schriftverkehr mit der Bundeszentrale für politische Desinformation zugesandt bekommen. Voll meine Meinung. Auch ich habe mit dem Chef der hiesigen Landeszentrale schon manchen Strauß ausgefochten. Egal: 2 Artikel zum Thema "Falschinformationen über den Iran" im Anhang. viele Grüße, weiter so.

(Freier Dozent und Übersetzer für Arabisch, Farsi und Englisch)

07.03.08 00:17

Danke! Liebe Leute, was seid Ihr mutig! Weiter so und nehmt mich bitte in Euren Verteiler auf!

07.03.08 02:01

Liebe Leute, habe mir die Antwort der Bundeszentrale für politische Bildung als ein Nest von Täuschungen und Falschheiten enttarnt. Genaueres Hier: http://www.islampress.de/2008/3/7/die-antwort-der-bundeszentrale. Ich bin sicher, daß es euch interessiert.

[islampress.de: Wie wir schon berichtet hatten, war die Bundeszentrale für politische Bildung vom Blog der Arbeiterfotografie in aller Form darauf aufmerksam gemacht worden, daß sie in ihrem Antisemitismus-Dossier auf der Webpage der Zentrale dem Präsidenten Irans eine Behauptung in den Mund legt, Israel nämlich von der Landkarte tilgen zu wollen, die er nach heutigem Kenntnisstand offensichtlich gar nicht gemacht hatte. Die jetzt durch Dr. Hübinger erfolgte Antwort der Bundeszentrale verdient Beachtung: Sie steckt voller Täuschungen und widerspricht zudem dem Wortlaut des eigenen Textes. Lügen aber haben kurze Beine...]

07.03.08 10:24

Na endlich --- der Brief von Dr. Hübinger ist unglaublich --- als ob er Unbedarften antwortet. Er reagiert wie Bush &Co: als ob eine Lüge, die man 1000 mal wiederholt zu Wahrheit wird. Von einem studierten Herrn Dr. erwartet man etwas anderes. Ob seine Doktorarbeit auch mit diesen Argumenten arbeitet. ...seit wann sind unsere Medien seriös??? Eure Antwort ist sehr gut!

(Ellen Rohlfs, seit 40 Jahren mit Nahost beschäftigt, Friedensaktivistin, Mitglied von Gush Shalom und der deutsch-palästinensischen Gesellschaft, Autorin von drei Büchern zum Nahostkonflikt, Freunde auf beiden Seiten des Konflikts)

09.03.08 19:37

Betreff: Übersetzungsstreit - Mit großem Interesse habe ich ihre e-mail mit der BPB-Antwort gelesen. Wie mir einen Muttersprachrachlerin bestätigt, hat Ahmadinejad ein Zitat von Khomeini aus Schahzeiten wiedergegeben: "Dieses Besatzerregime muss von den Seiten der Geschichte verschwinden." Und damit meinte er: wie das Regime des Schah, das von Saddam Hussein und die Sowjetunion.

Für ihre weitere Auseinandersetzung hätte ich eine Idee: Der Wortlaut in Farsi dürfte unbestritten sein. Sie könnten der BPB z.B. vorschlagen, eine/n von der Bundesregierung vereidigte Übersetzer/in ihres Vertrauen zu beauftragen, den Text zu übersetzen. Im Auswärtigen Amt und bei der Bundeswehr gibt es solche Sprachdienste ebenfalls - diese könnten allerdings interessegeleitet sein. Bitte halten Sie mich weiter auf dem Laufenden.

09.03.08 21:44

Ich verfolge diese Entfremdungen der Worte des iranischen Präsidenten nun schon seit zwei Jahren oder mehr... Es ist ein Jammer, wie lange sich derartige Mythen in den Medien halten können. Ohne mich jetzt auf konkrete Beispiele festnageln zu lassen: Diese Methode des falsch übersetzens ist eigentlich ein alter Hut, der schon eine Tradition von mehr als 1000 Jahren hat... Warum soll das heute anders sein ... wer zum Teufel spricht schon persisch, oder arabisch.. und kann die Original-Reden verifizieren? Ich unterstütze Euch jedenfalls dabei. Vielleicht werde ich auch noch an diese Bundeszentrale schreiben, einfach nur um zu demonstrieren, daß diese Falschübersetzungen und die daraus resultierende Propaganda durchaus als solche wahrgenommen werden.

12.03.08 11:24

Vielen Dank für die sehr gute Zusammenstellung und die klare Darstellung der Fakten!

12.03.08 14:23 (Antwort siehe unten)

hallo arbeiterfotografie, bitte schickt uns keine weiteren mails und nehmt uns als buko aus eurem verteiler. wir sind an weiteren informationen von euch nicht interessiert. inhaltlich können wir uns der mail von karl rössel (vom 29.1) voll und ganz anschliessen. gruß steffen (für die BUKO)

12.03.08 14:55

in Ihrem Brief an die bpb haben Sie auf ganzer Linie recht. Die blinde Zustimmung von Politik und Medien zur menschenverachtenden und brutalen israelischen Politik, hat keinerlei reale Grundlage. Das ist politisches Vasallentum und übelste Doppelmoral, und all das wird in den Massenmedien so verkauft, dass der durchschnittliche Rezipient es kritiklos aufnimmt. Was Ihrem Brief aber fehlt ist eine deutliche Distanzierung zu Ahmadinejad. Ihnen geht es klar um die Gefahren, die bewusste oder unbewusste Lancierung falscher Informationen, zumal in einer aufgeheizten Stimmung, bedeutet. Es geht Ihnen um die Klarstellung von Fakten, und das ist heute richtiger und wichtiger denn je. Bei vielen kommt dies aber fälschlicherweise als Verteidigung eines Präsidenten an, unter dem in erster Linie das iranische Volk zu leiden hat - dabei ist eine solche Verteidigung gar nicht Ihr Ziel. Eben das aber sollten Sie deutlicher klarstellen. Es gibt Rezipienten, die verstehen Sie falsch und es gibt solche, die verstehen Sie absichtlich falsch. Stärken Sie Ihre Position, indem Sie dem entgegenwirken.

12.03.08 17:58

Ich möchte Euch gratulieren zu Eurer Korrespondenz mit der Bundeszentrale! Mit besten Grüßen in Verbundenheit

12.03.08 22:41

Großartig, was Ihr da zu Papier gebracht habt (entlarvend die Antworten). Gratulation. Wir sind auf die weiteren Reaktionen gespannt. Vielleicht könnten wir von dem Schriftwechsel auch einiges auf unsere website laden?



Resonanz nach Erscheinen des Artikels "Der iranische Schlüsselsatz - Ein Übersetzungsfehler macht gefährliche Weltpolitik" von Katajun Amipur in der Süddeutschen Zeitung vom 15./16.3.2008:

15.03.08 15:13

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Friedens-, Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen, beiliegend sende ich einen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom 15./16.3.2008. Die in Köln lebende renommierte Islamwissenschaftlerin und Iranistin Dr. Katajun Amirpur, Autorin mehrerer Bücher, die sich kritisch mit der Menschenrechtslage im Iran auseinandersetzen, hat in diesem SZ-Artikel die entscheidende Passage der Rede des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad übersetzt und analysiert, die dieser am Jerusalemtag 2005 gehalten hatte. Zahlreicher Nachrichtenagenturen zufolge soll der iranische Präsident angeblich damals gesagt haben, "Israel von der Landkarte radieren" (AFP), "Israel von von der Landkarte tilgen" (AP, Reuters), "Israel ausrotten" (DPA).

Frau Amirpur weist in dem SZ-Artikel nach, dass die korrekte Übersetzung der Aussage Ahmadinedschads, der den verstorbenen Ajatollah Chomeini zitierte, tatsächlich lautet: "Dieses Besatzerregime muss von den Seiten der Geschichte (wörtlich: Zeiten) verschwinden".

In der aktuellen Berichterstattung der letzten Tage über die Wahlen im Iran wurde erneut auf die falsche Übersetzung zurück gegriffen; selbst die Bundeszentrale für politische Bildung ist dem immer wieder Abschreiben und der Weiterverbreitung der falschen Übersetzung auf den Leim gegangen. Wegen der weitreichenden Bedeutung des Sachverhaltes für einen immer noch nicht ganz ausgeschlossenen Angriff auf Iran, ist dem Artikel von Katajun Amirpur eine weite Verbreitung zu wünschen.

15.03.08 18:01

Wer vor 2003 betonte, dass nichts darauf hinweist, dass der Irak noch über Massenvernichtungswaffen verfügt, wurde flugs zum Saddam-Anhänger erklärt. Unbeirrt erklären nun die selben Leute alle, die angesichts der Kriegsgefahr die aktuelle Propaganda gegen den Iran zu entlarven suchen, zu Ahmadinedschad-Anhängern. Auch der Antisemitismus-Vorwurf darf natürlich nicht fehlen.

Falls Ihr mich nicht eh schon drauf habt (wegen der irakischen Massenvernichtungswaffen) könnt Ihr mich gerne noch in diese Liste aufnehmen. Ich bekenne freimütig, zum Kreis derer zu gehören, die die Arbeit der Arbeiterfotografie oder die von Knut Mellenthin für wichtig und verdienstvoll halten. Das ist noch kritischer Journalismus. Wo Ihr schon dabei seit, dann solltet Ihr Euren Zorn auch gegen die Islamwissenschaftlerin Dr. Katajun Amirpur richten.

15.03.08 19:35

hallo, dann kann man ja gespannt sein, ob es [den Artikel in der Süddeutschen Zeitung] die obersten propagandisten der bundesregierung auch gelesen haben. vermutlich - da sie ihre quellen ja auf äußerst seriöse presse-texte stützen - werden sie bei ihrer kiste bleiben. die israelische version wird sich halten, das gehört schon zur allgemeinen ordnung.

16.03.08 09:46

Liebe Freundinnen und Freunde, endlich hat eine überregionale deutsche Zeitung, nämlich die Süddeutsche Zeitung, es gewagt, die Ahmadinejad zugeschriebene Absicht, "Israel von der Landkarte zu tilgen" durch eine sprachlich fundierte Übersetzung richtig zu stellen. Anbei zu Ihrer/Eurer Kenntnis den Beitrag "Der iranische Schlüsselsatz. Ein Übersetzungsfehler macht gefährliche Weltpolitik" in der SZ vom 15./16.03.08. Die Verfasserin ist Katajun Amirpur, eine ausgewiesene Orientalistin und engagierte Journalistin, die auch für kritische Beiträge zur Politik der Islamischen Republik einen guten Ruf genießt.

An dieser Stelle ist auch der 'Arbeiterfotografie' zu danken, die seit der Verbreitung einer historisch bedeutsamen Lüge durch gezielte Verfälschung bei der Übersetzung zahlreiche richtigstellende Beiträge verfasste, die allerdings bisher über den Insiderkreis der Experten nicht hinausgekommen sind. Der Beitrag von Amirpur in der SZ kommt dennoch zum richtigen Zeitpunkt, da die Kriebstreiber in Washington und Tel Aviv ihren Kriegsplan gegen den Iran, den sie in der Hauptsache mit der verfälschten Aussage Ahmadinejads begründeten, weiterhin verfolgen. Und das, obwohl Ende 2007 die 16 US-Geheimdienste in ihrem Bericht festgestellt haben, dass die iranische Regierung ihre Pläne zum Bau einer Atombombe seit 2003 ausgesetzt hat.

16.03.08 10:53

Hallo zusammen, ganz kurz: Dem Artikel in der SDZ kann ich voll und ganz zustimmen. Ich hatte nie angezweifelt, dass Eure Recherche hinsichtlich Ahmadinedschad falsch ist. Dabei sind aber seine anderen Äußerungen und Handlungen (s. Holocaust-Konferenz) in den Hintergrund geraten. Ahmadinedschad ist nämlich - wie ich finde - ein ziemlicher Chaot und hat eine Menge Fehler in dieser Frage gemacht. Das sollten wir wenigsten - nach dem wir nun bestätigt wurden - noch unseren LeserInnen sagen. Und dann sollten wir dieses Thema zumindest in diesem Ausmaß schließen und uns den eigenen Baustellen mehr zuwenden.

16.03.08 12:04 (bezugnehmend auf die eMail vom 16.03.08 09:46)

und endlich mal jemand, der Euch auch öffentlich dankt! Schönen Sonntag noch. Danke für Eure Infos.

16.03.08 13:53

Ich habe das [den Artikel in der Süddeutschen Zeitung] wie auch eure Korrespondenz mit der bpB schon gelesen. Habt ihr denn auch den Artikel in der gleichen SZ-Ausgabe auch bemerkt, in dem der Bundeszentrale Fäschungen nachgewiesen werden.

16.03.08 18:02

Bitte keine Spam-Mails mehr verschicken. Danke.

16.03.08 18:34

Liebe Leute von der Arbeiterfotografie, als ich von dieser Sache gehört habe, war ich froh und dankbar, dass ihr euch dieser systematisch-verlogenen Propaganda angenommen habt. Sie dient einerseits einer möglichen Kriegsvorbereitung gegen den Iran, andererseits der "Rechtfertigung" für den israelischen Staatsterrorismus. (Man muss ja immer aufpassen, dass keine Missverständnisse entstehen: Ich bin natürlich gegen jeden (!) Rassismus usw., also auch gegen Antisemitismus, bin aber in der Tat der Meinung, dass Palästinensen auch Menschen sind, entsprechend behandelt werden müssen und sich ggf. zur Wehr setzen dürfen.) Also: Weiter so und lasst euch nicht einschüchtern!

16.03.08 19:26

ich finde es besonders schön, daß der Artikel in der Süddeutschen erschien und so Eure Recherchen bestätigt und Eure unendlichen Mühen nicht spurlos versickern, wie mancheiner es gerne hätte!!! Nur ... wissen wir ja leider, daß erst einmal eine Lüge unters Volk gebracht, es nicht so einfach ist, die Wahrheit zu servieren! Dennoch, weitermachen !!!

16.03.08 19:35

Ich möchte Ihnen meinen Dank und meine Wertschätzung ausdrücken, einen ganz großen Stein ins Rollen gebracht zu haben.

17.03.08 10:25

bitte verschont mich mit eurem Streit. bitte keine weiteren Mails in dieser Sache!

17.03.08 11:06

meine Hochachtung für eure Bemühungen, richtig zu stellen, was Ahmadineschad denn nun wirklich in Bezug auf Israel gesagt hat. Eure Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt, wie der in der Süddeutschen Zeitung vom 15./16. März 2008 veröffentlichte Beitrag von Katajun Amirpur beweist.

Natürlich wird sich nichts ändern. Die Mainstream-Medien werden auch weiterhin die Lüge verbreiten, Ahmadinedschad habe gefordert, Israel müsse von der Landkarte verschwinden. So war es auch in der gestrigen Berichterstattung im Fernsehen anläßlich des Besuches von Frau Merkel in Israel zu hören. Widerlich, wie hier gegen Iran gehetzt wird, um die Öffentlichkeit auf einen eventuellen Krieg gegen dieses Land - unter deutscher Beteiligung - einzustimmen und vorzubereiten. Wie gehabt. Wie vor dem Krieg gegen den Irak.

Verbrecher bestimmen, wo es längs geht. Leider! Wir werden den Gang der Dinge nicht aufhalten. Was wir tun können, ist, immer wieder darauf hinzuweisen, daß die Verantwortlichen unter dem Deckmantel, Demokratie und Freiheit verbreiten und in diesem Fall Israel schützen zu wollen, im Grunde nichts anderes tun als sich als Terroristen zu betätigen. Als Staatsterroristen. Gegen den Strom zu schwimmen und die Dinge beim Namen zu nennen - da leistet "Arbeiterfotografie" einen ganz entscheidenden Beitrag.

Beste und solidarische Grüße

17.03.08 12:58

Liebe Freunde von der Arbeiterfotografie, ich danke Euch fuer Euren unermuedlichen Kampf, die Fakten zu dokumentieren und der Manipulation und den Luegen etwas entgegenzusetzen.

Mir platzte auch der Kragen gestern Abend, als ich den ARD-Korrespondenten die alte Luege widerkauen hoerte, Ahmadinedschad habe gefordert, Israel muesse von der Landkarte verschwinden! Es ist zum aus der Haut fahren, wie sie die „Meinung" im Griff behalten und sich keinen Deut um Wahrheit kuemmern muessen. Wir schreiben uns die Finger wund --- und kommen uns doch immer wieder vor wie Sysiphus, oder?
Versteht mich bitte nicht falsch. Ich bin absolut nicht mutlos, im Gegenteil. Der heilige Zorn und die Unfaehigkeit der taeglichen Barbarei tatenlos zuzuschauen, treibt mich immer wieder an. Ich hatte mal einen alten ueber neunzigjaehrigen, historisch, anthropologisch und politisch aeusserst gebildeten und humanistisch gesinnten Lehrer. Er sagte einmal zu mir: „Kommen Sie, wir haben einen langen Weg ..." Ich denke, er hatte Recht. Er wusste, in welchem Geisteszustand sich die Menschheit befindet. Einmal meinte er, „wir befinden uns noch in einem Mittelalter".

Wenn Dick Cheney der Welt verkuenden kann, dass der Krieg gegen den Terror 40 bis 50 Jahre dauern kann und es keinen Aufschrei gibt, dann ist die Frage nach dem Geisteszustand der Menschheit berechtigt, denke ich.

Mit ganz herzlichen Gruessen

19.03.08 01:49

Bitte nehmt mich aus dem Verteiler, daß aus dem angeblich falsch zitierten Ahmadinedschad nun ein echtes Friedensengerl gemacht wird, habe ich keine Lust mir weiter anzusehen (das besorgt BTW schon das halbe Dutzend antisemitischer Hardcore-Stahlos die mir begeistert mit Euren Seiten digital vor der Nase herumwedeln). Wer wie der iranische Staat antisemitischen Terror offen unterstützt und Holocaust-Leugner Konferenzen abhält über dessen Intentionen kann es keine ernsten Illusionen geben.

20.03.08 09:56 (gerichtet an die Bundeszentrale für politische Bildung)

Sehr geehrte Damen und Herren, durch Freunde wurd